Einigung Opec begrenzt Fördermenge - Ölpreis steigt

Bei einem informellen Treffen hat sich die Opec auf eine Förderbegrenzung von Erdöl geeinigt - nach zweieinhalbjährigen Verhandlungen. Die Ölpreise schossen daraufhin in die Höhe, auch die Börsen drehten ins Plus.

Opec-Schriftzug
REUTERS

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Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat sich offenbar auf eine Begrenzung der Fördermenge geeinigt - zum ersten Mal seit acht Jahren. Der iranische Ölminister Bidschan Sanganeh sagte der Nachrichtenagentur Schana zufolge, die Organisation habe sich nach zweieinhalbjährigen Verhandlungen auf Maßnahmen zur Marktstabilisierung verständigt. "Die Opec hat heute eine außergewöhnliche Entscheidung getroffen", so der Minister.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigte die Einigung unter Berufung auf einen Opec-Delegierten: Bei einem informellen Treffen in der algerischen Hauptstadt Algier habe sich die Opec auf eine Fördergrenze von 32,5 Millionen Barrel (rund 5,2 Milliarden Liter) pro Tag geeinigt. Das wären fast 750.000 Barrel weniger als im August.

Für die Märkte kam die Einigung überraschend. Die Ölpreise schossen in die Höhe. Am Terminmarkt legte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November zuletzt um 6,5 Prozent auf 48,96 US-Dollar zu. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 6,13 Prozent auf 47,41 Dollar.

Die Wende geht Insidern zufolge auf eine Annäherung Irans und seines Erzrivalen Saudi-Arabien zurück, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Im November werden Fördermengen einzelner Länder bestimmt

Die Einzelheiten standen den Angaben zufolge auch nach sechsstündigen inoffiziellen Beratungen noch nicht fest. Beim nächsten offiziellen Opec-Treffen im November würden die genauen Fördermengen einzelner Länder bestimmt. Dann sollten auch Nicht-Opec-Staaten wie Russland dazu aufgefordert werden, ihre Produktion ebenfalls zu drosseln.

Obwohl die Ölpreise bereits seit Monaten sehr niedrig sind, konnte sich die Opec - anders als in früheren Zeiten - lange nicht auf eine Verknappung des Rohstoffs einigen. Hintergrund war unter anderem die Strategie, dass neue Konkurrenten wie die Schiefergas-Industrie in den USA mit den niedrigen Preisen wieder aus dem Markt gedrängt werden können.

Doch zuletzt schlug sich der Ölpreisverfall auch im reichen Saudi-Arabien auf die Wirtschaft nieder. Die Regierung in Riad hatte sich bisher gegen Ausnahmen für Iran gesperrt, mit denen das Land sein Ölgeschäft nach Aufhebung von Sanktionen wieder in Gang bringen will. Zuletzt signalisierte Saudi-Arabien, Iran die Produktion "sinnvoller Höchstmengen" zuzugestehen. Saudi-Arabien und Iran ringen als Golf-Regionalmächte auch politisch um die Vorherrschaft.

Der Höhenflug der Ölpreise zog an den US-Aktienmärkten auch Energie-Aktien mit nach oben, so dass der Dow-Jones-Index ins Plus drehte.

