Tanken und Heizen Benzin und Heizöl werden teurer - wie Sie trotzdem sparen können

Der Ölpreis steigt, und auch das Benzin an den Tankstellen wird teurer. Autofahrer und Heizungsbesitzer müssen dem nicht tatenlos zusehen. Es gibt trotzdem viele Möglichkeiten, Geld zu sparen.

Tankstelle
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Eine Kolumne von


Was passiert, wenn sich Donald Trump, Wladimir Putin, Hassan Rohani und Benjamin Netanjahu streiten? Der Spritpreis steigt - und natürlich der für Heizöl.

Und was bleibt Ihnen als Verbraucher? Sie können nur die Folgen für Ihren Geldbeutel einhegen. Vollständig wird Ihnen das zwar nicht gelingen, aber erfolgreich kann die Schadensbegrenzung schon sein.

Beginnen wir beim naheliegenden täglichen Ärger: Dem Spritpreis. Der steigt und steigt, und hat für E10 in Berlin in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit drei Jahren die Marke von 1,50 Euro geknackt. Gleichzeitig gibt es aber noch Tankstellen, da kostet der Kraftstoff knapp 1,40 Euro.

Woher rührt der Unterschied? Die Antwort hat zwei Komponenten.

  • Einmal die konkrete Tankstelle. Die Preise der teuersten und preiswertesten Tankstelle in einer Großstadt wie Berlin unterscheiden sich zu jeder Sekunde um zehn Cent pro Liter. Am Mittwochabend um 21 Uhr kostete E10 an freien Tankstellen in Berlin Tempelhof und Charlottenburg 1,39 Euro, während Aral- und Shell-Tankstellen in mehreren anderen Stadtteilen mehr als 1,50 Euro verlangten. Das macht bei einer normalen Tankfüllung fünf Euro Unterschied aus. Man muss auch meist nicht weit fahren, um zu sparen. An der einen Seite des Kreuzbergs kostete der Sprit 1,39 Euro, auf der anderen Seite - 500 Meter entfernt - 1,48 Euro.
  • Gleichzeitig variieren die Preise aber auch während eines Tages. Die Preise zwischen morgens auf dem Weg zur Arbeit und abends um 20.30 Uhr schwanken auch schon mal um zehn Cent. An derselben Tankstelle. Daten, die solche Unterschiede immer wieder belegen, erhebt tagtäglich das Bundeskartellamt und stellt sie öffentlich zur Verfügung (nicht für den Leser, das machen dann Tank-Apps).

Insgesamt ergibt sich für den Autofahrer ein maximaler Unterschied von zehn bis zwölf Euro je Tankfüllung. Diesen maximalen Betrag werden Sie im Alltag selten sparen, aber bleiben wir mal bei einem realistischen Sparpotenzial von sechs Euro pro Tankfüllung. Den Unterschied können Sie mit einer Tank-App regelmäßig für das eigene Konto verbuchen. Stellen Sie dazu bei der App die Suche nach der jeweils günstigsten Tankstelle in der Nähe des Wohnortes, in der Nähe Ihrer Arbeit und an von Ihnen vielbefahrenen Strecken ein.

Wenn Sie 20.000 Kilometer im Jahr fahren und dabei im Schnitt sieben Liter pro 100 Kilometer verbrauchen, sind das 1400 Liter Sprit. Sparen Sie dabei zehn Cent pro Liter, haben Sie 140 Euro extra in der Tasche.

Die Diskrepanz ist erstaunlich und für unsere Kaufkraft als Verbraucher relevant. Nur ganz grobschlächtig hochgerechnet: Im gesamten Personenverkehr werden Jahr für Jahr fast 50 Milliarden Liter Benzin und Diesel verbraucht, zehn Cent pro Liter dabei einsparen wären also fünf Milliarden Euro.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Kommen wir zum Heizöl. Hier sind die Timing-Fragen etwas komplizierter. Es geht nicht um morgens oder abends, es geht einerseits um den richtigen Zeitpunkt generell. Dabei hängen Sie als Haus- oder Wohnungsbesitzer mit einer Ölheizung leider auch von den vier oben genannten Herren ab - und von der sonstigen Weltpolitik. Der Heizölpreis ist seit Jahresbeginn um rund zehn Prozent gestiegen - von 62 Cent pro Liter auf 68 Cent. Bei einer typischen Bestellung von 3000 Litern macht das glatt 180 Euro aus. Dabei sind die Schwankungen enorm. Mitte Februar lag der günstigste Preis beim Heizölportal Esyoil sogar noch zeitweise bei knapp 56 Cent.

