Schmähpreis Plagiarius Das sind die dreistesten Fälschungen des Jahres

Wischmopps, Medizingeräte, Spielzeugbagger: Kaum ein Produkt ist vor Piraterie sicher, Plagiate sind ein Milliardengeschäft. Die dreistesten Fälschungen erhalten nun den Schmähpreis Plagiarius. In den Top 3 landet auch eine deutsche Firma.

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Frankfurt am Main - Die beiden Geräte für Cellulite-Behandlung sind optisch nicht voneinander zu unterscheiden. Bis ins kleinste Detail scheinen Original und Fälschung exakt gleich verarbeitet. Selbst die Webseiten, auf denen die Therapiegeräte Arztpraxen angepriesen werden, sehen nahezu identisch aus. Lediglich ein Wort im Firmennamen haben die Produktfälscher ausgetauscht.

Der Jury des Plagiarius 2014 war diese dreiste Fälschung des Massagegeräts ZWave den ersten Platz wert. Das Original stammt aus Neu-Ulm, das Plagiat wird von einer chinesischen Firma hergestellt und verkauft. Kein Einzelfall: Allein im Jahr 2012 beschlagnahmten Zollbehörden knapp 40 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von einer Milliarde Euro an den EU-Außengrenzen.

Aktion Plagiarius

Der erste Platz des Plagiarius 2014 geht in diesem Jahr an das Massagegerät ZWave, das an Arztpraxen für die Behandlung von Cellulite verkauft wird. Links das aus Neu-Ulm stammende Original, rechts das Plagiat aus China. Die Produktfälscher haben sich dabei große Mühe gemacht: Selbst die Transportkoffer, in denen das Gerät verstaut wird, sehen gleich aus.

Selbst die Webseite des ZWave haben die Produktfälscher eins zu eins abgekupfert (links das Original, rechts das Plagiat) und dabei lediglich ein Wort im Firmennamen ausgetauscht. Allerdings haben sie gepfuscht: Auf der Webseite der Plagiatsfirma lappt ein weißer Balken über das Gesicht der Frau.

Aktion Plagiarius

Ob vermooste Gartenwege, schmutzige Gehwegplatten oder dreckige Garagen: Viele deutsche Heimwerker nutzen den Hochdruckreiniger HD 6/15 C von Kärcher (l.), um Schmutz im Garten zu beseitigen. Die chinesische Firma Wenzhou Haibao hat diesen nun besonders dreist gefälscht (r.) - und erhält dafür den zweiten Platz beim Plagiarius 2014.

Aktion Plagiarius

Der dritte Platz geht an die deutsche Firma Otto Oehme in Allersberg, die den gefälschten Wischmopp-Halter Sprintus Magic Click (r.) vertreibt. Das Original (l.) kostet rund 15 Euro und ist laut Hersteller patentiert. Denn der Magnet-Klappverschluss ermögliche einen rundum schwenkbaren Griff, der das Putzen angenehm und einfach machen soll.

Aktion Plagiarius

Sechs weitere Produkte bekamen gleichrangige "Auszeichnungen", etwa das Plagiat des Amefa Stahlbestecks (links das Original, rechts die Fälschung). Das Unternehmen Esmeyer aus Erkrath, das laut Plagiarius die Fälschung vertreibt, möchte sich einer Sprecherin zufolge nicht dazu äußern.

Aktion Plagiarius

Fälschungen finden sich auch in Kinderzimmern. Links der originale Schaufelbagger, der von einer Fürther Spielwarenfirma hergestellt wird. Rechts das Plagiat, das von einer französischen Firma vertrieben wird.

Aktion Plagiarius

Die äußerst ausgefallen designte Käsereibe Kasimir (l.) stellt die deutsche Firma Koziol in Handarbeit her. Der kleine orangefarbene Igel kann mit seinen Stacheln Parmesan, Gouda und Emmentaler reiben und kostet rund zehn Euro. Rechts im Bild das Plagiat der türkischen Firma Öz Plastik.

Aktion Plagiarius

Die Firma Koziol hat es doppelt erwischt. Gleich zwei Produkte des Design-Unternehmens wurden dreist gefälscht. Links der originale Schmuckbaum pi:p, an dem Ketten, Ringe und Armreifen aufgehängt werden können. Rechts im Bild das Plagiat, das vermutlich aus Korea stammt.

Aktion Plagiarius

Eine weiß gepunktete Tasche für den Einkaufswagen. Links im Original, rechts das gefälschte Produkt. Die italienische Firma Dial bot das Plagiat eine Zeitlang im Internet an, inzwischen hat sie nach langen Verhandlungen eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Das hinderte die Plagiarius-Jury aber nicht daran, Dial einen Schmähpreis zu verleihen.

Aktion Plagiarius

Das Küchenschneidegerät swizzzProzzz sP20 (l.) stammt von der Schweizer Firma swizzzProzzz AG. Bereits im vergangenen Jahr sorgte es für einen Plagiarius-Sonderpreis: Es wurde gleich von sieben verschiedenen Firmen plagiiert, wenn auch mit zumeist anderer Farbgebung. Nun hat sich ein Fälscher aus der Türkei aber das gesamte Design zu Eigen gemacht – nur die Verpackung ist leicht verändert.

