Steigende Beiträge Privatversichert? Was Sie jetzt tun sollten

Wer privat krankenversichert ist, muss sich auf immer höhere Kosten einstellen. Aber es gibt eine Möglichkeit, wie Sie da wieder rauskommen.

Pillen und Geld: Es geht um viel
DPA

Pillen und Geld: Es geht um viel

Eine Kolumne von


Knapp neun Millionen Menschen in Deutschland sind privat krankenversichert. Sie bekommen häufig gute Leistungen, aber zunehmend nur noch zu Preisen, die sie kaum zahlen können. Und es wird nicht einfacher.

Um ihr Geschäftsmodell der privaten Vollversicherung am Leben zu halten, müssen die Versicherer nämlich gleich an drei Fronten kämpfen:

  • Erstens lassen sich immer weniger Leute privat krankenversichern. Das liegt zum einen daran, dass die Einkommen der Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren kaum gestiegen sind. Ein hohes Einkommen ist bei Angestellten aber Voraussetzung, überhaupt in die private Krankenversicherung wechseln zu dürfen. Zudem lassen sich viele Selbstständige wieder anstellen und müssen oder dürfen - je nach Sicht der Dinge - als Angestellte wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurück. Seit 2012 schrumpft deshalb die Zahl der privat Vollversicherten.
  • Zweitens werden die Menschen, die in der privaten Krankenversicherung bleiben, immer älter - und kosten entsprechend mehr Geld. Früher wechselte ein größerer Teil der Versicherten zurück in die gesetzlichen Kassen, bevor es im Alter zu teuer wurde - für sie und die Versicherung. Sie ließen ihre Alterungsrückstellungen zurück: Milliarden von Euro blieben im Versicherungstopf und kamen den verbleibenden Privatpatienten zugute. Doch seit gut 15 Jahren ist dieser Rückweg für alle über 55 Jahre per Gesetz praktisch verschlossen. Entsprechend ist der Trend zur Alterung der Versicherten unverkennbar. Das Durchschnittsalter bei der DKV, einer der größten privaten Krankenversicherungen, ist zum Beispiel in den vergangenen fünf Jahren um fast vier Jahre auf 48,6 Jahre gestiegen.
  • Und drittens müssen die Versicherer (auch unter staatlichem Druck) große Rücklagen bilden, damit der Beitrag im Alter für ihre verbliebenen Kunden nicht gänzlich unbezahlbar wird. Inzwischen haben sie mehr als 180 Milliarden Euro angesammelt, allein für die Krankenversicherung. Pflege kommt noch mal oben drauf. Schon seit Beginn der Niedrigzinsphase rentieren sich diese Rücklagen nicht mehr so wie früher. Die Ankündigung einer langen Niedrigzinsphase durch EZB-Chef Mario Draghi in dieser Woche verspricht weiteres Unbill für die privaten Krankenversicherer. Wenn 180 Milliarden Euro Rücklagen weniger Rendite einbringen, müssen also für die Zukunft noch mehr Rücklagen her.

Wenn die private Versicherung von drei Seiten bedroht wird, was heißt das für die Kunden?

Das konnte man vergangene Woche ganz konkret beobachten: Die DKV musste die Beiträge für Hunderttausende Kunden um durchschnittlich acht Prozent anheben. Bei einigen Versicherten fiel der Aufschlag weit höher aus. Um allzu drastische Beitragssprünge zu vermeiden, hat die DKV die Erhöhungen für Arbeitnehmer ohne Risikozuschläge auf maximal 129,90 Euro im Monat beschränkt - also auf gut 1500 Euro im Jahr.

Dabei hat die DKV nach eigenen Angaben zusätzlich noch fast 440 Millionen Euro an Reserven eingesetzt, um die Beiträge nicht noch stärker erhöhen zu müssen. Wer sehr wohlhabend ist oder Beamter, den schrecken solche Erhöhungen vielleicht nicht. Vielen privat Versicherten werden sich aber angesichts der Aussichten gerade die Nackenhaare sträuben.

Doch sie können etwas tun:

  • Sind die Versicherten noch jünger als 55 Jahre, können sie zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Dazu müssen sie wieder pflichtversichert werden. Das heißt, Ihr Einkommen muss auf unter 56.200 Euro pro Jahr fallen und sie müssen angestellt oder arbeitslos sein. Rund 150.000 Privatversicherte wählten seit 2013 Jahr für Jahr diesen Weg.
  • Oder die Privatpatienten wechseln den Tarif bei ihrer Krankenversicherung. Das ist für Versicherte über 55 die beste Option. Die Krankenversicherer müssen nach Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) über solche Wechselmöglichkeiten informieren. Und die DKV hat bei ihrer Erhöhung nicht nur die Wechselmöglichkeiten beschrieben, sondern gleich noch den Gesetzestext und eine Handlungsanweisung mitgeschickt.
  • Im schlimmsten Fall gibt es immer noch die Notlagentarife. Diese hat die Branche für Kunden gebaut, die sich ihre Beiträge partout nicht mehr leisten können.

