Billige Energie Alle reden übers Klima - wir bauen Ölheizungen ein

Öl ist so billig wie schon lange nicht mehr - und der Verkauf von Ölheizungen boomt. Das ist sehr kurz gedacht. Es gibt nämlich eine bessere Strategie für Portemonnaie und Klima.

Rauchender Schornstein (in Leipzig): Marktanteil der Ölheizungen steigt wieder
DPA

Rauchender Schornstein (in Leipzig): Marktanteil der Ölheizungen steigt wieder

Eine Kolumne von


Wenn mir vor zwei Jahren jemand geflüstert hätte, dass ich eine Kolumne über neue Ölheizungen schreiben würde, dann hätte ich geantwortet: "Falsches Jahrtausend".

Doch während der Klimawandel uns dieses Jahr die höchsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen beschert - nämlich erstmals weltweit ein Grad mehr als in vorindustriellen Zeiten -, sind neue Ölheizungen tatsächlich wieder ein Thema geworden. 30 Prozent mehr Ölheizungen sind 2015 verkauft worden, ihr Marktanteil bei allen neuen Heizungen ist wieder auf zehn Prozent geklettert.

Verantwortlich dafür ist auch der unerklärte Ölkrieg zwischen den Scheichs am Golf und den Cowboys in Dakota, verschärft durch die ganz und gar unpatriotische Energiesparanstrengung der Chinesen.

Öl ist weltweit so billig geworden, dass ökonomisch denkende Kunden kaum umhin kommen, darüber nachzudenken, ob sie nicht eine Ölheizung einbauen. Der Dieselpreis, den ja viel mehr Menschen im Auge haben als den Heizölpreis, ist am vergangenen Wochenende an meiner eigentlich teuren Mustertankstelle in Pasewalk unter einen Euro gefallen. Und der 100-Liter-Heizölpreis, der im August 2015 binnen Jahresfrist schon von 80 auf 55 Euro gefallen war, bewegt sich jetzt um die 45-Euro-Marke: Wer einen 3000-Liter-Tank füllen muss, zahlt heute nur noch 1350 Euro, inklusive Mehrwertsteuer.

Für Ölheizungsbetreiber sind das großartige Zeiten. Es sparen die Wohnungseigentümer, es sparen aber auch die über lange Jahre gebeutelten Mieter in Häusern, die von einer Öl-Zentralheizung warmgehalten werden. Die nächste Heizkostenrückzahlung winkt. Knapp sechs Millionen der 21 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland werden immer noch mit Öl befeuert.

Die Freude bleibt unbenommen, ein Austausch des Brenners durch ein viel effizienteres Modell ist verständlich und sogar vernünftig, wenn der Tank im Keller steht. Der Austausch des Brenners ist meist die lukrativste Energiesparmaßnahme. Aber eine neue Ölheizung? Die Experten sind ziemlich einhellig der Meinung, dass die aktuell niedrigen Rohölpreise eine Episode bleiben werden.

Grundsätzlich gilt: Kurzzeitig niedrige Energiepreise helfen das Geld zu sparen, mit dem Sie die langfristigen Sparpotenziale bei den häuslichen Heizungsrechnungen erschließen können.

  • Nutzen Sie einen Preisvergleich vor dem Kauf des Heizöls. So lassen sich oft weitere zehn Prozent des Preises einsparen beim Heizöleinkauf, und das heißt, noch mal mehr als hundert Euro. Gute Vergleichsrechner bringen nach Untersuchungen von Finanztip noch fünf Prozent mehr als ein Feld-Wald- und Wiesenrechner.
  • Kaufen Sie Ihr Heizöl, wenn möglich, gemeinsam mit den Nachbarn ein, das bringt weitere Einsparungen und bei einem großen Tank schnell 50 Euro zusätzlich.
  • Isolieren Sie als Erstes die Heizungsrohre, als nächstes die Decke zum Dachboden und die Kellerdecke. Das rechnet sich viel schneller als die große Wärmedämmung rund ums Haus oder neue Fenster.
  • Drehen Sie regelmäßig am Thermostat, rauf wenn Sie's schön warm brauchen, runter in der Nacht oder wenn sie anschließend nicht zu Hause sind.
  • Noch besser: Rüsten Sie Ihr Haus auf, nach dem smarten Telefon kommt jetzt das smarte Home in Mode.

