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18. Februar 2013, 11:12 Uhr

Postbank Gewinnsparen

Aktion Mensch ärgere Dich

Von Christian Kirchner

Bis zu 2,75 Prozent Zinsen pro Jahr verspricht das heftig beworbene Postbank Gewinnsparen. Ist das realistisch? Ein Sechser im Lotto wäre wahrscheinlicher. Und von den versprochenen Spenden an die "Aktion Mensch" bleiben beim genauen Nachrechnen nur wenige Cent pro Kunde übrig.

Über Frankfurt gibt es eine Menge Vorurteile. Grob seien die Menschen, hässlich die Straßen und übervölkert von Bankern und anderen dubiosen Gestalten. Das stimmt natürlich nicht alles. Für den schlechten Eindruck sorgt eher ein sprachliches Missverständnis: Wenn ein echter Frankfurter sich in einem nach seinem Verständnis höflichen Ton nach Uhrzeit, Weg oder Befinden erkundigt, glauben Auswärtige in der Regel, sie würden mit Prügel bedroht.

"Guhde. Därf mär mol frache ..." - mit derart gutturalen Grunzlauten werden solche Ansinnen in der Regel eingeleitet. "Guhde. Därf mär mol frache, ob Sie ann 2,75 Prozent Zinse ineressierd sinn?", fragt mich der Cross-Selling geschulte Mitarbeiter am Postschalter in höflichstem Hessisch, als ich ein paar Briefmarken kaufe. Und schiebt einen Werbeflyer für das Postbank-Gewinnsparen herüber. "Erfreulich: Bis zu 2,75 Prozent Zinsen" steht da drauf.

"Unter dem Strich zähle ich", heißt es ja in der Gewinnsparen-Kampagne. Also zähle ich: Alleine in der winzigen Postfiliale im Karstadt auf der Frankfurter Zeil 19 Werbeplakate für das Postbank-Gewinnsparen an Schaltern, Wänden und Regalen.

Ich kassiere derzeit für mein Erspartes nicht mal die Hälfte von 2,75 Prozent. Und obendrein spendet die Postbank auch noch einen prozentualen Anteil der Zinsen an die "Aktion Mensch". Und mehr Gutes tun, das müsste ich auch ganz dringend.

Also mache ich mich ans Nachrechnen. Beim Postbank-Gewinnsparen setzt sich der aktuelle Zins auf Neuanlagen aus drei Komponenten zusammen: einem Basiszins, einem Extrabonus und einem Gewinnbonus. Der variable und nach Einlagenhöhe gestaffelte Basiszins beträgt für 10.000 Euro derzeit 0,75 Prozent pro Jahr, der Extra-Bonus 1,0 Prozent. Wie hoch der Gewinnbonus ausfällt, hängt von den Gewinnziehungen der "Aktion Mensch" ab.

Unterm Strich bewegt sich der Gewinn-Bonus bei 0,26 Prozent

Entscheidend sind dabei die letzten beiden Endziffern der Gewinnzahl. Je höher sie ist, desto höher fällt auch der Gewinn-Bonus im jeweiligen Monat aus. Liegt die Endziffer zwischen 00 und 20, gibt es 0,1 Prozent Bonus beim Zinssatz. Für die Endziffern 21 bis 40 gibt es 0,15 Prozent, für die 41 bis 60 0,2 Prozent, für die 61 bis 80 0,25 Prozent. So richtig klingelt die Kasse, wenn eine Endziffer zwischen 81 und 99 fällt: Dann gibt es in dem Monat 0,6 Prozent Gewinn-Bonus. Im stochastischen Schnitt liegt der Gewinn-Bonus bei diesem Verfahren langfristig bei rund 0,26 Prozent Zusatz-Zins pro Jahr.

