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Pflegeheimtest: Schöne alte Welt

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Wie gut sind deutsche Pflegeheime? Kritiker sprechen von katastrophalen Zuständen, doch verlässliche Studien gab es bislang kaum. Jetzt hat das Verbraucherministerium Tester losgeschickt. Ihre Ergebnisse sind besser als erwartet - aber Experten bezweifeln die Aussagekraft.

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Altenheim in Rostock-Evershagen: Wie steht es um die Lebensqualität?

Hamburg - Rita Hengst wollte ihre Mutter nie ins Altersheim stecken. Die Angst war viel zu groß, sagt die 57-Jährige. "All diese Berichte über verdreckte Zimmer und vernachlässigte Menschen - furchtbar." Die Berlinerin hat ihre Mutter daher selbst gepflegt, zehn Jahre lang, irgendwann musste sie sich auch noch um die Schwiegereltern kümmern. Rita Hengst opferte ihre Karriere, sie sagt, die jahrelange Vollzeitpflege habe sie oft an den Rand ihrer Kräfte gebracht.

Als ihre Mutter dann starb, habe sie sich gedacht, dass die häusliche Pflege nicht für jeden der richtige Weg sei. "Noch einmal hätte ich das nicht geschafft", gesteht sie.

Im Frühjahr 2009 hörte Rita Hengst zum ersten Mal von einem Projekt, bei dem Ehrenamtliche Altersheime testen. Sie meldete sich sofort. Seitdem hat sie Bewohner in 73 Heimen danach befragt, wie wohl sie sich fühlen, ob sie selbst über ihren Tagesablauf bestimmen können - und ob ihre Intimsphäre gewahrt bleibt.

Die Ergebnisse stellt sie in das "Heimverzeichnis", eine Internetdatenbank, die vom Verbraucherministerium unterstützt wird. SPIEGEL ONLINE liegen die Auswertungen der ersten rund tausend Tests vor, die Staatssekretärin Julia Klöckner am Donnerstag offiziell verkünden will. Eine Übersicht aller getesteten Heime bietet die vom Ministerium geförderte Homepage www.heimverzeichnis.de.

Teil der Untersuchung sind allerdings nur Heime, die sich freiwillig gemeldet haben. Das Heimverzeichnis ist also eine Positivliste. Wer in der Suche seinen Heimatort angibt, kann auf einen Blick sehen, welche Heimen einen "Grünen Haken" bekommen haben - eine Auszeichnung dafür, dass sie die Kriterien in Sachen Lebensqualität zu 80 Prozent erfüllen. Bei 993 von 1015 überprüften Heimen haben die Tester den "Grünen Haken" zugesprochen. Lediglich 22 Heimen wurde das Positiv-Siegel verweigert - rund zwei Prozent. Doch die Heime, die um ihren Ruf fürchten, dürften sich erst gar nicht für eine Bewertung melden.

"Das Heimverzeichnis macht Lebensqualität in Pflegeeinrichtungen zum ersten Mal messbar", sagt Klöckner, die auch CDU-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz ist. Für Betroffene und Angehörige sei nicht allein gute Pflege entscheidend, sondern auch andere Fragen:

  • Wird man in dem Heim gesiezt oder geduzt?
  • Darf man seinen eigenen Fernsehsessel mitnehmen?
  • Und dürfen die Verwandten auch außerhalb festgelegter Besuchszeiten kommen?

Waschbecken im Doppelzimmer

Rita Hengst hat auch schon Heimen die Auszeichnung verweigert, sagt sie. "Das lag dann etwa daran, dass die Bewohner mit ihrem Rollstuhl nicht überall entlangkamen, zum Beispiel nicht an die frische Luft."

Oder die Essenszeiten seien zu knapp bemessen gewesen. Ein Kriterium sehe vor, dass die Bewohner autonom entscheiden können müssen, wann sie essen wollen. Dafür müssten die Essenszeiten mindestens zwei Stunden betragen.

Und dann schildert die Testerin noch einen besonders krassen Fall: "In einem Heim wurde die Intimsphäre nicht gewahrt. Dort waren die Waschbecken im Mehrbettzimmer angebracht, noch nicht einmal Vorhänge gab es da." Das bedeutet: Wer sich im Zimmer waschen will, muss dies vor den Augen seiner Zimmergenossen tun.