kry/dpa/Reuters



insgesamt 24 Beiträge
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spassig 28.09.2016
1. Parallelwelt
Bei Tecson steht was ganz anderes.
thequickeningishappening 28.09.2016
2. Ich glaube nicht
Dass Iran sich von Saudi diktieren laesst. Kriege kosten Geld. Im Mittel der letzten 50 JAHRE sind 50 Dollar immer noch weit ueberm Durchschnitt mit dem die meisten Foerderlaender gut leben koennen.
pragmat 28.09.2016
3. Peanuts
Die so genannte Begrenzung sind klassische Peanuts. Die Fördermenge der OPEC soll um 2,2% (jawohl!) gekürzt werden, wobei die OPEC für 1/3 der Weltfördermenge steht. Also ein Furz im Wind! Erstaunlich, dass das die Börsen beflügel!. Die müssen wirklich ausgehungert sein. Vielleicht hat das aber mit dem 9/11-Gesetz zu tun, nach dem die Angehörigen der Opfer des Terroranschlages in New York unter anderem Saudi-Arabien verklagen können, aus dem maßgeblich die Terroristen kamen. Man hat schon lange den Verdacht, dass die Saudis die Al-Kaida ins Leben gerufen haben und diese sowie den IS unterstützen. Hier hat übrigens der Saudi-Versteher Obama eine ordentliche Schlappe erlebt. Er wollte das Gesetz per Veto stoppen, wurde aber sowohl vom Senat als auch vom Repräsentenhaus mit vernichtender Mehrheit überstimmt. Von den Senatoren unterstützte ihn nur 1 (einer)! Jetzt drohen die Saudis, ihre Beteiligungen und Immobilien in den USA zu verkaufen. Das wird einen gewissen Immobilien-Mogul aber freuen! So auch die Börse!
meinerlei 28.09.2016
4. Anachronistisches Ritual
Wir wissen heute, dass das Erdölzeitalter zu Ende gehen wird, weit bevor alles Öl gefördert wurde. Die billigen Förderer wie Saudi-Arabien versuchen daher, möglichst viel von ihren Vorräten zu verkaufen und halten mit einem Ölpreis um die 50$ pro Barrel die Fracking-Konkurrenz und andere so lange wie möglich aussen vor. Die kommen bei einem Preis über diesem Niveau wieder in den Markt, während ein Preis unter 40,-$ den saudischen Staatshaushalt ruiniert. Also pendelt der Preis brav zwischen diesen beiden Marken. Verwunderlich ist, dass man dauernd auf die Tageszuckungen starrt und sie weiterhin für einen Gradmesser des Zustands der Weltwirtschaft hält. Sogar die Börsianer machen diesen Unfug mit. Dort wird angeblich die Zukunft gehandelt, tatsächlich aber ein Ritual von vorgestern in die Verlängerung geschickt.
Kilon 29.09.2016
5. 32,5 Mio?!
Die Fördermenge wird auf 32,5 Mio "begrenzt" ?! Lag die alte Grenze nicht bei 30 Mio, nur dass fast jedes Land darauf gepfiffen hat und seinen Bedürfnissen nach eben mehr gefördert hat? Besonders seit Anfang des Jahres die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben wurden, der Iran war da lange stur, da er verständlicherweise nach 2-3 Jahren oder wie lange die Sanktionen liefen und dem niedrigen Ölpreis dringend Geld brauchte also wurde die Fördermenge stark erweitert, bis Jahresende sollte sie weiter stark steigen, das wird vlt. reduziert, Noch 10 US-$ und die absolut optimalsten Förderstandorte in den USA für Schieferöl/Fracking/Horizontal Drilling werden so langsam wieder rentabel, und die USA haben ja gezeigt wie massiv die Förderung dort sein kann wenn man investiert! Indonesien ist seit Dezember 2015 (als massiver Netto-Importeur, die größte Absurdität in einer Organization of Petroleum Exporting Countries... Indonesien fördert zwar noch rund 1% der weltweiten Fördermenge (was für ein einzelnes Nicht-Arabisches Land nicht wenig ist! Jedoch ist es nicht nur das Land mit der höchsten Anzahl an Moslems, sondern eben ein Land mit Bevölkerungswachstum und laut "Bevölkerungsclock" derzeit bei 259,5 Millionen Einwohnern - steigend, die Förderung jedoch sinkend. Laut CIA Factbook: Crude oil - production: 789,800 bbl/day (2014 est.) Crude oil - exports: 296,100 bbl/day (2012 est.) Crude oil - imports: 391,800 bbl/day (2012 est.) Refined petroleum products - production: 946,500 bbl/day (2012 est.) Refined petroleum products - consumption: 1.718 million bbl/day (2013 est.) Refined petroleum products - exports: 78,690 bbl/day (2012 est.) Refined petroleum products - imports: 699,500 bbl/day (2012 est.) Lediglich Erdgas (eher ein neueres Ding) sowie die Kohleförderung steigen... Die Eigenförderung im Jahr 2014 konnte den Bedarf von 2013 nicht mal zur Hälfte decken... Dann: Gabun zum Juni 2016 wieder Mitglied... nach 22-Jahren Pause (Indonesien hatte so knappe 7 Jahre Pause), Russland hat die Einladung abgelehnt (hätte ich auch an deren Stelle und ist sehr gut für uns, wenn fast 11 Mio Barrel täglich unter OPEC Kontrolle fallen würden... das wäre etwas über 1/8tel der weltweiten Förderung) Sprich Indonesien und Gabun produzieren inzwischen etwa 1,0 bis 1,1 Mio Barrel grob.... Keine Ahnung worüber man sich bei 32,5 Mio da so freut.... es sei denn die Investoren haben lange nicht damt gerechnet und gingen von einem unkontrolliertem Wachstum, v.a. im Iran, teilweise auch Irak (Bagdad braucht Geld für den Kampf gegen den IS) Die Lager "leeren" wird das sicher nicht so schnell, mal sehen....
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