Das erlaubt nun, die wahrscheinliche Verzinsung von 10.000 Euro über einen Anlagezeitraum von einem Jahr auszurechnen. Ich erhalte folgende Gutschriften: 75 Euro für den Basiszins von 0,75 Prozent, 50 Euro für den Extra-Bonus von 1,0 Prozent - denn der Bonus wird nur für Neuanlagen und nur für ein halbes Jahr vom 1. März bis 31. August gezahlt. Plus, bei durchschnittlichem Glück in der Zinslotterie, rund 26 Euro oder 0,26 Prozent aus dem Gewinn-Bonus. Macht unter dem Strich 151 Euro oder 1,51 Prozent.

Doch wie könnte ich bloß auf die erfreulichen "bis zu 2,75 Prozent" kommen, mit denen die Postbank trommelt? Selbst für mehr als 50.000 Euro Anlage und der damit höchstmöglichen Basisverzinsung von 1,15 Prozent käme ich ja nur auf rund 1,91 Prozent, und auch das nur für ein halbes Jahr.

"Ein gutes Gefühl kommt noch dazu"

Die Postbank rechnet einem "einfach und überzeugend" (O-Ton Postbank-Werbung) folgendes aus: Bis zu 1,15 Prozent Basiszins plus 1,0 Prozent Extra-Bonus plus bis zu 0,6 Prozent Gewinnbonus machen unterm Strich bis zu 2,75 Prozent. Der Extra-Bonus wird aber nur für ein halbes Jahr gezahlt. Und um auf 0,6 Prozent Gewinnbonus im Gesamtjahr zu kommen, muss bei der "Aktion Mensch" 12 mal hintereinander eine Endziffern zwischen 81 und 99 fallen.

Für Statistikfans: Ein Sechser im Lotto ist rund 32 mal wahrscheinlicher. An dieser Stelle daher ein Versprechen: Ich spende nicht bis zu, sondern genau 275 Euro an die Aktion Mensch, wenn in diesem Kalenderjahr auch nur ein Kunde beim Postbank-Gewinnsparen auf eine Gesamtverzinsung von mehr als zwei Prozent kommt.

Die Postbank verweist übrigens auf Anfrage darauf hin, dass der Zinssatz von 2,75 in der Werbung als Maximal-, nicht als Garantiezins dargestellt werde. Und das Gewinn-Sparen sei auch dann eine attraktive Anlage, wenn nicht in allen Monaten der Maximal-Bonus erreicht werden.

Zudem eint die meisten Wettbewerber der Postbank, dass auch sie mit optisch hohen Zinsen neue Kunden werben - und darauf hoffen, dass diese Einlagen entweder nach Ablauf von Aktionszeiträumen niedriger verzinst liegen bleiben oder in andere Anlageformen bei der gleichen Bank überführt werden.

Die Idee, eine Geldanlage an die Ergebnisse von Lotterieziehungen zu koppeln und so hohe Zinsen vorzugaukeln, ist allerdings besonders trickreich.

Bleibt noch die Tränendrüse. "Ein gutes Gefühl kommt noch dazu", flötet die Postbank im Gewinnsparen-Werbeflyer. Sie spendet schließlich 1 Prozent vom "Gewinnbonus" an die "Aktion Mensch". Ein Prozent - klingt ja nicht schlecht. Allein: Bei 10.000 Euro Sparvolumen wären das in meinem Rechenbeispiel durchschnittlich 26 Cent pro Jahr.

Die Postbank erklärt, dass dennoch für die Gesamtheit aller an die Kunden ausgeschütteten Boni "stattliche Spendenbeträge" zusammenkämen. Für das Jahr 2012 habe die "Aktion Mensch" von der Postbank eine Spende von 259.000 Euro erhalten.

Ich bringe mein Geld lieber zu einem Konkurrenten, der 1,8 Prozent Zinsen pro Jahr zahlt und kassiere für 10.000 Euro durchschnittlich rund 30 Euro mehr als bei der Postbank. Die Hälfte des Geldes spende ich an die Aktion Mensch - oder nehme es mir zumindest fest vor - und für den entgangenen Nervenkitzel kaufe ich mir einen Lottoschein. Und hätte immer noch ein paar Euro übrig für Rippsche, Kraut und einen Äppler. Därf mär mol frache, ob des ned die bässärä Idee wär?

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