Berlin - Im Pferdefleisch-Skandal schien die schwarz-gelbe Koalition überraschend schnell und konsequent zu sein: Am Donnerstagabend verabschiedete der Bundestag eine Novelle, die es Behörden ermöglicht, Verbraucher schneller über Fälle von Etikettenschwindel zu informieren. Die Bundesregierung reagierte damit auf den Pferdefleisch-Skandal und massenhaft falsch deklarierte Eier. Doch die Novelle könnte sich als wirkungslos erweisen, wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch nun kritisiert.
Konkret hatte der Bundestag beschlossen, das Lebensmittelgesetzbuch um einen Absatz zu erweitern, demzufolge Behörden Namen der Hersteller von Lebensmitteln mit falschen Inhaltsangaben veröffentlichen können, wenn "der hinreichende Verdacht besteht", dass "in nicht unerheblichem Maße" gegen die Kennzeichnungspflicht verstoßen wurde.
Das gelte selbst dann, wenn die Hersteller wegen des Vergehens lediglich mit einem Bußgeld unter 350 Euro oder gar keinem Bußgeld belegt werden. Laut aktuell gültiger Fassung des Gesetzes war dies nur dann möglich, wenn die Gesundheit der Verbraucher gefährdet war, nicht aber wenn sie lediglich getäuscht wurden.
Das Problem: Der nun beschlossene Absatz stand nahezu gleichlautend bereits bis August 2012 so im Gesetz - und hatte sich in der Praxis als weitgehend wirkungslos erwiesen. Laut Foodwatch aus drei Gründen:
Foodwatch fordert eine drastische Verschärfung des Lebensmittelgesetzbuches: "Aus der Soll- muss eine Mussbestimmung werden, ohne Ermessensspielraum und ohne zeitlichen Verzug bei der Information der Verbraucher", heißt es. Der Bundesrat solle die vom Bundestag beschlossene Neuregelung umgehend ablehnen und auf eine Verschärfung dringen. Im Bundestag hatten sich die Abgeordneten der Linken und der Grünen der Stimme enthalten, die SPD votierte geschlossen gegen die Gesetzesnovelle der Regierung.
fdi
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