Psycho? Logisch! So bringen Sie Faulpelze auf Trab

Wie führe ich meinen Chef und meine Kollegen? Wie werde ich bei der Arbeit glücklich? Wir alle ticken nach festen Regeln - die wir zu unseren Gunsten nutzen können. Die Bestsellerautoren Volker Kitz und Manuel Tusch verraten die besten Tricks.

dapd


Manche Kollegen betreiben schon recht früh Altersvorsorge - ab Anfang 30 fahren sie ihre Leistung kontinuierlich zurück, damit sie im Ruhestand nicht in ein großes Loch fallen. Die Arbeit, die die Kollegen liegenlassen, bleibt dann an anderen hängen. Zum Beispiel an Ihnen. Und je mehr Sie sich darüber aufregen, je mehr Leistung Sie von den anderen einfordern - desto mehr ziehen sich die anderen zurück. Chefs kennen das besonders gut.

Aber warum ist das eigentlich so? Warum sind die Kollegen umso fauler, je mehr man sie ermahnt? Diesen "Bumerang-Effekt" können wir erklären, wenn wir uns an unsere Kindheit erinnern. Was war denn da Ihre Lieblingsbeschäftigung? Das, was Ihre Mutter ständig von Ihnen verlangte? Zimmer aufräumen, Spinat runterwürgen, Hausaufgaben machen? Oder doch eher die Sachen, die sie Ihnen verboten hatte: den Soft-Porno im Fernsehen, im neuen Auto in der Garage "Raumschiff" spielen, mit den älteren Freunden rauchen und trinken?

Richtig. Das Verbotene. Aber warum sind eigentlich gerade die verbotenen Früchte so reizvoll?

In der Psychologie spricht man von Reaktanz: Sie ist die Folge von Druck, ein Auflehnen gegen Einschränkungen - wenn uns jemand etwas wegnehmen will, uns etwas verbietet oder etwas von uns verlangt. Wir führen dann die verbotenen Handlungen weiterhin oder sogar erst recht aus und unterlassen die erwünschten. So möchten wir unsere Freiheit zurückerobern.

Die Reaktanz-Theorie wurde in vielen Experimenten belegt. So bewerten zum Beispiel Probanden einen unterbrochenen Film besser, wenn er angeblich nicht mehr fortgesetzt werden kann, als wenn sie ihn nach einer Unterbrechung zu Ende schauen dürfen.

Kommen Ihre Wünsche also wie ein Bumerang zu Ihnen zurück, dann wechseln Sie doch mal die Strategie und arbeiten mit einer "paradoxen Intervention". Signalisieren Sie zum Beispiel dem faulen Kollegen oder Mitarbeiter: "Lass mal gut sein, ich brauche dich gar nicht. Vielleicht ist das bei der neuen Kollegin viel besser aufgehoben. Surf' du lieber weiterhin im Internet …". Oder bestehen Sie darauf, dass Sie selbst auf weiter Flur sowieso der einzig kompetente Mensch sind, der die Aufgabe bewältigen kann. Ihre Kollegen werden sich dadurch gewaltig in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und Ihnen vor lauter Reaktanz plötzlich die tollsten Arbeitsergebnisse unter die Nase halten.

Und umgekehrt: Sie würden gern das neue Projekt leiten, doch der Chef ziert sich noch, es Ihnen anzuvertrauen? Dann machen Sie deutlich "Sooo wichtig ist mir das gar nicht. Belästigen Sie mich bitte nicht mit zusätzlicher Arbeit. Ich mache lieber pünktlich Feierabend."

Den Reaktanz-Effekt können Sie auch im Privaten nutzen. Wenn Ihnen Ihre Kinder mal wieder auf der Nase herumtanzen, wenn Ihr Partner lieber faul auf der Couch dümpeln will, statt mit Ihnen auf die Piste zu gehen: Erobern Sie sich Ihre Freiheit zurück, indem Sie die anderen vermeintlich in deren Freiheit einschränken. "Verbieten" Sie Ihren Kindern, die Spülmaschine auszuräumen. Oder "drängen" Sie Ihren Partner dazu, auf keinen Fall die Couch zu verlassen.



