Prognose Reallöhne sinken erstmals seit Krisenjahr 2009

Die Einkommen steigen, aber nicht so sehr wie die Preise: Erstmals seit vier Jahren müssen Arbeitnehmer für 2013 mit einem Reallohnverlust rechnen. Ein Grund für das Minus sind mickrige Prämien und Boni.

Mitarbeiter bei der Nordic Werft: Mageres Jahr für Arbeitnehmer
DPA

Mitarbeiter bei der Nordic Werft: Mageres Jahr für Arbeitnehmer


Berlin - Wer jetzt noch Geschenke für Weihnachten besorgen will, sollte sich dies womöglich überlegen. Denn die Reallöhne von Arbeitnehmern in Deutschland sinken. Allein im dritten Quartal gingen sie so stark zurück wie seit gut vier Jahren nicht mehr. Nach Abzug der Inflation hatten die Beschäftigten 0,3 Prozent weniger in der Tasche als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.

Zwar stiegen die Bruttomonatsverdienste inklusive Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer um 1,3 Prozent. Die Verbraucherpreise legten aber mit 1,6 Prozent stärker zu und zehrten die Lohnzuwächse wieder auf.

Damit zeichnet sich auch für das Gesamtjahr erstmals seit dem Krisenjahr 2009 "ein geringer Reallohnverlust ab". Die Löhne stiegen in den ersten drei Quartalen um 1,4 Prozent, die Verbraucherpreise dagegen um 1,6 Prozent. 2012 hatte es noch ein reales Plus von 0,5 Prozent gegeben, 2011 von 1,2 Prozent und 2010 von 1,5 Prozent.

Knickerige Dienstleistungsbranche - spendable Industrie

Den vergleichsweise mageren Lohnzuwachs erklären die Statistiker mit deutlich geringeren Einmalzahlungen im Dienstleistungssektor - "vor allem im Bereich der Banken und Versicherungen sowie in der öffentlichen Verwaltung". Dadurch legten die Bruttomonatsverdienste der dort Beschäftigten im Schnitt nur um 0,7 Prozent zu. Besser sieht es in der Industrie aus: Die Beschäftigten des produzierenden Gewerbes erhielten 2,3 Prozent mehr, wodurch sie auch real mehr bekamen und ihre Kaufkraft steigerten.

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente in Deutschland im dritten Quartal ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3462 Euro brutto im Monat. Das meiste Geld erhielten Vollzeitbeschäftigte bei Banken und Versicherungen (4576 Euro), in der Energieversorgung (4510 Euro) sowie im Bereich Information und Kommunikation (4501 Euro). Am wenigsten bekamen die Beschäftigten im Gastgewerbe mit 2012 Euro.

Entwicklung der Nominallöhne (in %)

Gliederungsart Veränderung
2007-2012
Veränderung ggü
dem Vorjahresquartal
1. Quartal 2013


2. Quartal


3. Quartal
Insgesamt 12,2 1,4 1,5 1,3
Nach Beschäftigungsart
Vollzeitbeschäftigte 11,9 1,2 1,2 1,2
Teilzeitbeschäftigte 13,7 2,6 2,6 1,9
Geringfügig Beschäftige 8,3 5,1 5,7 6,5
Nach Geschlecht
Frauen 12,8 2,3 2,4 1,7
Männer 11,9 1,0 0,9 1,1
Nach Leistungsgruppen*
Arbeitnehmer in leitender Stellung 15,5 1,5 2,8 2,2
Herausgehobene Fachkräfte 12,8 1,5 1,2 0,5
Fachkräfte 10,9 0,9 0,7 1,0
Angelernte Arbeitnehmer 10,0 1,7 0,9 1,7
Ungelernte Arbeitnehmer 9,8 3,0 2,4 3,5
Nachrichtlich
Verbraucherpreisindex 8,3 1,5 1,5 1,6

*Ohne geringfügig Beschäftigte.
Quelle: Statistisches Bundesamt

yes/Reuters



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insgesamt 296 Beiträge
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Seite 1
mundusvultdecipi 19.12.2013
1. So,so..
Zitat von sysopDPADie Einkommen steigen, aber nicht so sehr wie die Preise: Erstmals seit vier Jahren müssen Arbeitnehmer für 2013 mit einem Reallohnverlust rechnen. Ein Grund für das Minus sind mickrige Prämien und Boni. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/realloehne-sinken-erstmals-seit-krisenjahr-2009-a-939989.html
..die Verbraucherpreise stiegen nur um 1,6%?Ist ja klar,die Flachbild TV Geräte sind ja auch um 40%billiger geworden.Das verhagelt jede Statistik.Was stört das den ALGII Empfänger,dass die Kartoffeln 40% teurer geworden sind....;-)
_stordyr_ 19.12.2013
2.
hat jemand im billiglohnland Deutschland was anderes erwartet? Ausbeutung ftw. Deutschland wird langsam aber sicher zum China Europas... Leute ausbeuten und unter kontrolle halten, zensur, exportieren um jeden Preis....
rainer_humbug 19.12.2013
3. Tatsache: Reale Reallöhne sinken kontinuierlich seit 1999...
Zitat von sysopDPADie Einkommen steigen, aber nicht so sehr wie die Preise: Erstmals seit vier Jahren müssen Arbeitnehmer für 2013 mit einem Reallohnverlust rechnen. Ein Grund für das Minus sind mickrige Prämien und Boni. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/realloehne-sinken-erstmals-seit-krisenjahr-2009-a-939989.html
...dank der schleichenden Erhöhung sämtlicher Miet- und Nebenkosten, teuerung der Preise und Wertverfall des Euros. So zumindest meine Einschätzung als nicht-Experte und betroffener...
schroettel 19.12.2013
4. Der Bericht ist falsch.
Wie jeder weiß, geht es Deutschland gut.
muellerthomas 19.12.2013
5.
Zitat von mundusvultdecipi..die Verbraucherpreise stiegen nur um 1,6%?Ist ja klar,die Flachbild TV Geräte sind ja auch um 40%billiger geworden.Das verhagelt jede Statistik.Was stört das den ALGII Empfänger,dass die Kartoffeln 40% teurer geworden sind....;-)
Meine Güte, auch die Lebensmittelpreise sind im Durchschnitt nicht um 40% gestiegen, sondern um 4% und auch ein Hartz IV-Haushalt gibt nicht sein gesamtes Geld für Lebensmittel aus.
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