Postbank lockt mit Prämien Der hohe Preis des Kontowechsels

Mit hohen Prämien verführen Institute wie die Postbank Kunden zum Kontowechsel. Doch ein solcher Schritt lohnt sich oft nicht. Statt auf die Lockangebote der Geldhäuser sollten die Verbraucher lieber ins Kleingedruckte schauen.

Postbank-Filiale (in Köln): Prämien sind kein Grund für einen Kontowechsel
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Postbank-Filiale (in Köln): Prämien sind kein Grund für einen Kontowechsel

Eine Kolumne von


Girokonten gibt es heutzutage nicht nur kostenlos, Kunden können sogar bis zu 250 Euro Prämie kassieren, wenn sie das Konto wechseln und zum Beispiel zur Postbank gehen. Das hört sich an wie in den Wildwest-Tagen des Strommarktes, als Anbieter wie Teldafax oder Flexstrom Kunden ähnliche Prämien versprachen.

Mit diesen Stromanbietern nahm es bekanntlich kein gutes Ende, und auch viele ihrer Kunden mussten am Ende leiden. Droht jetzt eine ähnliche Entwicklung bei Banken? Schließlich sind auch Institute wie die Commerzbank Chart zeigen, die Sparkasse 1822direkt, die ING-DiBa und die Consorsbank mit Prämien auf Kundenfang.

Wohl nicht. Aber genau wie beim Strom gilt: Prämien sind kein Grund für einen Kontowechsel, bestenfalls ein Anlass.

Gründe für den Wechsel des Girokontos gibt es vor allem zwei:

  • Meine alte Bank hat mich nachhaltig verärgert durch schlechten Service oder schlechte Beratung.
  • Oder das bisherige Girokonto ist zu teuer: Meine Bank nimmt unverfroren hohe Gebühren und verlangt obendrein mehr als zehn Prozent Zinsen, wenn ich in den Dispo rutsche.

Gebühren und hohe Dispozinsen sind genau die beiden Wege, wie Banken beim Girokonto Geld verdienen.

Die Gebühren fürs Girokonto läppern sich schnell. Eine monatliche Grundgebühr von 7,50 Euro addiert sich zu 90 Euro im Jahr, dazu 20 Euro für die Kreditkarte, 10 Euro für die Partnerkarte und gepfefferte Gebühren für das Abheben im Ausland. Deutlich mehr als hundert Euro Gebühren sind normal für viele Kunden von Filialbanken.

Prämien sollten nicht den Ausschlag geben

Und dann ist da noch der Dispozins. Wenn Kunden nicht aufpassen und regelmäßig ihr Konto überziehen, freut sich die Bank und kassiert. Es gibt Filialbanken, die nehmen niedrige fünf oder sieben Prozent, die PSD-Bank Berlin-Brandenburg zum Beispiel 6,4 Prozent. Manch andere Genossenschaftsbank langt aber richtig zu: Die Stiftung Warentest fand bei ihrem aktuellen, bundesweiten Test nur Volks- und Raiffeisenbanken unter den Instituten, die mehr als 13 Prozent Dispozinsen nehmen - ein knappes Dutzend waren es.

Also doch wechseln: Denn man findet sie, die Onlinebanken, deren Konten dauerhaft kostenlos sind und die praktisch keine Gebühren verlangen. Kunden haben aber auch die Möglichkeit, bei der eigenen Bank von einem teuren Kontomodell zu einem preiswerten Modell zu wechseln und so 100 Euro im Jahr zu sparen.

Wenn es dann auch noch eine Prämie gibt, ist das fein. Nur sollte diese am Ende nicht den Ausschlag geben. Warum, das lässt sich exemplarisch am Angebot der Postbank zeigen.

Bis zu 250 Euro Prämie bekommen neue Kunden dort: 50 Euro Prämie für die Kontoeröffnung, weitere 50 Euro, wenn man ein Gehaltskonto daraus macht. 50 Euro, wenn man Lastschriften und Überweisungen mit dem Konto erledigt, mindestens sechs im Monat. Und nochmal 50 Euro, wenn man zwölf Monate dabei bleibt. Das alles allerdings immer nur in Form von Amazon-Gutscheinen. Bargeldprämien zahlt die Postbank nur, wenn Sie einen anderen Kunden empfehlen und der solch ein Postbank-Konto abschließt.

Was spricht gegen Amazon-Prämien?

Lesen Sie das Kleingedruckte. Dann sehen Sie, dass viele Argumente gegen ein solches Angebot sprechen:

  • Heben Sie im Ausland mit dem Kontomodell und der EC-Karte (Girocard) der Postbank Bargeld ab, berechnet die Bank jedes Mal mindestens 5,99 Euro, ab 600 Euro immer ein Prozent der Abhebesumme.

  • Die Kreditkarte kostet im zweiten Jahr 22 Euro, für den Dispo zahlen Sie von Anfang an knapp elf Prozent Zinsen. Überziehen Sie gar den Dispo, werden daraus sogar fast 15 Prozent.

  • Reichen Sie eine Überweisung in Papierform ein, kostet das 99 Cent.

