"Öko-Test" und Co.: Welche Lebensmittelsiegel wirklich taugen

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Wem kann man noch trauen? In der Flut von fast hundert Öko-, Bio-, Qualitäts- und Fair-Trade-Logos verlieren selbst gut informierte Verbraucher die Übersicht. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Siegel halten, was sie versprechen - und welche nicht.

Supermarkt in Köln: Viele Verbraucher verstehen nicht, was Lebensmittelsiegel bedeuten Zur Großansicht
DPA

Supermarkt in Köln: Viele Verbraucher verstehen nicht, was Lebensmittelsiegel bedeuten

Hamburg - Für viele Verbraucher geben sie den Ausschlag bei der Kaufentscheidung - obwohl kaum jemand weiß, wofür sie wirklich stehen: Bio- oder Gütesiegel sind für die Lebensmittelindustrie zu einem wichtigen Verkaufsinstrument geworden. In Umfragen bezeichneten Verbraucher beispielsweise Lebensmittel mit Biosiegel als sympathisch und qualitativ hochwertig. Über die Prüfkriterien wissen sie aber erschreckend wenig.

Für Hersteller bedeutet dies, dass sie mehr Ware verkaufen und sogar höhere Preise verlangen können, sobald sie ein Siegel auf ihre Produkte drucken. Auch deshalb wächst die Zahl der Lebensmittelkennzeichnungen in Deutschland - vom Ökosiegel mit strikten Standards für Bauern, Verarbeiter und Händler bis zu konzerneigenen Labels, die vor allem der Verkaufsförderung dienen. Das gute Geschäft lebt auch von der Unwissenheit der Verbraucher.

Zwar sind die Kriterien, nach denen die fast hundert unterschiedlichen Lebensmittelsiegel in Deutschland vergeben werden, in der Regel transparent und gut dokumentiert. Aber für den unbedarften Konsumenten sind die Kriterien oft unverständlich formuliert - und hinter dem Fach-Chinesisch mancher Kennzeichnungen versteckt sich regelrechter Etikettenschwindel. Wer genauer wissen will, welche Vorgaben beispielsweise für das Siegel der Zeitschrift "Öko-Test" gelten oder wer hinter dem Zertifikat "Bewusst Leben" steckt, muss Zeit investieren und Fragen stellen. Am Supermarktregal ist es dafür in der Regel zu spät.

SPIEGEL ONLINE hat deshalb einen Überblick zusammengestellt. Welche der am weitesten verbreiteten Lebensmittelsiegel halten wirklich, was sie versprechen - und welche nicht? Klicken Sie auf die Logos:

