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Neue Banknoten: Diebe bringen Zehn-Euro-Scheine vorzeitig in Umlauf

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Neue Zehn-Euro-Scheine im Umlauf: Frühgeld statt Falschgeld Fotos
SPIEGEL ONLINE

In Hamburg haben Unbekannte die neuen Zehn-Euro-Scheine in Umlauf gebracht - obwohl diese erst ab September gültig sind. Das Geld stammt offenbar aus einem Einbruch, bei dem nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen 700 der Banknoten gestohlen wurden.

Etwas stimmt nicht mit diesen Geldscheinen, das sieht Peter M. sofort. "Dein Kopierer hat aber 'nen Rotstich!", erwidert der Hamburger Taxifahrer dem jungen Mann, der ihm gerade zwei Zehn-Euro-Banknoten in die Hand gedrückt hat. Es ist Mittwoch gegen 16.30 Uhr, soeben hat M. den Mann und seine drei Begleiter zum Holthusenbad gefahren.

"Jo, das sind die neuen Zehner", gibt der Mann zur Antwort. Im vergangenen Jahr seien doch die neuen Fünf-Euro-Scheine eingeführt worden, nun gebe es eben die Zehn-Euro-Scheine. Der Taxifahrer gibt sich damit zufrieden - vorerst. Und im Prinzip hat der Fahrgast ja auch recht.

Bis auf ein nicht unwichtiges Detail: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die neuen Banknoten zwar schon im Januar vorgestellt. Wirklich in den Verkehr gebracht werden sie aber erst am 23. September, erfährt Peter M., als er am nächsten Vormittag in einer kleinen Hamburger Bankfiliale steht. Ja, die Scheine, die er in der Hand hält, seien durchaus echt, erklärt ihm die Angestellte. Aber erst vom Stichtag im September an seien sie auch offizielles Zahlungsmittel.

Neuer Zehneuroschein (Rückseite): Vorher-Nachher
Peter M. steckt die Scheine wieder in die Tasche und verlässt die Bank einigermaßen verwirrt. Wie kommen die vier jungen Männer, die im Hamburger Problemstadtteil Steilshoop eingestiegen waren, bereits jetzt, Anfang Mai, an die neuen Scheine? Und was soll er, Peter M., nun mit den Banknoten machen?

Die erste Frage lässt sich rasch beantworten: "Bei einem Hersteller von Banknoten-Prüfsensoren in Hamburg wurden bei einem Einbruch 700 neue 10-Euro-Banknoten gestohlen", teilt die Bundesbank auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Derartigen Firmen biete die Bundesbank nämlich seit Januar eine sogenannte "besicherte Leihe" der neuen Banknoten an, damit sie ihre Software und Geräte rechtzeitig vor der offiziellen Ausgabe im September anpassen können. Im Gegenzug müssen die Firmen allerdings Sicherheiten in entsprechender Höhe hinterlegen.

Die Hamburger Polizei liefert weitere Details. Am letzten Aprilwochenende sei in den Betrieb eingebrochen worden, der Geräte herstellt, mit denen Falschgeld erkannt werden kann. Und bereits am Sonntag des betreffenden Wochenendes hätten drei Männer an einer Hamburger Tankstelle mit neuen Zehn-Euro-Scheinen bezahlen wollen. Die Kassiererin hielt die Banknoten für Falschgeld und rief die Polizei, die die Männer festnahm.

Zehneuroschein (Vorderseite): Vorher-Nachher
Insgesamt 89 der Banknoten fand die Polizei bei ihnen - bei einer anschließenden Hausdurchsuchung stellten die Beamten zudem einen gefälschten 50-Euro-Schein sicher. Die Männer wurden laut Polizei erkennungsdienstlich behandelt und wieder auf freien Fuß gesetzt.

Komplizierter ist die Antwort auf die Frage, was Peter M. nun mit den Scheinen machen soll. Denn es handelt sich durchaus nicht um Muster, wie Bundesbank und Polizei bestätigen, sondern um reguläre Geldscheine, die aber eben erst vom 23. September an gültiges Zahlungsmittel sind. So lange könnte M. sie aufbewahren. Doch M.s Chef, Thomas Hofschulte, hat Bedenken: "Denken Sie an den Zinsverlust! Die 20 Euro sind ja bis September totes Kapital", witzelt der Inhaber des kleinen Hamburger Taxibetriebs.

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1. Bildunterschrift
Mattn 08.05.2014
"Problemstadtteil Steilshoop"? Das hat doch mit dem Thema gar nichts zu tun und ist auch nicht gerade eine Mehr-Information, die irgendwie oder irgendwem dienlich wäre. Im Gegenteil, für Steilshoop macht es eine solche Erwähnung auch nicht einfacher. Schade.
2. Was er mit den Scheinen machen soll?
trebbien 08.05.2014
Zur Polizei bringen. An gestohlenem Gut kann man kein Eigentum erwerben.
3. Hehlerei
h.j.becker 08.05.2014
Die Geldscheine sind noch keine offiziellen Zahlungsmittel. Somit können sie rechtlich gesehen nur Gegenstände sein, die nachweislich aus einem Einbruchdiebstahl stammen. Rechtlich gesehen kann der aktuelle Besitzer keinen Eigentum daran erwerben, auch nicht durch Schenkung. Ein Verkauf oder Weitergabe ist somit Hehlerei. Eigentümer bleibt weiterhin die bestohlene Sicherheitsfirma, an die die Geldscheine unentgeltlich zurückzugeben sind. Der Taxifahrer kann seinen Schaden nur bei den Fahrgästen geltend machen. Wären die Scheine bereits ein offizielles Zahlungsmittel, sähe die Rechtslage anders aus.
4. Hehlerei
calabrop 08.05.2014
hätte die Polizei nicht die Scheine beschlagnahmen müssen? Letztendlich war es doch bunt bedrucktes Papier, das halt dummerweise aus der Hamburger Firma geklaut wurde, also klassische Hehlerware. Wäre der Taxi-Fahrer mit einem geklauten Radio auf die Wache gekommen, hätte man ihm das abgenommen; warum also darf er die Zukunfts-Zehner behalten???
5. Mattn hat recht
FrankfurterMann 08.05.2014
Mattn hat sowas von recht
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