Psycho? Logisch! Wie beeinflusse ich, was andere von mir denken?

Wie manipuliere ich meinen Chef und meine Kollegen? Wie werde ich bei der Arbeit glücklich? Wir alle ticken nach festen Regeln - die wir zu unseren Gunsten nutzen können. Die Bestsellerautoren Volker Kitz und Manuel Tusch verraten die besten Tricks.

Frei nach Schema: Beim Apfel rufen wir einfach das Schema "Apfel essen" ab und wissen genau, was wir zu tun haben.
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Frei nach Schema: Beim Apfel rufen wir einfach das Schema "Apfel essen" ab und wissen genau, was wir zu tun haben.


Ein Horrortermin lauert in Ihren Kalender: mit der launischen Kollegin, dem schwierigen Kunden oder dem sperrigen Chef. Ein paar Mal konnten Sie den Termin schieben, aber jetzt sind Sie fällig. Ach, könnten Sie doch nur die Launen der anderen beeinflussen!

Sie können es. Mit der psychologischen Technik Priming steuern Sie gezielt, was andere von Ihnen denken. Priming aktiviert im Kopf Ihres Gegenübers ein bestimmtes Schema. Ein Schema können wir am besten mit der sprichwörtlichen Schublade beschreiben, in die wir Dinge stecken. Wir greifen auf ein generelles Wissen über eine Situation zurück und finden uns damit schnell zurecht, ohne die Situation jedes Mal wieder neu lernen zu müssen.

Haben wir zum Beispiel einen Apfel auf dem Teller, dann ist es ja nicht völlig selbst erklärend, wie wir damit umgehen sollen. Denken Sie nur daran, wie ratlos Sie schauen können, wenn Ihnen jemand eine exotische Frucht zeigt: Kann man die essen? Wie kann man sie essen? Beim Apfel hingegen rufen wir einfach das Schema "Apfel essen" ab und wissen genau, was wir zu tun haben.

Nun ist unser Kopf voller unterschiedlicher Schemata, und unsere Einstellung gegenüber anderen Menschen hängt davon ab, welches Schema gerade aktiv ist. Da unser Gehirn faul ist, benutzt es immer das Schema, das am leichtesten zugänglich ist - weil es noch vor kurzem aktiv war. Deshalb vermuten wir nach einem Fernsehkrimi, dass sich hinter jedem Knarren ein Einbrecher verbirgt, und wir schließen beim Stöhnen der Nachbarin auf sexuelle Aktivität, wenn wir uns selbst gerade mit Sex beschäftigt haben. Dabei könnte es ja auch ihre Arthrose sein.

Schwärmen Sie wie zufällig von einer ganz anderen Person

Beim Priming nutzen sie diese Gewohnheit für sich. Sie aktivieren bei Ihrem Gegenüber ein bestimmtes Schema, indem Sie ihm entsprechende Begriffe unterjubeln. Im klassischen Experiment hierzu legt man Probanden die Beschreibung einer Person namens Donald vor. Diese Beschreibung enthält vage Aussagen wie zum Beispiel: "Jemand klopfte, aber Donald ließ ihn nicht herein." Vorher sagt man den Probanden, sie sollten sich bestimmte Worte einprägen, weil es sich auch noch um einen Merktest handle. Der einen Gruppe zeigt man dabei Worte wie "unternehmungslustig, selbstbewusst", der anderen Worte wie "eingebildet, unnahbar". Hinterher sollen alle Probanden Donald negativ oder positiv beurteilen. Obwohl beide Gruppen denselben Text über Donald gelesen haben, beurteilt ihn die Gruppe, die sich zuvor positive Begriffe gemerkt hatte, auch positiv - und die andere negativ.

Soll Ihre Chefin Sie also bei einem wichtigen Gespräch möglichst positiv beurteilen, dann betreiben Sie am Anfang mit ihr etwas Smalltalk. Schwärmen Sie wie zufällig von einer ganz anderen Person und primen Sie Ihre Chefin auf diese Weise mit möglichst vielen positiven Begriffen wie "kompetent, fleißig, freundlich, erfolgreich". Sie wird diese Eigenschaften dann automatisch auf Sie projizieren.

Ähnlich knacken Sie einen hartnäckigen Geschäftspartner vor einer schwierigen Verhandlung. Sie verhalten sich kooperativer, wenn sie vorher mit Worten wie "rücksichtsvoll" oder "fair" geprimt wurden.

Wollen Sie den boshaften Kollegen zugänglicher machen, dann können Sie ihn bitten, einen Briefentwurf für Sie Korrektur zu lesen. Den Brief haben Sie frei erfunden und Begriffe wie "angenehm, unterhaltsam, interessant, höflich" eingebaut.

Und wenn nach Feierabend zu Hause dicke Luft ist, dann hellen Sie mit diesen Tricks doch einfach auch dort die Stimmung ein wenig auf.

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insgesamt 3 Beiträge
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Cotti 03.12.2011
1. ...oder man muss eben lügen und intrigieren
Zitat von sysopWie manipuliere ich meinen Chef und meine Kollegen? Wie werde ich bei der Arbeit glücklich? Wir alle ticken nach festen Regeln - die wir zu unseren Gunsten nutzen können. Die Bestsellerautoren Volker Kitz und Manuel Tusch verraten die besten Tricks. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,794429,00.html
Versuch´s mal mit mehr Ehrlichkeit, mit Freundlichkeit und Offenheit und wirf die ganzen Lügen über Bord. Wenn du dazu verlässlich bist, zu anderen nie hässlich bist, dann mag man dich, egal an welchem Ort...
Robin-Hood 03.12.2011
2. Wo niemand ist, kann auch niemand etwas beeinflussen!
Warum das so ist - siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=lvWFuDZANfY&feature=player_embedded
realburb 03.12.2011
3. So nennt man das
Ich bin der Meinung, es gibt in unserer Umgebung viele Leute, die solche und andere Dinge ganz unterbewusst anwenden. Diese Leute nennt man gemeinhin charmant. Das ist wohl etwas, was man lernen kann, oder als Kind schon ohne es zu wissen gelernt hat.
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