Rekord-Benzinpreise: Kartellamt wirft Konzernen Sprit-Abzocke vor

Die Benzinpreise klettern von Rekord zu Rekord, Millionen Autofahrer ächzen unter der Belastung. Ungewohnt deutlich attackiert nun das Bundeskartellamt die Öl-Multis: "Die fünf großen Konzerne machen sich gegenseitig kaum Wettbewerb."

Tankstelle: Die hohen Preise werden an die Verbraucher weitergegeben Zur Großansicht
dapd

Tankstelle: Die hohen Preise werden an die Verbraucher weitergegeben

Düsseldorf - Das Bundeskartellamt macht Front gegen die großen Ölkonzerne. Sie würden ihre Marktmacht ausnutzen und die Spritpreise künstlich hochtreiben, wirft Behördenchef Andreas Mundt den Unternehmen vor.

"Der Markt wird von fünf großen Mineralölkonzernen gemeinsam beherrscht, die sich gegenseitig wenig Wettbewerb machen", sagte Mundt der "Rheinischen Post". "In diesem Oligopol sind die Konzerne in der Lage, Preissteigerungen im Großhandel an die Benzin-Verbraucher weiterzugeben." Das Kartellamt könne verbotene Preisabsprachen zwar nicht nachweisen. Die Konzerne seien aber allein durch ihre "Reaktionsverbundenheit" in der Lage, den Preiswettbewerb auszuschalten.

Dieser Vorwurf ist zwar nicht neu, aber ungewöhnlich scharf formuliert. Grund für die harte Gangart der Kartellwächter dürften die derzeit extrem hohen Spritpreise sein. Nach Angaben des ADAC sind sie in dieser Woche noch einmal kräftig gestiegen. Im Vergleich zur Vorwoche kostete ein Liter Diesel am Mittwoch rund zwei Cent mehr, für Super E10 mussten die Autofahrer sogar 3,5 Cent mehr bezahlen.

Günstiger Euro, teures Benzin

Ein Ende der Entwicklung ist kaum abzusehen. Für den Donnerstagmorgen meldete das Vergleichsportal benzinpreis.de anhaltend hohe Preise von 1,62 Euro für SuperE10 und 1,51 Euro für Diesel.

Hintergrund ist neben dem zuletzt stark gestiegenen Ölpreis vor allem der schwache Euro Chart zeigen. Weil Öl vorwiegend in Dollar gehandelt wird, verteuert ein niedriger Euro-Kurs die Importe nach Europa. Die Ölkonzerne, so der Vorwurf des Kartellamts, geben diese steigenden Kosten einfach an die Verbraucher weiter.

ADAC-Präsident Peter Meyer hatte die Politik bereits am Mittwoch zum Handeln aufgefordert. Damit Mobilität auch in Zukunft für Millionen von Menschen bezahlbar bleibe, solle unter anderem die im Jahr 2004 erfolgte Kürzung der Pendlerpauschale rückgängig gemacht werden.

Die Bundesregierung macht den Autofahrern jedoch wenig Hoffnung: Eine Überprüfung der Pendlerpauschale sei "im Augenblick bei uns nicht angedacht", sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Steuerentlastung werde ohnehin unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel gewährt.