CDU-Staatssekretärin Klöckner sagt, der Wohlfühlfaktor habe bislang bei der Bewertung von Heimen eine untergeordnete Rolle gespielt. Dabei würden immer mehr Menschen "ihren Lebensabend in einem Altenheim verbringen". Der Wechsel ins Heim sei ein gravierender Einschnitt, die Entscheidung müsse zudem oft sehr kurzfristig gefällt werden. Das Heimverzeichnis sei nun dazu da, dem Verbraucher konkrete Hilfestellungen zu geben.

"An den Problemen ändert sich dadurch nichts"

Für den Pflegekritiker Claus Fussek ist das Projekt dazu jedoch nicht geeignet. Im Gegenteil: Es leiste "einen Beitrag dazu, die Missstände in deutschen Heimen zu verdrängen". Der Sozialpädagoge prangert seit Jahren katastrophale Zustände in der Pflege an; er hält das Ergebnis von 98 Prozent positiv getesteter Einrichtungen "schlicht für absurd". Bei seinen Recherchen erlebe er etwas ganz anderes: dehydrierte Menschen, nach Urin stinkende Räume und überfordertes Pflegepersonal.

"Ich komme immer wieder in Heime, in denen zwei nicht voll ausgebildete Pfleger für 30 Bewohner zuständig sind. Da kann die Lebensqualität doch gar nicht in Ordnung sein!", schimpft Fussek.

Er glaube auch nicht, dass die Bewohner ehrlich antworten: "Jeder, der Verwandte im Altenheim hat, weiß doch, unter welchem Druck die stehen. Sie wollen den Pflegern nicht zur Last fallen - da findet ein enormer Anpassungsprozess statt." Fussek hält von dem Projekt des Verbraucherministeriums daher gar nichts. "Dadurch wird sich an der Situation in den Heimen nichts ändern."

Rita Hengst glaubt das nicht. Sie hält das Heimverzeichnis nach anderthalb Jahren als Testerin immer noch für ein tolles Projekt. Den Grund für die 98 Prozent Positiv-Bewertungen sieht sie vor allem darin, dass die Anmeldung für die Heime freiwillig ist. "Die schwarzen Schafe melden sich gar nicht."

