Beitragserhöhungen So drücken Sie die Kosten für die private Krankenpolice

Mehrere private Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge, mitunter drastisch. Viele Versicherte können aber trotzdem Hunderte Euro sparen. Dafür müssen sie nur drei Dinge beachten.

Eine Kolumne von

So will es das Gesetz: Senioren können nicht in die gesetzliche Kasse zurück
DPA

So will es das Gesetz: Senioren können nicht in die gesetzliche Kasse zurück


Peca ist empört. Um 51 Prozent sollen seine Krankenversicherungsbeiträge bei der Axa 2016 steigen, von heute auf morgen. Peca, der unter diesem Namen auf Twitter postet, ist nicht der einige, der sich abgezockt fühlt. In den vergangenen Wochen erreichten mich mehrere Nachrichten über solch deutliche Preiserhöhungen: im Schnitt um 30 Prozent, alle in einem Tarif der Axa. Auch andere Anbieter heben derzeit die Beiträge an, zum Beispiel die Allianz und Hanse Merkur.

Privatversicherte sind das gewohnt. Alle paar Jahre steigen ihre Beiträge deutlich. Kunden, die älter als 60 sind, zahlen oft mehr als 1000 Euro im Monat. Das Problem: In diesem Alter können Versicherte aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr wechseln - und aus rechtlichen Gründen nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenkasse. In der Jugend günstig privat versichert sein und im Alter, wenn es dort teurer wird, zurück in die gesetzliche Krankenkasse - das hat der Gesetzgeber im Prinzip verboten.

Weil die älteren teureren Kunden nicht mehr aus der privaten Versicherung fliehen können, müssen alle Versicherten mehr zahlen. Die Axa-Pressestelle räumt die 50-Prozent-Erhöhung ein, verweist aber darauf, dass ihre Kunden immer älter würden und nicht mehr wie früher beim Kassenwechsel ihr Erspartes (die sogenannten Alterungsrückstellungen) zurückließen. Und in Zeiten niedriger Zinsen müssten die Kunden dann eben mehr zahlen, damit später genug im Topf ist. Bezogen auf alle 791.000 Vollversicherten der Axa liege die durchschnittliche Erhöhung bei lediglich 4,9 Prozent.

Pecas Erhöhung ist mehr als zehn Mal so groß. Und doch kann er sich wehren - und bei seinem Versicherer den Tarif wechseln. Denn häufig bieten die Anbieter ihren Kunden mehrere gleichartige Tarife an, sodass häufig der Wechsel in einen günstigeren möglich ist. Nachhaken lohnt sich.

Nicht alle Kassen haben sich selbst verpflichtet

Der Gesetzgeber hat vorgeschrieben, dass die Versicherer ihren Kunden über 55 Jahren zwingend mitteilen müssen, welche passenden Alternativtarife sie im Angebot haben. Etliche Versicherer gehen einen Schritt weiter: Sie versprechen nicht nur den Hinweis auf die preiswerteren Tarife, sondern auch eine entsprechende Beratung. Eine Selbstverpflichtung zur Beratung für einen "transparenten und kundenorientierten Tarifwechsel" hat ein großer Teil der Branche unterschrieben.

Ein großer Teil der Branche, aber eben nicht alle. Auf der Liste der Versicherer fehlt die Arag, es fehlen die Central und die Continentale, um nur einige zu nennen. Beim Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV) heißt es, inzwischen seien 85 Prozent des Marktes dabei. So habe auch die Central zugesagt, die auf der Selbstverpflichtungswebsite noch nicht genannt wird.

Die Selbstverpflichtung ist ein richtiger Schritt. Denn natürlich weiß der Versicherer am besten, welchen günstigen passenden Tarif er für den Kunden hätte. Die Selbstverpflichtung ist aber auch mit einem Dilemma verbunden: Der Versicherer müsste dem Kunden im Grunde anbieten, die gleiche Leistung für deutlich weniger Geld zu erbringen. Und das ist für die Unternehmen nicht attraktiv - es macht erst einmal Arbeit und bringt dann auch noch weniger Geld ein. Und im alten Tarif vergrößern sich auch noch die Probleme.