stk/dpa-AFX/Reuters

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1. Von...
fatherted98 23.02.2012
...dem albernen blabla des Bundeskartellamtes wird der Sprit auch nicht billiger...wie wärs mal mit einer entsprechenden Gesetzesangleichung bezogen genau auf die Abzockpraxis der großen Ölkonzerne?...aber das sitzen unsere Damen und Herren als politische Leistungsträger ja alle im Vorstand...geht also nicht...bleibt also nur ein hohles blablabla....und wir zahlen weiter oder gehen zu Fuss...na wenn das der Wirtschaft dann weiterhilft.
2. Was ein Schmarrn
kanadasirup 23.02.2012
Nein, was für eine Erleuchtung hat das Kartellamt da kommuniziert. Kein Wettbewerb auf dem Mineralölmarkt! Wo soll der auch herkommen? Das Öl kommt aus immer denselben 10 Quellen und denselben 4 Raffinerien. Hauptsache man hat das Schlagwort "Wettbewerb" in den Raum geworfen. Wie wär's mal mit einer Senkung der Steuern auf Sprit?
3. Dollar / Euro
mw33 23.02.2012
Ich beobachte das schon eine ganze Weile und die Argumente verstehe ich einfach nicht. Zitat: "Hintergrund ist neben dem zuletzt stark gestiegenen Ölpreis vor allem der schwache Euro Chart zeigen. Weil Öl vorwiegend in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein niedriger Euro-Kurs die Importe nach Europa. Die Ölkonzerne, so der Vorwurf des Kartellamts, geben diese steigenden Kosten einfach an die Verbraucher weiter." Nunja, aber wenn der Euro steigt und der Dollar damit billiger wird, sinken dann die Benzinpreise? Hab ich noch nie gesehen. Die Korrelation zwischen Euro/Dollar-Verhältnis und dem Benzinpreis würde mich mal interessiere, so in einem Diagramm über 5 Jahre. Gibts das irgendwo?
4. Konzerne
pepito_sbazzeguti 23.02.2012
"Die fünf großen Konzerne machen sich gegenseitig kaum Wettbewerb." Na, da wäre jetzt wirklich niemand darauf gekommen. Ein Konzern erhöht die Preise, die anderen ziehen nach. Dazu muss man nicht einmal eine Absprache haben.
5. Normal
Andreas J. 23.02.2012
Es heißt in Ihrem Artikel: ---Zitat--- Die Ölkonzerne, so der Vorwurf des Kartellamts, geben diese steigenden Kosten einfach an die Verbraucher weiter. ---Zitatende--- Ich frage mich nun, ist dies verboten? Müssen die Konzerne weniger verdienen, wenn der Einkaufspreis steigt? Das wäre ja was ganz neues. Wenn der Einkaufspreis steigt, steigt normalerweise auch der Verkaufspreis, es sei denn, der Markt gäbe so etwas nicht her. Da aber die Nachfrage ungebrochen hoch ist, sehe ich diesen Vorgang als normal an.
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Brent, WTI, Bonny Light - Die Ölsorten und ihr Preis
Qualität
Die Erdölindustrie klassifiziert ihr Rohöl nach drei Kriterien: Herkunft, Dichte (Gewicht im Verhältnis zu Wasser) und Schwefelgehalt. Rohöl mit einer hohen Dichte wird entsprechend als "schwer" ("heavy"), mit einer geringeren Dichte als leicht ("light") bezeichnet. Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt gilt als "sauer", ein geringer Schwefelgehalt macht das Öl "süß". Je schwerer und saurer das Rohöl ist, desto aufwendiger ist seine Verarbeitung zum Beispiel zu Benzin oder Kerosin. Leichtes und schwefelarmes Rohöl ist gefragter und damit teurer als schweres.
Sorten
Weltweit gibt es mehrere Dutzend Rohölsorten aus unterschiedlichen Regionen, die unterschiedlich in ihrer Qualität sind. Die Herkunft reicht von Algerien bis Venezuela. Wichtigste Sorten sind die amerikanische Marke West Texas Intermediate (WTI) und das aus 15 Nordseeölfeldern stammende Brent. Hinzu kommen die Rohölsorten aus den Erdöl exportierenden Ländern (Opec), zum Beispiel die Sorte "Arab Light" aus Saudi-Arabien und "Bonny Light" aus Nigeria.
Preise
An den Terminbörsen werden mehrere sogenannte Referenzöle gehandelt mit einem standardisierten Leitwert. Abhängig von ihrer Qualität werden die übrigen Sorten mit einer Prämie oder einem Abschlag zur Leitsorte gehandelt.

Referenzsorte ist die vor allem in Amerika gehandelte Marke WTI und das aus der Nordsee stammende und in London gehandelte Brent. WTI ist leichter und schwefelärmer als Brent und somit meist einige Dollar teurer pro Barrel. Die Produktion beider Sorten geht seit einiger Zeit zurück, dennoch sind sie nach wie vor die beiden wichtigsten Referenzöle.

Hinzu kommt etwa der von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) veröffentlichte Korbpreis für Rohöl. Er wird auf Grundlage der elf von seinen Kartellmitgliedern produzierten Sorten berechnet. Opec-Öl ist meist schwerer und saurer als WTI und Brent und damit billiger.

Preisanstiege und -abschläge verlaufen also meist für alle Sorten parallel. Jedoch schwanken die Preise jeder Sorte, wenn sie mehr oder weniger nachgefragt oder gefördert werden.

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