Umweltschutz Deutsche verbrauchen deutlich weniger Plastiktüten

Deutsche Kunden kaufen immer weniger Plastiktüten. Sie sind schon jetzt viel umweltfreundlicher, als die EU fordert - obwohl sie 2017 noch immer Milliarden Tüten verbrauchten.

Lidl-Einkaufstüten (Archivbild)
DPA

Lidl-Einkaufstüten (Archivbild)


Im Jahr 2017 haben deutsche Kunden 1,3 Milliarden weniger Plastiktüten als im Vorjahr verbraucht - und den Verbrauch insgesamt um mehr als ein Drittel gesenkt. Das sagen Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsforschung, über die die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag berichtet. Damit übertrifft Deutschland sogar die Vorgaben der EU.

Im Schnitt verbrauchten deutsche Konsumenten im vergangenen Jahr 29 Plastiktüten pro Person. Dabei geht es um Tragetaschen, die an der Kasse gekauft werden, nicht um transparente Tüten für Obst und Gemüse.

Der Trend zu weniger Plastiktüten hält in Deutschland seit Jahren an - im Vergleich zu 2015 hat sich die Zahl der Tüten, in denen Kunden ihre Einkäufe nach Hause trugen, mehr als halbiert.

Mit diesen Zahlen steht Deutschland deutlich besser da, als die Vorgaben der EU es fordern. Diese sehen höchstens 40 Stück pro Person im Jahr 2025 vor. Um die EU-Ziele zu erreichen, beteiligen sich in Deutschland viele Händler an einer Selbstverpflichtung. Sie bieten seit 2016 Plastiktüten nicht mehr kostenlos an - oder haben sie komplett aus den Kassenzonen verbannt.

EU plant weitere Maßnahmen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden: "Einwegplastiktüten sind heute ein Auslaufmodell, auch weil es gute Alternativen gibt", sagte sie. Langfristig sollten nur noch einfach recycelbare Kunststoffe verwendet werden.

Neben einem geringeren Verbrauch an Tüten strebt die EU noch viele weitere Maßnahmen an, um den Gebrauch von Plastik abzusenken - unter anderem sind Verbote von Plastikgeschirr und Ohrenstäbchen im Gespräch.

Durch die EU-Richtlinien sollen bis 2030 Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden. Vor allem soll weiterer Plastikmüll in den Ozeanen verhindert und der Ausstoß von Kohlenmonoxid gesenkt werden. Seit dem 27. Mai 2018 müssen die EU-Mitgliedstaaten den nationalen Verbrauch an die EU melden.

Die EU diskutiert zudem über eine Plastiksteuer. Bundesumweltministerin Schulze lehnt eine solche pauschale Besteuerung ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist von dieser Maßnahme ebenfalls "noch nicht überzeugt", sagte sie diese Woche im Bundestag.

In Indonesien, einem der weltweit größten Verursacher von Plastikmüll, verbündeten sich indes zuletzt staatliche und religiöse Organisationen im Kampf gegen Plastiktüten. Zwei islamische Gemeinschaften mit zusammen mehr als 100 Millionen Angehörigen wollen laut "Guardian" in Gebetsgruppen über die Umweltschäden durch Plastikmüll aufklären. Außerdem wollen sie die Gläubigen zum Gebrauch von traditionellen Taschen aus Rattan und Bambus anregen.

ire/dpa-AFX

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