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Änni2608 29.01.2012
1. Naja
Ich bin zwar kein Psychologe, aber es erscheint mir nicht als die beste Lösung, meinem Chef zu signalisieren, dass ich an meiner Arbeit kein besonderes Interesse habe (vor allem nicht, wenn ich es doch eigentlich habe), und auch kann ich mir nicht vorstellen, dass mein Kind plötzlich besonderes Interesse daran zeigen wird, die Spülmaschine auszuräumen, weil ich es ihm verboten habe. Bei mir würde das jedenfalls nicht funktionieren; ich wäre dankbar und würde denken, dass mit meinen Eltern etwas nicht stimmt, dass sie mir etwas verbieten, was ich offensichtlich sowieso nicht machen will. Und als Chef würde ich mich wohl nach Ersatz für meinen desinteressierten Mitarbeiter umsehen. Aber ich bin auch kein Psychologe ;)
Antiautor 29.01.2012
2. Kommt davon
Sehr interessanter Artikel. Das bedeutet, dass die Faulpelze am Arbeitsplatz Opfer ihrer Erziehung sind, dass elterlicher Druck auf das Kind kontraproduktiv ist. Mein Reden seit ewig Zeiten.
espritdelescalier 29.01.2012
3. Mit Vorsicht geniessen !!
Zitat von Änni2608Ich bin zwar kein Psychologe, aber es erscheint mir nicht als die beste Lösung, meinem Chef zu signalisieren, dass ich an meiner Arbeit kein besonderes Interesse habe (vor allem nicht, wenn ich es doch eigentlich habe), und auch kann ich mir nicht vorstellen, dass mein Kind plötzlich besonderes Interesse daran zeigen wird, die Spülmaschine auszuräumen, weil ich es ihm verboten habe. Bei mir würde das jedenfalls nicht funktionieren; ich wäre dankbar und würde denken, dass mit meinen Eltern etwas nicht stimmt, dass sie mir etwas verbieten, was ich offensichtlich sowieso nicht machen will. Und als Chef würde ich mich wohl nach Ersatz für meinen desinteressierten Mitarbeiter umsehen. Aber ich bin auch kein Psychologe ;)
Das Beispiel mit dem Chef ist wirklich realitaetsfremd und ich wuerde keinem raten, dies bedenkenlos zu versuchen. Umgekehrt kann man als Vorgesetzter die letzte Motivation eines Mitarbeiters zerstoeren, wenn man seine Arbeit als unwichtig abtut. Der Ton mit dem die im Artikel gegebenen Ratschlaege gegeben werden vermittelt den Eindruck, als waeren sie allgemeingueltig. Ausnahmsweise koennten sie fruchten. Aber bitte die notwendigen Voraussetzungen genau pruefen, sonst geht dieser Schuss nach hinten los !!
wwwwebman 29.01.2012
4. förderung, aber auch BESTRAFUNG!
faulpelze (und hier meine ich die, die auf kosten anderer eine ruhige kugel schieben) bekommt man am besten mit STRAFEN auf den rechten weg zurück! dieses ganze psycho-gequatsche! jeder hat bestmögliche arbeit für seine bezahlung abzuliefern - funktioniert das nicht, gibt es die folgenden eskalationsstufen (aus denen man jederzeit durch gute leistungen aussteigen kann): 1. persönliches gespräch mit deutlicher ansage, was vom mitarbeiter erwartet wird 2. abmahnung 3. "kaltstellung" 4. entlassung oder freiwillige kündigung das ist gerecht und wird auch von den motivierten mitarbeitern erwartet - funktioniert bei mir seit über 20 jahren...
HabeFertig 29.01.2012
5. Tipp:Lernen...
Zitat von wwwwebmanfaulpelze (und hier meine ich die, die auf kosten anderer eine ruhige kugel schieben) bekommt man am besten mit STRAFEN auf den rechten weg zurück! dieses ganze psycho-gequatsche! jeder hat bestmögliche arbeit für seine bezahlung abzuliefern - funktioniert das nicht, gibt es die folgenden eskalationsstufen (aus denen man jederzeit durch gute leistungen aussteigen kann): 1. persönliches gespräch mit deutlicher ansage, was vom mitarbeiter erwartet wird 2. abmahnung 3. "kaltstellung" 4. entlassung oder freiwillige kündigung das ist gerecht und wird auch von den motivierten mitarbeitern erwartet - funktioniert bei mir seit über 20 jahren...
Solche antiquierten Ansichten sind leider immer noch nicht ausgerottet und richten ungemein viel Schaden an. So lassen sich vielleicht ungelernete Hilfskraefte (Sklaven?) managen; qualifizierte Fachkraeft lassen sich so nicht motivieren und sind bei der erstbesten Gelegenheit bei der Konkurrenz unter Vertrag. Lesen Sie doch zur Abwechslung mal ein Buch...z.B "Drive" von Daniel Pink oder "Good Business"von Mihaly Csikszentmihalyi.
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