Teure Dispokredite Nur vier Banken geben Leitzinssenkung an Kunden weiter

Noch nie war der Leitzins in der Euro-Zone so niedrig - doch Bankkunden mit überzogenem Konto bemerken davon wenig: Nur vier Banken haben laut "Bild" ihre Dispo-Kredite seit der Zinssenkung durch die EZB verbilligt. Zwei weitere Institute wollen nachziehen.

Bankenviertel von Frankfurt am Main: Dispo-Zinsen im Durchschnitt über zehn Prozent
DPA

Bankenviertel von Frankfurt am Main: Dispo-Zinsen im Durchschnitt über zehn Prozent


Berlin - Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt bei der Bekämpfung der Rezession in der Euro-Zone auf die Politik des billigen Geldes. Allerdings profitieren deutsche Bankkunden mit überzogenem Konto kaum davon: Auch rund drei Wochen nach der Leitzinssenkung der EZB auf ein historisches Tief haben die meisten Banken ihre Dispo-Zinsen der "Bild"-Zeitung zufolge nicht herabgesetzt.

Demnach ergab eine Befragung der Institute, dass bisher nur vier Banken die Dispo-Kredite verbilligt haben: die Deutsche Bank Chart zeigen, die Norisbank, die Berliner Bank und die Comdirect Bank Chart zeigen. Die Santander Consumer Bank Chart zeigensowie ihre Tochter Santander Bank wollten am 1. Juli folgen.

Die restlichen Institute planen laut Bericht vorerst keine Anpassung: Sie hätten ihre Dispo-Zinsen nicht direkt an die EZB gekoppelt und sähen daher keinen Grund für eine Senkung. Im Durchschnitt liegt der Zins dem Bericht zufolge derzeit bei 10,51 Prozent - ein um das 20-fache höheres Niveau als der Leitzins in der Euro-Zone. Den hatte die EZB Anfang Mai im Kampf gegen die Euro-Krise auf nur noch 0,5 Prozent gesenkt.

Sparzinsen sinken in der Regel parallel zum Leitzins

Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken seitdem bei der Notenbank Geld leihen, etwa um es als Kredite ihren Kunden zur Verfügung zu stellen. Es gibt für sie aber keine Pflicht, niedrigere Zinsen der EZB an Verbraucher und Unternehmen weiterzugeben.

Dispo-Zinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, dieses aber innerhalb eines vorher mit der Bank vereinbarten Rahmens weiter belastet. Wird dieser Rahmen gesprengt, werden zudem Überziehungszinsen fällig, die in der Regel nochmals deutlich höher liegen.

Für viele Bankkunden könnte die Leitzinssenkung der EZB daher ein persönliches Minusgeschäft bedeuten. Denn bei Sparbüchern, Fest- oder Tagesgeldkonten senken die Banken die Zinsen in der Regel durchaus analog zum Leitzins. Sparer bekommen daher noch weniger Rendite, in den meisten Fällen liegt sie derzeit gar unter der Inflationsrate. Für ihre Überziehungen im vereinbarten Rahmen werden sie jedoch genauso stark zur Kasse gebeten wie zuvor.

fdi/AFP

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
joG 22.05.2013
1. Ohne nun kleinlich scheinen zu wollen oder großkotzig...
....aber um wie viel Geld geht es bei einem Konto von 100.000 Euro und wie hoch sind die Transaktionskosten? Das gehört hier auch her.
Fritze_1955 22.05.2013
2. Seit Jahren das Gleiche..
Banker sind halt Betrüger. Das wissen wir doch schon seit Jahren und sie ändern nicht ihr Geschäftsgebaren, dann müssen sie ja auf Gewinne und Boni verzichten.... Erst wenn das unterbunden wird, werden sie sich ändern.
sgift 22.05.2013
3.
Zitat von sysopDPANoch nie war der Leitzins in der Euro-Zone so niedrig - doch Bankkunden mit überzogenem Konto bemerken davon wenig: Nur vier Banken haben laut "Bild" ihre Dispo-Kredite seit der Zinssenkung durch die EZB verbilligt. Zwei weitere Institute wollen nachziehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/nur-vier-banken-verbilligen-nach-leitzinssenkung-dispo-kredite-a-901137.html
Das ist doch jetzt nichts ueberraschendes. Man gibt Leuten die jede Vorsicht und jedes Nachdenken ueber den Haufen geworfen haben um noch mehr Geld zu machen (Finanzkrise seit 2008) noch mehr Geld in die Hand und sagt "aber bitte, bitte liebe Leute - benutzt es verantwortungsvoll um die Wirtschaft anzukurbeln" ohne sie zu irgendwas zu verpflichten. Und wie ueberraschend: Sie machen genauso weiter wie vorher. Bank sein ist heutzutage nichts anderes mehr als legales Abzocken. Ueberpruefungen bei Krediten finden nur extrem oberflaechlich statt und Risiko gibt es auch keines mehr. Zeit das die EZB Geld direkt an Privatleute verleiht und diesem Pack die Grundlage entzieht. Aber dafuer fehlt in unserer durch Pseudowissenschaftler (BWL) eingelullten Welt der Mut. Schliesslich haben wir ja alle gelernt, dass nur der "Markt" mit seinen "verantwortungsvollen" Akteuren dafuer sorgt, dass Geld sinnvoll verliehen wird. Wenn eine staatliche Bank das machen wuerde wuerde der Untergang drohen. Is klar ...
dioco 22.05.2013
4. Wer hätte das gedacht...!!
Es ist im Grunde einfach nur schamlos, was die Banken machen - und wie sie generell zu denken scheinen. Sie verlangen ja auch Gebühren, was normalerweise eine hoheitliche Abgabe ist!... und denken sich nichts dabei. Die Schamlosigkeit scheint zudem tief verwurzelt zu sein. Was aber bringt´s wirklich, wenn wir uns hier in den Foren und Blogs echauffieren...? Wahrscheinlich ist´s nur zusätzlicher Informations-Müll, der nach einigen Tagen entsorgt wird.
goethestrasse 22.05.2013
5. Ein überzogenes Konto..
bei Privatpersonen sollte man unbedingt vermeiden. Aber viele kommen aus dem "Soll" gar nicht mehr heraus. ,,,und zu allem Überfluss kommt bald ne neue X-Box.
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