Apropos smart: Es ist wirklich klug, davon auszugehen, dass weniger Öl zu verbrauchen auf Dauer die beste Strategie für Portemonnaie und Klima ist. Auch wenn es ganz schön lange dauert. Vor gut 20 Jahren war ich Pressesprecher für Umweltverbände beim 1. Weltklimagipfel in Berlin, Gastgeberin damals Angela Merkel. Klimaschutz und Schutz des Portemonnaies - so habe ich damals auch schon argumentiert.


Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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Seite 1
räbbi 12.12.2015
1.
...und plötzlich war der Artikel zu Ende?!..was sind denn jetzt die besseren Strategien? Wärmepumpe powered by Braunkohle? Oder haben se außer den paar Plattitüden nix im Köcher? Der Expertenmeinung (von vor ein paar Jahren) nach müsste wir inzwischen ja eigentlich bei 200$/Fass stehen.
kritischergeist 12.12.2015
2. Warum ich wieder eine Ölheizung kaufe
Unsere derzeitige Ölheizung in einem Einfamilienhaus ist über 25 Jahre alt. Der Wirkungsgrad ist mäßig wodurch wir trotz diverser Wärmedämmmaßnahmen (Dach/Außenwandisolierung/Fenster mit 3-fach-Verglasung), immer noch viel Öl verbrauchen. Welche Alternative haben wir real? Eine Pellet-Heizung ist exorbitant teuer und sehr serviceintensiv. Inzwischen ist der Brennstoff auch deutlich teurer und alles andere als ökologisch seitdem Pellets importiert werden. Eine strombetriebene Luft oder Erdwärmepumpe kommt aus technischen Gründen nicht infrage das dies eine Fußbodenheizung mit Niedertemperatur-Wasserkreislauf erfordert. Der Umbau der Heizkreisläufe würde jeden Kostenrahmen sprengen. Das Haus hat aber Radiatoren die eine höhere Vorlauftemperatur benötigen. Gas als preiswerteste Lösung bei den Investitionskosten ist nicht verfügbar. Also was bleibt? Eine neue Ölheizung mit Brennwerttechnologie. Wer eine bessere Idee hat, melde sich bitte.
jozu2 12.12.2015
3. Schuster bleib bei Deinen Leisten
Herr Tenhagen, ich schätze Sie als Finanzexperten. Aber als Heizungsbauer??? Ich drehe so gut wie nie an den Thermostaten. Bei meiner Heizung ist die Nachtabsenkung so eingestellt, dass die Thermostate voll aufgehen und das Haus leicht abkühlt, weil der Vorlauf nicht mehr so warm ist. Wenn Sie morgens und abends an den Thermostaten drehen müssen, wechseln Sie mal Ihren Heizungsmann.
marthaimschnee 12.12.2015
4.
Warum sollte man einen intakten, vielleicht 10 Jahre alten Brenner zwingend austauschen? Das ist genauso eine Milchmädchenrechnung wie auf Teufel komm raus zu dämmen. Am Ende hat man 20000 Euro investiert und spart bei jetzigen Preisen vielleicht 200 Euro pro Jahr. Das amortisiert sich dann in lächerlichen 100 Jahren. Und ja, ich habe bereits über Alternativen nachgedacht. Bei 1 Euro pro Liter Heizöl wäre die Schmerzgrenze erreicht gewesen, an der eine Wärmepumpe mit Erdbohrung sich rechnet. Die Krise hat das entschärft und momentan leg ich die Füße hoch und warte. Wenn die Politik will, daß ich klimabewußt handle, soll sie die Voraussetzungen dazu schaffen. Am besten in der Form, wie sie die Wirtschaft zu bemuttern pflegt, indem sie einen (relevanten) Teil der Kosten subventioniert und nicht bloß zingünstige Kredite stellt.
heinzpeter0508 12.12.2015
5. Und die GROKO Regierung versagt mal wieder
machen doch sonst jede Menge schwachsinnige Gesetze, statt mit einem Gesetz Neuinstallationen von Ölheizungen zu verbieten. Es gibt genügend Alternativen zu den Dreckschleudern Öl und Kohle, und das sind Erdwärme, Solar, Kleinwindanlagen, als Energiemix. Bei entsprechender staatlicher Förderung können erneuerbare Energieanlagen kostengünstiger produziert werden, somit erschwinglich, und Erwärme, Solar und Wind stellen keine Rechnung. Ausserdem ist der derzeitige Erdölpreisverfall nur eine temporäre Erscheinung. Irgendwann wird der Ölpreis wieder anziehen und dann werden die Ölheizungsbetreiber für ihre Kurzsichtigkeit mit hohen Energiekosten belohnt werden.
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