Kampf gegen Plastikmüll Neuseeland will Einwegtüten abschaffen

150 Plastiktüten verbraucht jeder Neuseeländer im Jahr, viele landen als Müll im Meer. Premierministerin Ardern hat dem Land jetzt einen sechsmonatigen Entzug verordnet - dann soll das Verbot kommen.

Einkauf in Plastiktüten
AP

Einkauf in Plastiktüten


Neuseeland will Einweg-Plastiktüten abschaffen. Das Verbot soll nach einer sechsmonatigen Testphase im kommenden Jahr in Kraft treten."Wir schaffen Einweg-Plastiktüten schrittweise ab, um besser auf unsere Umwelt zu achten und Neuseelands sauberen, grünen Ruf bewahren können", sagte Regierungschefin Jacinda Ardern. Sie verwies auf "Hunderte Millionen" Einweg-Plastiktüten, die pro Jahr verwendet würden und vielfach im Meer landeten. Einweg-Plastiktüten zählen zu den häufigsten Dingen, die in Müll an Neuseelands Küsten gefunden werden.

Trotz seines Rufs als "grünes Land" gehört der Pazifikstaat zu den Ländern mit einem hohen Verbrauch an Plastiktüten. Im Durchschnitt verbraucht jeder Neuseeländer mehr als 150 Einweg-Tüten pro Jahr. Auf die gesamte Nation gerechnet fallen insgesamt pro Jahr mehr als 750 Millionen Tüten an.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Entscheidung der neuseeländischen Regierung zur Einführung eines Verbots. Dies sei ein "wichtiger erster Schritt" zum Schutz von Meerestieren wie Schildkröten und Walen, die oft durch den Verzehr von Plastik verenden.

Mehr als acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen laut den Vereinten Nationen jedes Jahr im Meer. Die Uno will deshalb bis 2022 erreichen, dass Einwegplastik aus dem Handel verschwindet. Mehr als 60 Länder hätten bereits Schritte unternommen, um Plastikmüll zu verhindern oder zumindest zu reduzieren.

In Australien hatte die Abschaffung kostenloser Plastiktüten unlängst allerdings für einen Proteststurm unter den Kunden gesorgt, die ihren Frust teilweise sogar mit Gewalt am Personal der Supermärkte ausließen. Im Kampf gegen den Plastikmüll haben alle australischen Bundesstaaten außer New South Wales ein Plastiktütenverbot erlassen oder planen eines. Händler, die sich nicht daran halten, müssen mit Strafen bis zu 6000 australischen Dollar (3800 Euro) rechnen.

REUTERS

Verbrauch in Deutschland geht zurück

In Deutschland ist der Verbrauch von Einmaltüten bereits deutlich zurückgegangen. Wie die Gesellschaft für Verpackungsforschung im Juni berichtete, haben deutsche Kunden 2017 rund 1,3 Milliarden weniger Plastiktüten als im Vorjahr verbraucht - und den Verbrauch insgesamt um mehr als ein Drittel gesenkt. Im Schnitt verbrauchten deutsche Konsumenten im vergangenen Jahr 29 Plastiktüten pro Person. Dabei geht es um Tragetaschen, die an der Kasse gekauft werden, nicht um transparente Tüten für Obst und Gemüse.

Der Trend zu weniger Plastiktüten hält in Deutschland seit Jahren an - im Vergleich zu 2015 hat sich die Zahl der Tüten, in denen Kunden ihre Einkäufe nach Hause trugen, mehr als halbiert.

