Berlin - Die Aktivisten wählten den Zeitpunkt mit Bedacht: Am Freitag wird die Allianz ihre Quartalszahlen veröffentlichen, am Tag davor protestierten die Organisationen Oxfam und Attac vor der Berliner Niederlassung der Versicherung gegen die fortgesetzte Spekulation des Konzerns mit Nahrungsmitteln. In blauen Anzügen, mit weißen Masken und Stoppschildern in den Farben der Allianz forderten die elf Demonstranten von dem Konzern, auf Investitionen in Agrarrohstoffe zu verzichten.
Im Sommer seien die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais und Weizen förmlich explodiert, sagte Jutta Sundermann von Attac, ohne den Faktor Spekulation seien die hohen Preise nicht zu erklären. "Es gibt erdrückende Belege dafür, dass die exzessive Spekulation die Ausschläge an den Börsen auf die Spitze treibt", sagte Sundermann, dadurch würden Hungerkrisen verschärft, unter denen besonders die Menschen in armen Ländern litten.
Die Organisation Oxfam veröffentlichte eine Erklärung dreier kleiner Versicherungsunternehmen, die sich dazu verpflichten, auf Spekulation mit Nahrungsmitteln zu verzichten. "Jetzt hat die Allianz keine Ausreden mehr und muss schnellstmöglich das Geschäft mit dem Hunger beenden", sagte Oxfam-Sprecher Jan Urhahn.
Die Allianz ist der größte Versicherungskonzern Europas und erwartet für das Gesamtjahr 2012 den höchsten Gewinn seit dem Ausbruch der Finanzkrise. Die Gewinne im dritten Quartal seien vor allem auf Entwicklungen im Asset Management zurückzuführen, zu dem auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln an den Warenterminbörsen gehört, argumentieren Attac und Oxfam.
Im Mai hatte die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam auf der Allianz-Hauptversammlung die Studie "Mit Essen spielt man nicht!" präsentiert, die belegen soll, dass deutsche Finanzinstitute ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens an Agrarrohstoffmärkten halten. Den Spitzenplatz nimmt nach Oxfams Berechnungen mit 6,24 Milliarden Euro die Allianz ein. Im Sommer hatte es Gespräche mit der Allianz-Führung gegeben, die leider ohne Ergebnis blieben.
nck
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