Einmal pro Woche besucht sie eine Berliner Einrichtung. Die Aufgabe gebe ihr ein gutes Gefühl. "Nach dem Tod meiner Mutter war so eine Leere in mir. Ich bin froh, nun wieder etwas Sinnvolles tun zu können."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. ach nee aber auch ...
...ergo sum, 29.09.2010
Also JETZT fange ich aber ernsthaft an mir Gedanken zu machen. ^ Da es mich einfach nicht dauerhaft im Bett hielt in den Tagen meines gerade vergangenen Krankenhausaufenthaltes, habe ich mir fast täglich einen schicken Rollstuhl gesichert und bin damit von der Privatstation neugierig durch die sog. "gesetzlich Versichterten"-Stationen gekullert. ALSO, - erst einmal kam ich mit meinem kuscheligen Pollstuhl schon mal nie an die Türen, da diese nicht automatisch öffneten, sondern schwer gezogen werden mußten, - an ALLEN Eingängen in ALLEN Gebäudeteilen. Und IMMER kam man NICHT über die Metallschienen dieser Eingangstüren ! Dann waren die Außenwege derartig locker mit kleinen Steinchen "gepflastert" das ich immer wieder klemmen blieb, zudem waren die Wege sehr schmal, ausreichend für eine Rollstuhlbreite ("Gegenverkehr muß in den stoppeligen Rasen) und oftmals entweder massiv abschüssig (man halte stets beide Hände an die Bremsen) oder derartig steil zurück das man ohne Hilfe nicht aufwärts kam trotz massiver Mühen. zu den "gesetzlichen" Stationen: Alle Türen zu allen Zimmern standen immer offen, - Jeder der auf dem Gang vorbeilief konnte alle Leute ganz leicht im Bett sehen. Reingefahren ( nach Erlaubnis der Liegenden !) und umgesehen. Waschbecken sehr hoch, für sitzende Kranke kaum richtig erreichbar, Spiegel dito (Alles in Normalhöhe), keine Tür oder Vorhang davor, Jeder konnte Alles sehen im 4-Bett-Zimmer. Toilette durch sehr schwergängige Tür dahinterliegend abgetrennt. Weder zum Waschbecken noch in die Toilette kam man im Rolltruhl, - die Eingänge zu beiden waren extrem schmal. Das Essen für die dortigen Kranken war extrem lausig (es kam Abendbrot für Alle und die zuvor dort bestellte lustige Nummer unter Gemüsebeilage "Gurke" bestand, - es ist wirklich wahr - aus 2 hauchdünnen und sehr kleinen runden Scheiben ...), alles Andere war eine ähnliche Katastrophe. Nee, klar, die sollen dort die nächsten Tage überleben, von gesunden hat bei dem "Essen" dort auch niemand was gesagt. Ekelhaft ! Den zur Verfügung gestellten "Schränken" konnte man mühelos von außen ansehen das man keinerlei Wert legte auf längere (mehr als 5-7 Tage) Anwesenheit der Patienten. (Beispiel hier stammt aus der Chirurgischen Abteilung) Mal ganz ehrlich war ich danach erst einmal sehr froh wieder auf der privaten Abteilung zu sein, - nachdem ich mich durch 3 Türen und über 2 steile Wege außen habe teilweise von freundlichen Mitpatienten und Ärzten schieben lassen müssen. Also, - auf in die Kliniken und dort gehen einem schon lange "die Augen über" von dem was dort abgeht für besonders GV, Nachlässigkeiten allgemein.
2. Ach, da kann ich auch ein gar hässlich Lied singen!
Spinatwachtel 29.09.2010
Meine Schwiegermutter wollte unbedingt ins Heim, weil sie glaubte, hier ginge es zu, wie im Hotel. Davon war sie nicht abzubringen. Wir haben sie nach einem halben Jahr aus dem Heim genommen, verwahrlost, den Körper übersät mit Hämatomen, abgemagert und halb irre. Ich habe mich entschlossen, sie bis zuletzt zu pflegen. Das war nicht leicht, "Sößchen" (so hiess sie bei uns) hatte Alzheimer. Vergebens habe ich in unserem Kreis nach einem guten Heim gesucht. Auf meiner Reise durch die Heime bin ich ausnahmslos dem Grauen begegnet. Es führte zu weit, alles einzeln aufzuführen. Als meine Mama "dran" war, haben wir uns entschlossen, sie zu Hause zu betreuen, so lange es ging. Meine Schwester und ich teilten uns die Betreuung. Die letzten Monate war Mama bei mir. Auch ich habe eine Karriere geknickt deshalb. Die Innenansichten der Horrorhäuser machten es mir leicht: Hier sollten meine beiden besten Stücke nicht verrotten müssen. Ich habe erlebt, wie meine Schwiemu allen Ernstes leugnete, geschlagen worden zu sein, aus der Angst heraus, dass es, wenn sie sich beschwerte nur noch schlimmer würde. "Du bist ja nicht immer da gewesen!" hat sie später gesagt. Zu wenig und zu schlecht ausgebildetes Personal, das ob der vielen Arbeit verroht, die Gier der Heimträger, aus allem möglichst viel Geld heraus zu ziehen (auch hier gibt es Aktionäre, denen man oft verpflichtet ist), es wird sich nicht wirklich was ändern. Wie wir mit unseren Kindern und Alten umgehen zeigt den Stand unserer Kultur an. Hier kann ich nur zu dem Schluß kommen: Lieber tot sein, als im Heim! Dass der Dienst am alten Familienmitglied den ganzen "Mann" fordert, weiß ich nur zu gut. Oft kommt man hier, wie auch bei der Erziehung der Kinder an seine körperliche und seelische Grenze. Hier gibt es aber Hilfe in Selbsthilfegruppen. Ich bin froh, dass ich es so gemacht habe und nicht anders. Meine beiden Lieben sind bei mir gewesen bis zu letzt.