Aktion Plagiarius

Der Sonderpreis "Wiederholungstäter" ging in diesem Jahr an das chinesische Unternehmen JRS Technology. Laut Plagiarius wurde die Firma schon im vergangenen Jahr mit dem Schmähpreis ausgezeichnet. Doch JRS habe keine Reaktion gezeigt und plagiierte erneut die LED-Taschenlampen LED Lenser M7R und LED Lenser H14 der Firma Zweibrüder Optoelectronics aus Solingen. Links die Originale, rechts die Fälschungen.

Aktion Plagiarius

Die Aktion Plagiarius vergab außerdem zwei Sonderpreise. Links im Bild das originale Taschenmesser Victorinox Rescue Tool eines Herstellers aus der Schweiz. Rechts zu sehen die Fälschung, die von unbekannten Produktpiraten im Internet verkauft wurde.

Aktion Plagiarius

Den zweiten Sonderpreis "Fälschung" bekam der chinesische Hersteller Huayuan Gas Control Equipment. Links im Bild das originale Druckmessgerät aus Deutschland, rechts das Plagiat. Zwei deutsche Händler hatten die Fälschungen übers Internet angeboten, haben aber laut Plagiarius Unterlassung zugesichert. Ein slowenischer Zwischenhändler sei außerdem zu Unterlassung verurteilt worden.

"Produktpiraterie ist kein Kavaliersdelikt", sagt Rido Busse, Initiator der Aktion Plagiarius, die seit 34 Jahren den internationalen Schmähpreis vergibt. Der Verein will damit freche Fälschungen öffentlich machen und kürte in diesem Jahr insgesamt zwölf Firmen zu Preisträgern, die besonders skrupellos geistiges Eigentum von anderen Firmen klauen. Als Trophäe erhalten sie einen schwarzen Zwerg mit goldener Nase. Die Skulptur soll die Gewinne symbolisieren, die Fälscher auf Kosten anderer erwirtschaften.

Auch der zweite Platz geht an eine chinesische Firma: Das Unternehmen Wenzhou Haibao hat den Hochdruckreiniger HD 6/15 C von Kärcher kopiert. Schon seit Jahren fälscht die Firma Produkte des schwäbischen Weltmarktführers. Inzwischen hat Kärcher einen Prozess in China gegen die Produktpiraten gewonnen: Wenzhou Haibao darf das Gerät nicht mehr herstellen und muss eine Strafe an Kärcher zahlen.

Auch eine deutsche Firma ist in der Riege der fragwürdigen Plagiarius-Gewinner. Die deutsche Firma Otto Oehme GmbH aus dem fränkischen Allersberg landete auf dem dritten Platz, weil sie den gefälschten Wischmopp-Halter Sprintus Magic Click vertreibt. Das Unternehmen könne sich laut einer Sprecherin nicht dazu äußern, da der Geschäftsführer zurzeit im Urlaub sei.



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monolithos 07.02.2014
1. Andere Länder, andere Sitten
Natürlich ist es nicht schön, sich von Plagiaten den eigenen Markt wegnehmen zu lassen. Man sollte aber auch bedenken, dass die asiatische Kultur da etwas anders tickt: Dort ist Plagiieren so ziemlich das höchste Kompliment, das man dem Hersteller eines Produkt machen kann. Man bringt seine Wertschätzung zum Ausdruck, dass das Original so gut ist, das man dem nichts hinzuzufügen hat. Die Ähnlichkeit zum Original ist also gewollt, denn Veränderungen zur Kopie würden zeigen, dass das Original verbesserungswürdig war, ein Zeichen von Unhöflichkeit.
micah 07.02.2014
2. Sogar besser
Der rechte Reiniger ist sogar besser. Wie auf dem Bild zu sehen hat er sogar 5 statt 4 Lüftungsschlitze :-)
TheBlind 07.02.2014
3.
Würde mich nicht wundern, wenn das gar keine Kopien sind, sondern nur Originale mit anderen Herstellernamen. Also Original wie Kopie kommend von dem selbsten Fertigungsband... welcher Hersteller lässt nicht in China produzieren... das ist eben die Kehrseite der Medallie... man kann nicht alles haben... billig produzieren und teuer verkaufen...
Wolpyy 07.02.2014
4. Die Plagiatsverkäufer in Europa belangen !
Verdienen wollen außer den Kopier-Firmen auch die Verkäufer dieser "PRC"-Ware (Neuerlcher Täuschungsversuch für "Made in China"). Deshalb muss man da eingreifen, zumal diese Betrugshelfer meistens auch eher zu greifen sind.
gregorx 07.02.2014
5. Na ja... Cellulite Behandlung ja?
So wirklich leid tut mir da der Hersteller nicht. Ich finde es nicht wirklich lustig, wenn mit so einem "blödsinnigen" Gerät Profit gemacht wird. Schon schlimm genug, wenn Frauen "Angst" vor Cellulite haben, bzw. Cellulite ihnen peinlich ist. Darüber hinaus hätte ich gerne mal eine aussagekräftige Studie zum Thema Wirkung dieses Wundergerätes gelesen.... Vermutlich ist das ähnlich wirksam wie Erdstrahlenabsorber, Magnetmatten etc.
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