Solch niedrige Preise vom Jahresbeginn können Sie nicht zurückholen. Aber Sie können beim Einkauf des Heizöls mit Onlineportalen schnell Preisunterschiede von acht bis zehn Cent pro Liter realisieren und damit - auf gestiegenem Preisniveau - doch noch 300 Euro pro Tankfüllung im Vergleich zum teuersten lokalen Anbieter herausholen.

Und wenn Sie ein bisschen spekulieren wollen, können Sie bei den Portalen auch noch Preiswecker einstellen, die Sie alarmieren, wenn der Preis doch noch einen niedrigeren Stand erreichen sollte. Abwarten kann aber natürlich auch schiefgehen.

Und dann bleibt Ihnen natürlich immer noch die Möglichkeit, an der Heizung selbst zu schrauben. Ein neuer moderner Brenner bringt Brennstoffersparnisse von bis zu 25 Prozent - je nachdem, wie alt Ihre bisherige Anlage ist und welches Effizienzlabel sie trägt. Bezogen auf die 3000 Liter bedeutet das, Ihre Tankfüllung reicht statt 12 Monate jetzt 16 Monate. Oder andersherum: Sie haben fast 500 Euro in einem Jahr gespart.

Obendrein haben Sie auch deutlich weniger Stromverbrauch - denn moderne Heizungspumpen sind effizienter. Spätestens nach zwölf Jahren haben sie den neuen Brenner wieder heraus, mit staatlichen Zuschüssen auch schneller.

Wer noch mehr Hirnschmalz und Geld in seine Heizung steckt, kann sogar mehr herausholen.

Die drei wichtigsten Kniffe:

  • Betreiben Sie Ihre Heizung effizient: Fachkräfte sorgen mit einem hydraulischen Abgleich dafür, dass sich die Wärme gleichmäßig in allen Räumen verteilt. Das verringert Ihren Verbrauch um rund zehn Prozent. Der Staat bezuschusst die Maßnahme.
  • Unterstützen Sie Ihre Ölheizung mit Sonnenkraft: Eine solarthermische Anlage auf dem Dach senkt den Wärmebedarf um mindestens zehn Prozent und lässt sich prima mit einer Ölheizung koppeln. Auch diese Investition fördert der Staat.
  • Wechseln Sie mit dem alten Brenner gleich den Brennstoff aus. Statt Öl können Sie auch Gas oder Holz verfeuern, wenn Sie an Ihrem Heizsystem nicht allzu viel ändern wollen. Die alternativen Brennstoffe sind deutlich günstiger als Heizöl. Und sie vertragen sich besser mit der Energiewende. Forderungen nach höheren Steuern auf Heizöl gibt es längst. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat sich der Heizölverbrauch in Deutschland mehr als halbiert. Und der Trend hält weiter an.


insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
holy64 19.05.2018
1. Tagesschwankungen an Tankstellen
sind in Deutschland Spezialität - diese ständigen Änderungen müssen gesetzlich unterbunden werden.
sok1950 19.05.2018
2. Nach zwölf Jahren haben sie neue Brenner bezahlt gemacht?
Welches technische System hält denn heute noch 12 Jahre? Nennt sich "geplante Obsoleszenz", d.h. die Hersteller bauen bewusst Teile ein, welche kurz nach Ablauf der Garantie defekt gehen und die Geräte sind so aufgebaut, dass eine Reparatur unrentabel ist.
karlo1952 19.05.2018
3. Win wichtiger Sparbeitrag wurde nicht
erwähnt: weniger Auto fahren und den ÖPNV nutzen, was ja gerade am Beispiel Berlin kein allzu großes Problem darstellt. Zum Thema hydraulischer Abgleich habe ich die Erfahrung gemacht, dass 2 Instalationsunternehmen das abgeraten haben, da es nur Kosten verursacht und nicht viel bringt.
fahrgast07 19.05.2018
4. Einfach sparen!
Wie wichtiger: sparsam fahren! Das macht bis zu 30% aus. Oder Kurzstrecken auch mal laufen. Und ein normales Auto kaufen, nicht den fettesten SUFF. Aber dann kann man nicht jammern über die bösen Ölkonzerne - schuld sind ja immer die anderen.
tschaetz 19.05.2018
5. Chance!
Wenn der Ölpreis sinkt, nehmen die Verbraucher beim Autokauf weniger Rücksicht auf den Spritverbrauch und kaufen z.B. schwere Geländewagen. Der Reiz Erneuerbarer Energien nimmt ab. Wenn wir den Klimawandel nicht ins Extrem treiben wollen und 8 Milliarden, noch zu unseren Lebzeiten vielleicht 10 Milliarden Menschen halbwegs nachhaltig auf der Erde leben sollen - dann, ja, dann und so leid es mir tut: sind steigende Ölpreise eine gute Nachricht.
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