Säumige Beitragszahler Regierung will Wucher der Krankenkassen stoppen

Säumige Beitragszahler der Krankenkassen können auf Hilfe aus der Politik hoffen. Laut einem Zeitungsbericht sollen die bisher üblichen Wucherzinsen von bis zu 60 Prozent deutlich gekürzt werden. Für Privatversicherte ist sogar ein neuer, billiger Notlagentarif geplant.

Krankenversicherungskarten: Viele Menschen können ihre Beiträge nicht mehr zahlen
DPA

Krankenversicherungskarten: Viele Menschen können ihre Beiträge nicht mehr zahlen


Hamburg - Wer seine Krankenkassenbeiträge nicht zahlen kann, hat schnell ein großes Problem. Weil die Kassen von säumigen Versicherten Zinsen von bis zu 60 Prozent im Jahr verlangen, türmen sich schnell gewaltige Schuldenberge auf. Damit soll bald Schluss sein. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) den Zinswucher per Gesetz beenden. Das gehe aus einem Entwurf des Ministeriums hervor, der derzeit in den Ressorts abgestimmt werde und noch vor der Wahl im September verabschiedet werden solle.

Der schnelle Anstieg der Verbindlichkeiten soll demnach in der gesetzlichen Versicherung dadurch verhindert werden, dass der monatliche Säumniszuschlag von fünf auf ein Prozent gesenkt wird. Für Privatversicherte soll zudem ein neuer Notlagentarif eingeführt werden, der nach Branchenschätzungen nicht mehr als hundert Euro im Monat kosten soll.

Vertreter von gesetzlichen und privaten Krankenkassen begrüßten das Vorhaben. Sie profitieren bisher nur bedingt von den hohen Zinsen, weil die Schulden häufig nicht zurückgezahlt werden können. Selbst mit Pfändungen kommen die Kassen kaum an das ausstehende Geld heran. Einfach kündigen können sie ihren Kunden nicht, weil für die laut Gesetz eine Versicherungspflicht besteht. Diese war 2007 für die gesetzliche und 2009 für die private Krankenversicherung eingeführt worden, um zu verhindern, dass viele Menschen ohne Versicherungsschutz dastehen.

Mittlerweile zeigt sich der Nachteil der Pflicht: So laufen seit Jahren riesige Schulden auf. Allein bei den gesetzlichen Krankenkassen stünden Beiträge in Höhe von 4,5 Milliarden Euro aus, berichtet die "FAZ". Die privaten Krankenversicherer sprechen von 150.000 Kunden, die ihren Beitrag nicht zahlen.

Bei den Betroffenen handelt es ich oft um junge Selbständige, die ein eigenes Geschäft gegründet und sich dabei finanziell übernommen haben. Das geplante Gesetz soll es ihnen nun einfacher machen, ihre Krankenversicherungsschulden im Rahmen zu halten. Für Privatversicherte ist dazu laut Bericht ein Notlagentarif geplant, der nur eine Basisbehandlung umfasst. Dabei gehe es im Kern um die Behandlung von akuten Erkrankungen, Schmerzzuständen, chronischen Erkrankungen und Schwangerschaften. Eine Altersrückstellung werde nicht aufgebaut. Sobald ein Versicherter seine Schulden zurückgezahlt hat, solle er wieder in seinen alten Tarif wechseln können.

stk/dpa-AFX

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 123 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vogtnuernberg 04.03.2013
1. Junge Selbstständige sind kein Problem...
Junge Selbstständige sind kein Problem... Wenn die schlau wären und das Geschäft schlecht läuft, wird das Geschäft einfach im Nebenerwerb betrieben und man sucht sich einen 400-Euro-Job, schon ist man zurück in der GKV. Oder man überträgt den Betrieb auf den Partner und lässt sich anstellen. Schon tritt die Versicherungspflicht wieder ein. Übrigens: Private Versicherungen für junge Selbsständige sind billiger als die GKV, die auf virtuelle 1900 x Euro Gewinn Beiträge verlangt, während Angestellte nur auf ihre realen 1200 Euro brutto Beiträge zahlen. Hier müsste man etwas ändern, das würde junge Selbstständige auch in der GKV halten. Doch das ist natürlich kein Thema.
backfee 04.03.2013
2. Abzocke...
Die Krankenkassen versuchen doch ebenfalls nur abzuzocken... Will man in den ermäßigten Tarif wechseln, weil kaum Geld reinkommt wird rumdiskutiert und zeit geschunden. Nur um an Ende horrende Beitragsforderungen zuzüglich Zinsen und Gebühren pfänden zu lassen. Da hilf dir niemand und meistens Kassen es die Kassen darauf ankommen, der kleine "Mann" hat oft nicht die kraft und vor allem das Geld um dagegen vorzugehen Macht endlich mal was dagegen...
uezegei 04.03.2013
3. optional
Aha, die FDP-Klientel bekommt wieder Zucker in den Spalt zwischen den beiden Pobacken geblasen.
friedenspfeife 04.03.2013
4. Verstehe ich irgendwie nicht.
Zitat von sysopDPASäumige Beitragszahler der Krankenkassen können auf Hilfe aus der Politik hoffen. Laut einem Zeitungsbericht sollen die bisher üblichen Wucherzinsen von bis zu 60 Prozent deutlich gekürzt werden. Für Privatversicherte ist sogar ein neuer, billiger Notlagentarif geplant. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/regierung-will-wucherzinsen-der-krankenkassen-kappen-a-886647.html
"Die Vertreter der gesetz........begruessten....". Sind die denn bisher vom Gesetzgeber zu 5 % Zinsen gezwungen worden?? Haetten die nicht vielleicht mal selbst die von ihnen geforderten Zinsen ein bisschen runtersetzen koennen? Oder hatten die davor Angst, dass ihnen doch ein Haufen Kohle durch die Lappen geht? Fragen ueber Fragen.
daldner 04.03.2013
5. wenn man als
Privatmann irgendwoher Geld zu kriegen hat, muß man sogar das Porto selber zahlen. Aber institutionelle Gläubiger dürfen einem Fell über die Ohren ziehen? Mit welcher Begründung verlangen die 60 Prozent Zinsen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.