3. ....
lis, 29.09.2010
Meine Mutter ist 91 und seit einem Dreiviertel Jahr im Altersheim. Seit ca. 35 Jahren ist sie auch immer wieder im Krankenhaus. Geistig ist sie sehr rege, körperlich hat sie grosse Probleme ist aber kein totaler Pflegefall. Das nur vorausgeschickt, um den folgenden Kommentar in einen Bezugsrahmen zu stellen. Die Wohnverhältnisse im Altersheim sind - mit kleinen Abstrichen - gut: Zimmer samt eigener Nasszelle ca. 23 Quadratmeter gross. Das Zimmer konnte mit eigenen Möbeln ausgestattet werden. Der Bau hat aber architektonische Mängel, die es den meist gehbehinderten Bewohnern nicht einfacher machen: falsch öffnende Türen, zu wenig Lichtschalter und die am falschen Platz, keine Möglichkeit im Zimmer z.B. Getränke kühl zu halten. Das Personal aber ist freundlich und bemüht. Es gibt sich auch grosse Mühe, die Bewohnerinnen und Bewohner gut zu pflegen. Was durch die knappe Personaldecke oft schwer ist. Die Neigung des Heimträgers, möglichst wenig Personal fest anzustellen und lieber mehrere 400-Euro-Stellen einzurichten oder Praktikantinnen einzustellen, macht die Arbeit nicht einfacher. Die Mehrheit der Pflegenden neigt leider dazu, alle Alten über den gleichen Kamm zu scheren: Sie gehen mit allen um, als seien sie dement. Für Leute, die ihre Sinne noch beieinader haben, ist das oft schwierig. Meine Mutter ist dadurch öfter a) stinkwütend und b) verletzt. Sie ist aber geistig so fit, dass sie sich auch schon mal beim Koch wegen des Essens beschwert oder wegen einer falschen Rechnung bei der Heimverwaltung. Eine schwer demente Tante war im gleichen Heim: Die Betreuung war grosso modo gut. Eine andere Verwandte - dement und bettlägerig - wurde allerdings vor einigen Jahren schlecht gepflegt: Man vergass ihr zu trinken zu geben, was mehrfach grosse Probleme verursachte. Ihre Familie nahm sie aus dem Heim und brachte sie in einem kleineren Heim in der Nähe unter. Allerdings hilft es, wenn die Angehörigen öfter vorbei kommen - der Eindruck sozialer Kontrolle nützt. Es hilft auch, sich bei Problemen umgehend zu beschweren. "Braves" Verhalten ändert nichts - im Gegnbetil, da kann man ja weitermachen, es passiert ja nichts. Wer "rüsselt" ist vielleicht nicht so beliebt, die Angehörigen im Heim werden aber besser behandelt, weil die Beschwerden ja auf das Personal selbst zurückfallen (oder auf das Heim).
4. Es gibt tatsächlich gute Heime.
InteressierteLeserin 29.09.2010
Dem kann ich nur beipflichten. Es ist durchaus möglich, ein Pflegeheim sauber zu halten und sich dennoch um die Bewohner zu kümmern, sie liebevoll zu pflegen und mit Respekt zu behandeln. Meine Mutter lebt seit einigen Jahren in einem hervorragendem Pflegeheim in Berlin. Ich bin jedoch immer wieder überrascht, was Pfleger und Schwestern bei dieser extremen selischen wie körperlichen Arbeitsbelastung bei gleichzeitig einem wirklich schlechten Gehalt leisten. Kein Wunder, daß niemand den Job machen möchte. Kein Wunder, daß Pflegekräfte händeringend gesucht werden. Interessant und absurd ist übrigens folgendes: Während vom Staat festgelegt ist, wie viele FACHpflegekräfte prozentual in einem Heim arbeiten müssen, werden selbige wiederum vom Medizinischen Dienst (MDK) mit besseren Gehaltsversprechungen abgeworben, um die Pflegeheime zu überprüfen - und zu dem Schluß zu kommen, daß es im Heim zu wenig Fachpflegekräfte gibt.
5. absurd
bassman1 29.09.2010