oka/AFP/dpa



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gehmlich 10.08.2018
1. Ein kleiner Unterschied
Währenddessen Coles in Australien mehr oder einiger von heute auf morgen umstellte und Kunden sich nicht darauf vorbereiten konnten, fahren in NZ alle großen Ketten Kampagnen. Ich habe sogar ein Bild davon in Queenstown gemacht.
Das_Daw 10.08.2018
2. Der Mythos von der Rettung des Planeten
Also in Australien war neulich zu sehen, wie die Einwegplastiktüten an der Supermarktkasse abgeschafft wurden. Stattdessen packten die Menschen ihre Einkäufe in so eine große Plastik Mehrwegtragetasche. Unter den Einkäufen: 10-12 verschiedene Obst- und Gemüsesorten alle fein säuberlich in Einwegplastiktüten verpackt. Denn die Plastikbeutel innerhalb der Märkte scheinen da immer keine Rolle zu spielen. (Sind die eigentlich immer den X Tonnen Einwegplastikmüll der Länder mit eingerechnet?) So lange die Menschen also zwei Äpfel noch in Plastik einschlagen, wird der Verzicht auf die Plastiktüte am Ende des Einkaufs den Planeten nicht retten. Zumal die Alternativen zu Plastik meist nicht besser sind: Plastikstrohhalme werden zwar in Kalifornien verboten um die Weltmeere zu retten. Stattdessen gibt es beschichtete Papierstrohalme, die in der Herstellung ungleich mehr umweltbelastende Chemikalien verwenden als Plastik und laut einem Bericht in der ARD/ZDF da in ihrem "Umweltfußabdruck" schlechter wegkommen als Plastik. Das gilt übrigens auch für die Papiertüten die man jetzt statt Plastik im Supermarkt kaufen kann: Die langen Holzfasern die zum unglaublich Wasserintensiven Prozess der Herstellung verwendet werden, machen diese (so man sie nur 1x benutzt) in ihrer Umweltbilanz auch wieder schlimmer als die Plastiktüte. Aber es gibt halt eine Branche die gut daran verdient unser ökologisches Gewissen vorderhand zu bedienen. Dass die Sachen aber meist ökologisch nicht besser sind, erfährt man dann immer mal beiläufig. Es hilft nur eines: Ökologisch entlastend ist in fast allen Fällen nur der Verzicht. Was die Berichterstattung über den Verbotswahn von Einwegplastiktüten soll, ist mir ein Rätsel. Das wird vermutlich nichts besser machen, denn Plastik ist nicht böse. EINWEG ist böse. Und solange man die Plastiksachen durch Einwegalternativen erstetzt ist nichts gewonnen.
Kamillo 10.08.2018
3.
Zitat von Das_DawAlso in Australien war neulich zu sehen, wie die Einwegplastiktüten an der Supermarktkasse abgeschafft wurden. Stattdessen packten die Menschen ihre Einkäufe in so eine große Plastik Mehrwegtragetasche. Unter den Einkäufen: 10-12 verschiedene Obst- und Gemüsesorten alle fein säuberlich in Einwegplastiktüten verpackt. Denn die Plastikbeutel innerhalb der Märkte scheinen da immer keine Rolle zu spielen. (Sind die eigentlich immer den X Tonnen Einwegplastikmüll der Länder mit eingerechnet?) So lange die Menschen also zwei Äpfel noch in Plastik einschlagen, wird der Verzicht auf die Plastiktüte am Ende des Einkaufs den Planeten nicht retten. Zumal die Alternativen zu Plastik meist nicht besser sind: Plastikstrohhalme werden zwar in Kalifornien verboten um die Weltmeere zu retten. Stattdessen gibt es beschichtete Papierstrohalme, die in der Herstellung ungleich mehr umweltbelastende Chemikalien verwenden als Plastik und laut einem Bericht in der ARD/ZDF da in ihrem "Umweltfußabdruck" schlechter wegkommen als Plastik. Das gilt übrigens auch für die Papiertüten die man jetzt statt Plastik im Supermarkt kaufen kann: Die langen Holzfasern die zum unglaublich Wasserintensiven Prozess der Herstellung verwendet werden, machen diese (so man sie nur 1x benutzt) in ihrer Umweltbilanz auch wieder schlimmer als die Plastiktüte. Aber es gibt halt eine Branche die gut daran verdient unser ökologisches Gewissen vorderhand zu bedienen. Dass die Sachen aber meist ökologisch nicht besser sind, erfährt man dann immer mal beiläufig. Es hilft nur eines: Ökologisch entlastend ist in fast allen Fällen nur der Verzicht. Was die Berichterstattung über den Verbotswahn von Einwegplastiktüten soll, ist mir ein Rätsel. Das wird vermutlich nichts besser machen, denn Plastik ist nicht böse. EINWEG ist böse. Und solange man die Plastiksachen durch Einwegalternativen erstetzt ist nichts gewonnen.
Warum so weit gehen? Das ist doch hierzulande, hab ich jetzt in Deutschland, Frankreich und Italien in den Supermärkten beobachtet, genau nicht anders. An der Kasse bekommt man keine Einwegtüten aus Plastik mehr. Aber in der Gemüseabteilung kann man sie noch abrollen und damit jede Frucht einzeln einpacken. In Italien in einem Coop habe ich beobachtet, dass diese Tüten aus der Gemüse- und Obst-Abteilung von der Kasse automatisch mit 1 Cent auf den Preis der darin verpackten Ware aufgeschlagen wurden. Ein Kind hat sich dort spielerisch mehrere Tüten genommen und damit was gemacht, an der Kasse wurden ihr die Tüten von der Kassiererin weggenommen. War ein bischen Gejammer seitens des Mädchens, aber die Eltern konnten das Kind dann wieder beruhigen. Wenn Dieses schon verstehen würde, dass es um die Sauberkeit ihrer Umwelt geht. Darin ging es in dem Eltern-Kind-Gespräch sicher nicht. "Sei ruhig, und du bekommst einen Lutscher" hat wahrscheinlich besser funktioniert. In italienischen Supermärkten gibt es in der Obst- und Gemüseabteilung auch Einweghandschuhe aus diesen superdünnen Tütenfolien, damit man das Obst und Gemüse ohne direkten Körperkontakt angreift, prüft und eintütet, vielleicht hygienisch begründet, aber umwelttechnisch eine Katastrophe! Und wenn ich an die Kühlregale für Scheibenwurst und Käse gehe, eingeschweißtes Grillfleisch, usw. wird mir auch nicht besser, was eine große Menge Plastikmüll, was man da täglich mit einkauft.
Rudi in Istanbul 10.08.2018
4. Ruanda und Kenia
Fortschrittliche Länder wie Ruanda und Kenia leben schon länger plastiktütenfrei. Mit großem Erfolg. Man wird darauf sogar am Flughafen kontrolliert. Auch wenn man die Welt damit vielleicht nicht retten kann, sieht Kenia nach 1 Jahr jetzt echt besser aus!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.