Wer nicht wechseln kann, muss auf die Politik hoffen

Die meisten Kunden in Not sind übrigens ehemalige Angestellte oder Selbstständige, pensionierte Beamte finden sich dagegen unter den Notfällen nur selten, wie aus dem ausführlichen Zahlenwerk des Verbands hervorgeht.

Wenn Sie jetzt absehen können, dass Sie die Beiträge künftig nicht bezahlen wollen und vielleicht auch nicht mehr können, dann nutzen Sie die Gelegenheit für den Rückweg in die gesetzliche Kasse oder den Weg in einen günstigeren Tarif. So lassen sich die 1000 oder 1500 Euro im Jahr oft wieder einsparen.

Gelingt Ihnen weder das eine noch das andere, dann bleibt Ihnen nur, auf die Politik zu hoffen. Die könnte das einzigartige deutsche Experiment mit den zwei parallelen Systemen der Krankenversicherung beenden. Diskussionen gab es schon im Wahlkampf 2013 und bei den anschließenden Koalitionsverhandlungen. Vor der Bundestagswahl 2017 kommt das Thema bestimmt wieder hoch.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 231 Beiträge
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Seite 1
peeka(neu) 12.03.2016
1. Meine
Privatkrankenkasse (HanseMerkur) ist weiterhin bei 650€ SB im Jahr deutlich günstiger als die gesetzliche Freiwilligenversicherung es wäre. Was mich dagegen interessieren würde, wäre eine Einschätzung von Herrn Tenhagen oder anderen zu der Möglichkeit, sich eine europäische Krankenversicherung zu suchen. Ansonsten bleibt vielleicht irgendwann die Alternative, ein Gewerbe in einen EU-Billigland anzumelden, um die dortige KV zu nutzen.
muttisbester 12.03.2016
2. unsolidarisch!
ich bin entschieden gegen ein Rückkehrrecht zur gesetzlichen KV. Wer Arbeitslos wird, sollte einfach den Beitrag zahlen müssen, der auch in der gesetzlichen KV gezahlt werden müsste. Dann würden die Privaten KV schnell pleite gehen, und das Problem hätte sich von selbst erledigt. Auch die Sache mit den Beamten sollte dringend abgeschafft werden. Die Privaten KVs sind einfach unsolidarisch. Ein Anachronismus. Ob gierige junge Singles aber wirklich in Zukunft der PKV fernbleiben werden, wage ich zu bezweifeln.
Augustusrex 12.03.2016
3. völlig asozial
Die private KV ist völlig asozial. Wenn man jung ist und gesund in die PKV gehen und sich bewusst aus dem Sozialsystem ausklinken und wenn man älter wird und die Beiträge steigen wieder unter den Schirm der GKV schlüpfen und dann auf die Solidarität der anderen Versicherten pochen ist widerlich in höchstem Maße.
denkdochmalmit 12.03.2016
4. Keine Ahnung??
Zitat:" Wer sehr wohlhabend ist oder Beamter, den schrecken solche Erhöhungen vielleicht nicht." Einen Beamten mit A8 schrecken 1500€ Mehrbelastung im Jahr natürlich nicht! Tenhagen hat mal wieder keine Ahnung ! Und wenn jedes Jahr 150.000 Versicherte die PKV verlassen, hinterlassen sie den Versicherungen doch ihre Rückstellungen, oder irre ich mich da? Mein Monatsbeitrag bei der DKV wurde übrigens soeben um 10€ gesenkt.
rainerdavidw.früh 12.03.2016
5. Keine Verteuerung durch Tarifwechsel?
Tarifwechsel als probates Mittel für Beitragsstabilität anzupreisen, ist schon etwas grenzwertig (wenn es denn überhaupt geht!), Herr Tenhagen! Für denjenigen, der medizinische Hilfe in Anspruch nehmen muss, und das wird fast jeder früher oder später, bedeutet dies meist massive Abstriche in den Leistungen, höhere Zuzahlungen bei medizinischen Leistungen und/oder wesentliche Erhöhungen des jährlichen Selbstbehaltes. Und das ist was, Herr Tenhagen? Richtig eine Kosten- bzw. Beitragserhöhung! Heißt nur anders! Ich nehme an, allfälligen Erhöhungen der Lebensmittelpreise begegnen Sie auch mit dem superschlauen Tipp: Einfach weniger essen, das gleicht es in der Haushaltskasse wieder aus!
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