  • Und für jeden Einkauf in einer anderen Währung fallen 1,85 Prozent Gebühren an. Macht bei der Hotelrechnung für 1000 Euro noch mal 18,50 Euro.

Wie lange reichen also die 250 Euro Prämie, selbst wenn Sie nie im Dispo sind? 12 Monate? 18 Monate? 24 Monate?

Und dann müsste man eigentlich schon wieder das Konto wechseln? Doch regelmäßige Kontowechsel sieht zum Beispiel die Schufa offenbar nicht so gern. Auch die Einrichtung von einem Dutzend Konten, um überall Prämien mitzunehmen, erhöht aus Sicht solcher Auskunfteien nicht die Vertrauenswürdigkeit und Bonität der Kunden.

Fazit: Kontowechsel sind ein probates Mittel gegen zu hohe Kosten der Banken. Prämien nehme ich auch persönlich gerne mit. Aber zuerst lese ich das Kleingedruckte.

Eines muss man der Postbank Chart zeigen allerdings zugute halten. In dem fast 50-seitigen Preis-Leistungs-Verzeichnis, das unter der Rubrik Downloads auch auf der Werbeseite im Netz zu finden ist, sind alle Gebühren minutiös aufgelistet. Für den Dispozins muss man nicht einmal diese Seiten lesen, wählen Sie dort den Reiter Konditionen. Das ist anders als im Wilden Westen der Stromkonzerne.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



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Seite 1
fleischwurstfachvorleger 22.08.2015
1. Wenn
Kunden sich Gewinn-maximierend verhalten und alle Prämien abgreifen, verhalten sie sich eigentlich, wie Banken und Sparkassen mit ihren Kunden. Warum soll das der Bonität der Kunden schaden, die sich daraus einen Sport machen?
Jo aus Pö 22.08.2015
2. Schweinchenbanken
Ja, die gibt es leider auch, sie bombardieren regelmäßig mit bundesweiten Infopostsendungen viele Haushalte. Um nur mal eine zu nennen: Santander Consumer Bank. Ich wurde da (längst gekündigt und gewechselt) vor paar Jahren leider auch Zwangskunde, weil sie die schwedische SEB kaufte. Zielgruppe ist, wie sich bei 5 Minuten langem Beobachten der Kundschaft in einer Filiale zeigt, eindeutig die einkommensschwache Bevölkerungsschicht. Schwerpunkt ist wohl Abschluss von Kreditverträgen zu absurd hohen Zinsen (einkalkuliertes Ausfallrisiko?) plus weiteren hohen Kosten wie Restschuldversicherung, Bearbeitungsgebühr etc., und das selbst bei guter Bonität. Auch nicht zu empfehlen scheint die Volksbankengruppe, die wohl bei Kreditwunsch gern die überteuerten Angebote von Easycredit verkauft, und das sogar an Leute, bei denen Überschuldung und Privatinsolvenzgefahr erkennbar ist. Mit wohl jeder Bank kann der Kunde ohne Schufa-Negativeinträge sicherlich kostenlose Kontoführung und faire Überziehungs- und Kreditzinsen aushandeln. Wer sich über die genannten 22 Euro Kreditkarten-Jahresgebühr aufregt, sollte sie gar nicht erst beantragen.
endew 22.08.2015
3.
Ein Kontoauszug meiner Frau konnte aus unbekannten Gründen angeblich nicht zugestellt werden und ging zurück. Woraufhin die Postbank ohne jegliche Information das Konto sperrte. Natürlich mit den daraus wachsenden Folgen von zurückgewiesenen Buchungen. Der Kommentar der "Telefonseelsorge": wir machen das so, damit sie sich melden! Ach ja, alle Einzahlungen auf das Konto wurden natürlich nicht zurückgewiesen! Ein Schelm, wer böses dabei denkt!
dodgerone 22.08.2015
4.
Tja, bei den Angeboten kann man durchaus mal die Konten testen. Das passt natürlich der Schufa garnicht ins Bild. Da gilt man nur als "guter Kunde", wenn man schön brav bei der Dorfsparkassen bleibt und sich nach Strich und Faden verarschen lässt. Mal ehrlich, wir leben im 21.Jh.. Es gibt sicherlich bessere KK als die der Hausbank, und warum soll ich mich davon abhalten lassen, mir das beste Angebot rauszusuchen. Übrigens: ich bin nach 10 Jahren von der Sparda-Bank weg, weil meine (jetzige) Frau damals als Ausländerin in Ausbildung kein Konto bekam. So ist es halt heute... es gibt genug Alternativen.
bescheuert 22.08.2015
5. Tenhagen ist ein Meister
darin mit vielen Worten nix zu sagen. Der Artikel beschreibt was jedermann schon vorher wissen konnte. Vergleichen vergleichen vergleichen! Warum allerdings ein öfterer Kontowechsel mir schaden könnte - ist mir schleierhaft. Mit keinem Wort erwähnt er allerdings das die Banken ihre Dispozinsen verschleiern. Was intressiert mich was die Schufa gerne sieht? Typisch Tenhagen
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