Ein attraktives Geschäftsfeld für Berater

Ein Geschäft ist der Tarifwechsel sicher für manche Berater, die ihren Kunden erst vorrechnen können, dass ein anderer Tarif beim gleichen Anbieter günstiger ist - und dann für den Tarifwechsel Erfolgshonorare kassieren. Viele dieser Makler vermitteln inzwischen keine Neuverträge mehr, sondern haben die Tarifoptimierung als attraktives Geschäftsfeld entdeckt.

Genau darin liegt auch ein Problem: Denn wer Erfolgsprämien für Einsparungen kassiert, verliert das Interesse der Kunden aus dem Blick. Hohe Einsparung bedeutet auch mehr Geld für den Vermittler. Und so werden Kunden überredet, auf eigentlich notwendige Leistungen zu verzichten oder hohe Selbstbeteiligungen zu vereinbaren. Der Vermittler verdient, der Kunde aber leidet, oftmals erst nach Jahren, wenn die Lücken offenbar werden.

Peca sollte deswegen drei Dinge tun:

  • Die Axa anschreiben und um die Nennung und Analyse passender günstigerer Tarife bitten. Auch das Verlangen nach einer Garantie, dass der Beitrag vorläufig nicht weiter steigt, ist nicht abwegig: Manche Kassen sprechen derzeit Beitragsgarantien aus.
  • Genau prüfen, welche Leistungen sein alter Tarif enthält und auf welche Leistung er im Zweifel zu verzichten bereit wäre.
  • Das Ergebnis seiner Analyse und Vorüberlegungen noch mit einem neutralen Berater abklären.

Das ist eine ganze Menge Arbeit; und billig ist der Berater dann auch nicht. Aber bei Einsparungen von 100 bis 200 Euro im Monat winken über die Jahre Ersparnisse im fünfstelligen Bereich - und: Die Chance steigt, die private Krankenversicherung auch im Alter noch bezahlen zu können.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
Haftpflicht, Rente, Zahnersatz

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tommit 28.11.2015
1. Ich würde es nicht sparen nennen
eher kontrollierte Flucht... Und wenn es dann mal schiefgeht, dann zahlt man in 5 Minuten was sonst in den Jahren erspart wurde... Wir müssen die Logik ändern, nicht die Fluchtgeschwindigkeit steigern.... ich sehe den Tag noch kommen wenn es einen Zahlstreik gibt.. in D. Dann ist Panik.
Spiegelleserin57 28.11.2015
2. was man unbedingt wissen sollte...
wer in ein Krakenhaus kommt; das Krankenhaus schließt keinen Vertrag mit der Kasse sondern mit dem Patienten. Wenn die Kasse nicht zalht muss der Paitent die Kosten alleine tragen. Das kann teuer werden!
tatsache2011 28.11.2015
3. Tolles PKV-System
Eine schamlose Begründung für Beitragserhöhung ist, "dass ihre Kunden immer älter würden und nicht mehr wie früher beim Kassenwechsel ihr Erspartes (die sogenannten Alterungsrückstellungen) zurückließen." Klar, der Versicherte wird jedes Jahr um genau 1 Jahr älter. Die Versicherten haben bisher die "gute" PKV fluchtartig verlassen und ihr Erspartes (Rückstellungen) der PKV geschenkt.
der_seher59 28.11.2015
4. die PKV stellt Anforderungen
an den Geldbeutel und den Verstand. Gerade Letzteres wird hier mal sträflich vernachlässigt. Wer rechnen kann, geht in die PKV
michibln 28.11.2015
5. Man sollte auch genau durchrechnen...
...ob nicht evtl ein höherer Selbstbehalt sinnvoll ist. Ich habe jedenfalls so eine ganze Menge Geld einsparen können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.