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insgesamt 54 Beiträge
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1. Ich brauche kein Bio-Siegel...
ginfizz53 08.02.2012
Zitat von sysopWem kann man noch vertrauen? In der Flut von fast hundert Öko-, Bio-, Qualitäts- und Fair-Trade-Logos verlieren selbst gut informierte Verbraucher die Übersicht. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Siegel halten, was sie versprechen - und welche nicht. "Öko-Test" und Co.: Welche Lebensmittel-Siegel wirklich taugen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,813556,00.html)
...ich nehme immer die schorfigen, matschigen Sachen, bei denen der doppelte Preis draufsteht. Damit liegt man immer richtig...
2. Informationspflicht
bullermännchen 08.02.2012
Der Konsument will blind in ein Regal greifen können und per Ampel, Logo oder sonstwie 100% ig informiert sein. Über die neuesten Autos kennt er sich allerdings wie selbstverständlich bis ins "ff" aus. Da läuft es doch bereits komplett aus dem Ruder. Wenn man sein Einkaufsverhalten auch nur mal 5 Minuten betrachtet, stellt man doch fest, man kauft einen Großteil der Lebensmitel immer wieder und wieder. Da kann man sich auch mal die Mühe machen, Kleingedrucktes zu lesen oder sich im Web schlau zu machen. Der Aufwand lohnt sich. Ich glaube jedoch nicht das der große Teil der Bevölkerung sich dafür interessiert. Aus diesem Grund haben es "Mogelsiegel" doch so einfach. Wäre die Lobby aus der Bevölkerung größer, würde, nein müsste auch unsere Winterschlaf-Regierung endlich lenkend eingreifen. Ich persönlich vertraue lediglich meinem Demeter- und meinem Biobauern auf dem Wochenmarkt.
3.
tubaner 08.02.2012
Zitat von sysopWem kann man noch vertrauen? In der Flut von fast hundert Öko-, Bio-, Qualitäts- und Fair-Trade-Logos verlieren selbst gut informierte Verbraucher die Übersicht. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Siegel halten, was sie versprechen - und welche nicht. "Öko-Test" und Co.: Welche Lebensmittelsiegel wirklich taugen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,813556,00.html)
Um mal einen Punkt herauszunehmen: es geht um „Öko-, Bio-, Qualitäts- und Fair-Trade-Logos“, beim DLG-Siegel wird aber bemängelt, dass es „nur die geschmackliche Qualität“ beurteilt und „nicht die Bedingungen, unten denen diese hergestellt wurden oder welche Zutaten diese beinhalten“. Dass ein Qualitätslogo kein Bio- und Soziallogo ist, finde ich eigentlich nicht sonderlich überraschend und auch kein Kritikpunkt. Und die zwischen den Zeilen stehende Botschaft „Bio = gesund (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,697079,00.html) = Fair Trade“ zeugt auch deutlich von der Unkenntnis oder Voreingenommenheit des Autors. So, und nun, liebe Biofanatiker, zerreißt mich :)
4. ||||||||||
sample-d 08.02.2012
Zitat von sysopWem kann man noch vertrauen? In der Flut von fast hundert Öko-, Bio-, Qualitäts- und Fair-Trade-Logos verlieren selbst gut informierte Verbraucher die Übersicht. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Siegel halten, was sie versprechen - und welche nicht. "Öko-Test" und Co.: Welche Lebensmittelsiegel wirklich taugen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,813556,00.html)
Mich hauen ja immer die Bewertungen von "Öko-Test" vom Hocker.. Nur mal das Beispiel Danone - "Activia", "Actimel", und sogar "Dany Sahne" bekommen dort Bestnoten, und über die Wirkung des Labels ein ökologisch positives Image verpasst. Auch wenn dann im Bericht klar gesagt wird, dass die Bewertung z.B. allein aufgrund Sensorik, Geschmack etc. erfolgte finde ich das nicht ok - das Label auf dem Becher suggeriert eben etwas anderes. Und dass Produkte die sowohl in ökologischer, wie auch ernährungsphysiologischer Hinsicht, bedenklich sind (z.B. der zuckersüsse in Mini-Plastikflaschen verkaufte "Actimel" - mit "gut" bewertet) geht finde ich gar nicht...
5. Wiesenhof und andere massenhaftigen
Anvil2k8 08.02.2012
sollte ein siegel nicht zuerkannt werden, wenn sie ebenfalls nicht-bio anbieten. ein blick in die eier- und fleischregale von supermaerkten beweist taeglich was in menge dem anbieter den hauptumsatz beschert. vielleicht als neues kriterium einfuehren: summe aus gewinn [nicht-bio] - gewinn [bio] wenn > 0 dann kein siegel.
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Ampelkennzeichnung: Was wirklich in Lebensmitteln drin ist