Tests, bei denen nur freiwillige mitmachen, sind absurd und bringen keine repräsentative Ergebnisse. Bin selber Krankenpfleger und hatte durch meine Tätigkeit als Freiberufler Einblick in viele verschiedene Pflegeeinrichtungen. Es gibt viele Häuser, an denen schlimme hygienische und pflegerische Zustände herrschen. Das Gros bewegt sich so im Mittelmass, zu kritisieren gibt es aber fast überall etwas. Das grösste Problem ist die knappe Personaldecke. Warum? Weil an den Personalkosten am meisten gespart werden kann. Und die Krankenkassen, der MDK, und letztendlich der Gesetzgeber sind dafür verantwortlich. Die meisten Einrichtungen sind private , renditeorientierte Unternehmen, deren starke Lobby dem Gesetzgeber in die Bücher geschrieben hat, wie es in der Pflege laufen muss. Damit also Gewinnmaximierung im Vordergrund steht. Die zeitlichen Vorgaben im Pflegeprozess sind absolut realitätsfern, alles ist ausgelegt auf höchste Effizienz und Geschwindigkeit. Absolut üblich ist es zB., das man bis zum Frühstück 10 Bewohner komplett versorgen muss, und es darf nichts unvorhergesehenes dazwischen kommen, ansonsten kommt die ganze Abteilung ins schwimmen. Ein Knochenjob für die Pflegenden, wer sich mehr Zeit für gründliche Pflege nimmt und auch mal intensiver auf die Bedürfnisse der Bewohner eingeht, gilt schnell als jemand, der die Abläufe stört und für die Kollegen eine Belastung ist. So kommt es zu Frustration, hohen Krankenständen, schlechter Pflege, Mobbing unter Kollegen. Der Schlüssel für eine menschenwürdige Pflege, gute hygienische Bedingungen und letzendlich zufriedene Bewohner und Angehörige ist eine radikale Aufstockung im Personalbereich. Das will von den Verantwortlichen natürlich keiner hören. Die Situation wird bald eskalieren, es gibt ein riesiges Nachwuchsproblem in der Pflege. Welcher junge Mensch mit gutem Abschluss tut sich so was an. Und selbst wenn der Nachwuchs in Massen da wäre, die Arbeitgeber stellen nicht genügend ein, profitmässig läuft für sie doch noch alles. Zur Not fährt man mit kalkulatorisch günstigeren Zeitarbeitern oder in Zukunft vermehrt mit Personal aus Osteuropa. Die haben nicht so hohe Ansprüche. Professionelle deutsche Pflegefachkräfte, die noch Elan und Anspruch haben, wandern aus nach Skandinavien. Dort wird man anständig bezahlt, geniesst gesellschaftliche Wertschätzung und die Pflege bewegt sich auf einem ganz anderem Niveau.
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Die Berechnung der Rentensteigerung
Lohn der Arbeitnehmer
Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.
Riester-Faktor
Der Riester-Faktor wurde 2001 eingeführt. Der Abzug von der sich rechnerisch ergebenden Rentenerhöhung soll den erhöhten Aufwendungen der Arbeitnehmer für die private Altersvorsorge (Riester-Rente) Rechnung tragen. Der Sonderfaktor hat den Rentenanstieg in den vergangenen Jahren um 0,5 bis 0,6 Prozent jährlich gedämpft. Allerdings wurde er für die Jahre 2008 und 2009 ausgesetzt. Das damals fällige Minus soll allerdings 2012 und 2013 nachgeholt werden.
Nachhaltigkeitsfaktor
Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde im Rahmen der Rentenreform des Jahres 2004 eingeführt. Er soll sicherstellen, dass die Renten dann weniger stark steigen, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt. Weil es künftig immer mehr Rentner und immer weniger Arbeitnehmer geben wird, führt er mit großer Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren regelmäßig zu geringeren Rentensteigerungen. Auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit dämpft der Sonderfaktor das Plus bei den Renten.
Rentengarantie
Die Rentengarantie wurde 2009 beschlossen. Sie soll sicherstellen, dass die Altersbezüge auch dann nicht niedriger ausfallen, wenn die Lohnsumme sinkt. Allerdings soll die ausgefallene Rentenkürzung in besseren Zeiten nachgeholt werden. Dann steigen die Altersbezüge nur halb so viel wie rechnerisch möglich.

Rente mit 67
Als Antwort auf den wachsenden Anteil älterer Menschen in Deutschland hat die große Koalition die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von derzeit 65 auf 67 Jahre beschlossen. Das im April 2007 verabschiedete Gesetz sieht vor, dass die Rente mit 67 von 2012 an schrittweise eingeführt wird. Die Regelung soll helfen, die Belastung für die Beitragszahler - also Beschäftigte und Arbeitgeber - langfristig zu mildern.

Betroffen ist als erster der Geburtsjahrgang 1947. Alle, die damals auf die Welt kamen, müssen einen Monat über den 65. Geburtstag hinaus arbeiten, um die volle Rente zu bekommen. Bis 2023 verschiebt sich das Renteneintrittsalter jeweils um einen weiteren Monat nach hinten.

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