Merkwürdiger Kundenservice: Postbank - schließlich ist es unser Geld

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Wer sein Konto auflösen möchte, braucht Geduld. Einen ganz besonderen Service kann man bei der Postbank erleben. Die rückt das Geld ihrer Kunden erst gar nicht heraus - und beglückt sie später auf abstruse Weise.

Verrechnungsschecks von der Postbank: Warum einfach, wenn es auch schwierig geht Zur Großansicht

Verrechnungsschecks von der Postbank: Warum einfach, wenn es auch schwierig geht

Der Postbankberater tippt auf seinem Rechner herum. "Selbstverständlich kann ich Ihr Konto auflösen, wenn Sie das möchten."

"Aber?", fragt meine Frau.

"Sie können dann natürlich eine Zeitlang nicht auf Ihr Geld zugreifen." Er macht eine Kunstpause. "So für drei bis vier Wochen."

Ich schwöre eigentlich auf Online-Banking. Aber aus Gründen, die sich nicht mehr einwandfrei rekonstruieren lassen, liegt unser Haushalts- und Familienkonto bei der Postbank. Auch unser sauer Erspartes befindet sich dort, insgesamt 36.000 Euro. Aber nun wollen wir zu einer anderen Bank wechseln.

Tanja fletscht die Zähne. Der Postler zuckt ein wenig zusammen. Das sollte er auch. Denn meine Frau kann frechen Dienstleistern jederzeit den Kopf von den Schultern reißen, gepardenschnell und mit einem einzigen Biss.

Aber der Mann kommt noch einmal mit dem Leben davon. Tanja steht einfach auf und sagt leise: "Vier Wochen? Das wollen wir erst mal sehen." Grußlos verlässt sie das Séparée, und ich bemühe mich, ihr zu folgen.

Mit einem flotten Ratschgeräusch zieht der Automat meine Karte ein

Zwei Stunden später sitzen wir bei der örtlichen Commerzbank-Filiale. Während die Postbank nach dem Slogan "Schließlich ist es unser Geld" verfuhr, empfängt man uns hier mit offenen Armen. Das hat, mutmaße ich, nichts mit herausragendem Service zu tun; solvente Neukunden sind eben überall willkommen.

Der stellvertretende Filialleiter witzelt ein bisschen darüber, dass beim Wettbewerber gerade alles drunter und drüber gehe ("die haben den Kauf durch die Deutsche Bank wohl nicht verkraftet") und verspricht unbürokratische Hilfe. Zwei Unterschriften, und schon zieht die Commerzbank unser Konto zu sich herüber. Als Termin wird der nächste Monatserste festgelegt - damit ist gesichert, dass unser Konto durchgehend verfügbar ist. Denken wir.

Ich lobe Tanja, weil sie der Postbank ein Schnippchen geschlagen hat. Jetzt bleibt den Kerlen nichts anderes übrig, als das Geld bis zum 1. Juli herauszurücken.

Einen Tag vor dem Wechsel versuche ich, am Automaten der örtlichen Postfiliale 150 Euro abzuheben. Mit einem flotten Ratschgeräusch verschwindet meine Karte im Automaten, der mir mitteilt, diese werde eingezogen. Ich gehe zum Schalter und sage, dass ich heute durchaus noch Kunde bei der Postbank sei, und mein Konto eine Deckung von 36.000 Euro aufweisen sollte. Oder ist die Kohle schon bei der Commerzbank?

"Ihr Geld ist noch hier", sagt die Schalterdame.

"Und warum bekomme ich dann keines?"

Sie entschuldigt sich. "So sind unsere Sicherheitsvorschriften. Das Konto ist ja bereits aufgelöst."

"Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"

Wozu aufregen? Die Commerzbank hat uns schließlich bereits zwei EC-Karten geschickt, einen Dispo habe ich auch. Also gehe ich noch einmal zum Automaten und ziehe das Geld vom Neukonto.

Als ich mein Erlebnis am nächsten Morgen meiner Frau erzähle, regt sie sich fürchterlich auf. "Miese Tricks! Die wollen unsere Kohle ums Verrecken nicht rausrücken." Dann folgt eine längere Tirade. Tanja spannt einen weiten Bogen vom internationalen Finanzgaunertum über die Bankenrettung durch den Steuerzahler bis hin zu Bert Brecht: "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"

Wir checken online unser Commerzbank-Konto. Die 36.000 Euro sind noch nicht da. Eine Anfrage bei unserer Neubank ergibt, dass die Altbank das Geld bisher nicht freigegeben hat.