Die Health-Claim-Verordnung der EU
Seit 2007 ist die "Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel" der EU in Kraft. Hersteller von Lebensmitteln können seitdem Health-Claim-Anträge bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) einreichen. Ziel der Verordnung: Jede Angabe auf einem Etikett über den gesundheitlichen Nutzen des Produkts muss durch wissenschaftliche Nachweise abgesichert sein. Diese werden von der Efsa überprüft.
Health Claims nach Artikel 13.1
"Kalzium ist gut für Ihre Knochen", oder "Omega-3-Fettsäuren senken den Cholesterinspiegel". Allgemeine Claims dieser Art gehören in die Kategorie 13.1. Ursprünglich waren mehr als 40.000 Anträge auf Claims dieser Art bei der Efsa eingegangen. Die EU-Behörde hat die Liste inzwischen auf 4186 reduziert. Wann die Positivliste der erlaubten Werbeaussagen fertiggestellt sein wird, ist noch nicht absehbar. Urprünglich sollte sie Ende Januar 2010 veröffentlicht werden. Doch bisher sind erst knapp tausend solcher Health-Claim-Anträge abgearbeitet. Grundsätzlich darf sich jeder Hersteller aus der Liste bedienen und sein Produkt mit den erlaubten Claims bewerben, sofern es bestimmte Nährwert-Anforderungen erfüllt. Diese wurden allerdings von der EU-Kommission noch nicht genau festgelegt.
Health Claims nach Artikel 13.5
"Actimel unterstützt das natürliche Abwehrsystem im Darm", oder "Activia hilft mit seiner speziellen Kultur regelmäßig das Darmwohlbefinden zu verbessern". Das sind gesundheitsbezogene Angaben im Hinblick auf "neue Wirkungen", wie es die Efsa formuliert. Gemeint sind damit individuelle Health Claims, die nur für ein bestimmtes Produkt gelten. Von dieser Sorte wurden bisher insgesamt 280 Anträge bei der Efsa eingereicht, 80 sind erst abgearbeitet, sechs wurden wieder zurückgezogen. Die Antragsteller müssen umfangreiche wissenschaftliche Nachweise vorlegen, die die gesundheitsbezogenen Angaben belegen.
Health Claims nach Artikel 14
"Verringert den Cholesterinspiegel", "senkt das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten". Werbeaussagen dieser Art, also Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos, fallen unter Artikel 14 der Health-Claim-Verordnung. Ebenso sind Angaben über die Gesundheit und Entwicklung von Kindern darunter definiert. Auch in diesen Fällen müssen die Antragsteller wissenschaftliche Nachweise erbringen, die diese Effekte belegen.
Was passiert, wenn ein Health Claim abgelehnt wurde?
Ohne eine Zulassung nach der Health-Claim-Verordnung darf eine gesundheitsbezogene Angabe für ein Lebensmittelprodukt nicht mehr verwendet werden, auch nicht in der Werbung. Die Behörden räumen den Herstellern jedoch eine Frist von sechs Monaten ein, innerhalb der sie die Werbeaussagen vollständig vom Markt nehmen müssen. Angaben über die Entwicklung und Gesundheit von Kindern müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Nur sofern vor dem 19. Januar 2008 ein Antrag auf Zulassung gestellt wurde, gilt für sie eine Übergangsregelung.
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Negativ-Preis: Der Goldene Windbeutel

Nährwertkennzeichnung
Zwischen Industrie, Politik, Gesundheitsexperten und Verbraucherschützern wird seit langem erbittert über die Nährwertkennzeichnung gestritten: Gesundheitsexperten und Verbraucherorganisationen fordern eine farbliche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe nach einem Ampelsystem. Mit den Farben grün (niedrig), gelb (mittel) und rot (hoch) soll dem Verbraucher einfach und schnell signalisiert werden, was er isst. Die Lebensmittelindustrie lehnt dieses System jedoch ab - weil es bestimmte Lebensmittel diskriminiere. Sie hat sich stattdessen auf das sogenannte GDA-System (Guideline daily amount) verständigt, das den Nährwert bezogen auf Portionsgrößen angibt. Die aber sind laut Kritikern so willkürlich gewählt, dass sie den Vergleich schwierig machen. Außerdem geht das GDA-System von unrealistischen Portionsgrößen aus: So empfehlen sie etwa eine halbe Tiefkühlpizza oder eine winzige Handvoll von 25 Gramm bei Erdnüssen. Im Juni 2010 hat das EU-Parlament die Einführung einer europaweiten Ampelkennzeichnung abgelehnt.
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