Auch eine Kündigungsbestätigung hat sie bisher nicht geschickt. Als ich am nächsten Morgen ein dickes Kuvert von der Postbank im Briefkasten finde, bin ich deshalb neugierig. Vermutlich enthält es irgendeine miese Ausrede, warum sie immer noch auf unserem Ersparten sitzen.

Doch der Umschlag enthält keine Ausreden. Sondern unser Geld.

Nicht in bar, wohlgemerkt, sondern in Form von Verrechnungsschecks. 24 Schecks à 1500 Euro, ausgestellt auf meine Frau. Ich zähle sie zweimal durch und lege sie dann in Reih und Glied auf den Esstisch, der nun vollständig mit Postbank-Schecks bedeckt ist.

Ein Systemfehler beschert uns 24 Verrechnungsschecks

Die Schecks muss ich nun zur Commerzbank tragen. Genauer gesagt muss es meine Frau tun, die tagsüber in der Innenstadt arbeitet. Das Indossieren und Einzahlen der 24 Schecks wird sie ein bis zwei Mittagspausen kosten. Und ihre gute Laune sowieso.

Wenn wir dieses mühsame Prozedere gleich morgen erledigen, schreibt die Commerzbank uns das Geld unter Vorbehalt gut. Dann gehen die Schecks zur Postbank, die anschließend, vermutlich nach eingehender Prüfung, die Überweisung veranlasst. Das dient der Sicherheit; deshalb dauert die Gutschrift von Verrechnungsschecks in der Regel sieben bis zehn Tage - wenn alles glattläuft.

Die Pressestelle der Postbank erklärt den Vorgang folgendermaßen: "Im Rahmen der automatisierten Kontoauflösung ignorierte das System die Bankverbindung bei der Commerzbank und stieß stattdessen den Versand von Zahlungsanweisungen an."

Ein Systemfehler also. Unser Ex-Berater hat damit auf jeden Fall recht behalten: Nach der Kündigung dauert es ein bisserl, bis man sein Geld bekommt.

Hatten auch Sie ein besonderes Serviceerlebnis? Dann schreiben Sie an warteschleife@spiegel.de.


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insgesamt 151 Beiträge
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1. Blödsinn...
vhe 06.08.2012
Das Geld überweist man vorher an die neue Bank. Dann ist es egal, wie lange die Bürokratie dauert.
2. Prof. Dr. Dr. hc. mult.
chiefclancywiggum 06.08.2012
Zitat von vheDas Geld überweist man vorher an die neue Bank. Dann ist es egal, wie lange die Bürokratie dauert.
Eben. Oder man hebt es einfach vollständig vom zu kündigenden Konto ab und kündigt dann das Konto bei Saldo 0 (Null)! Man muss halt noch hinterhältiger denken, als die Banken es tun.
3. Allzu viel Ahnung hat der Autor wohl nicht
spon-facebook-10000021410 06.08.2012
Warum hat er nicht einfach ein neues Konto angelegt, das Geld überwiesen und dann gekündigt? Wollte wohl besonderst clever sein! Der Bericht ist ne nette Story aber auch ein Beleg für Unwissenheit!
4. Meine Empfehlung:
Klaus Helfrich 06.08.2012
Bevor man mit "seiner" Bank über die Auflösung des Kontos spricht, sollte man das Konto weitgehend räumen, das geht nach der Erhöhung des Verfügungsrahmens (online möglich) relativ problemlos. Das neue Konto bei einem anderen Institut sollte man vor all diesen Aktionen einrichten, möglichst auch ohne von etwaigen Wechselaktionen zu berichten.
5. überweisen und dann kündigen!
Gebetsmühle 06.08.2012
Zitat von sysopWer sein Konto auflösen möchte, braucht Geduld. Einen ganz besonderen Service kann man bei der Postbank erleben. Die rückt das Geld ihrer Kunden erst gar nicht heraus - und beglückt sie später auf abstruse Weise. Postbank: Was der Kunde bei einer Kontoauflösung erlebt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,847396,00.html)
ich hatte bis vor einiger zeit ein postbank-konto. da diese bank es nie wirklich geschafft hat, daueraufträge pünktlich gutzumschreiben, sondern das geld meistens noch über tage irgendwo gebunkert hat, wärend es woanders längst weg war, haben wir dieses konto gekündigt. volksbanken und sparkassen schaffens an einem werktag, oft sogar am wochenende, die postbank braucht manchmal 1 woche. das auflösen des kontos ging allerdings schnell, da wir es vorher geleert hatten und alle aufträge vorher transferiert. tote konten brauchen die nämlcih auch nciht.
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