Lebensarbeitszeit Schuften fürs System

Wie bleiben die Renten sicher? Die Versicherungswirtschaft hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Ein Ergebnis: Wenn alle länger arbeiten, stabilisieren sie das System.

Behörde: Mit 76 noch bei der Arbeit
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Behörde: Mit 76 noch bei der Arbeit


Rentenmäßig beginnt in absehbarer Zeit die "heiße Phase", wie das Prognos-Institut in seiner aktuellen Rentenstudie schreibt. Zwischen 2025 und 2035 nämlich gehen die "Babyboomer" in Rente - die demografisch größte Alterskohorte der aktuell Erwerbstätigen. Dank steigender Lebenserwartung werden sie ihre Rente deutlich länger genießen können als die Ruheständler bisher.

Was das für die Altersbezüge bedeutet, für den Arbeitsmarkt, für den Staatshaushalt und für die Finanzierung der Rentenkasse, das hat Prognos im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) untersucht.

Die Kurzstudie vergleicht drei unterschiedliche Szenarien zum Umgang mit Lebenserwartung, Lebensarbeitszeit und Renteneintrittsalter und wie sich das bis 2040 auf das System auswirkt. Dann dürfte auch der heute 44 Jahre alte Durchschnittsdeutsche in Rente sein. Die drei Szenarien sind simpel, sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch das Renteneintrittsalter.

Basisszenario

Im Basisszenario (auf das sich alle anderen Überlegungen beziehen) wird die aktuelle Entwicklung fortgeschrieben: Das durchschnittliche Renteneintrittsalter steigt von heute 64,2 auf 65 Jahre.

Früher in Rente

In diesem Szenario setzt sich der Trend zur "Rente mit 63" durch, das Durchschnittsalter beim Eintritt in den Ruhestand bleibt auf dem aktuellen Stand von rund 64 Jahren.

Arbeiten bis 67

In diesem Fall steigt das gesetzliche Renteneintrittsalter bis 2029 auf 67. Eine weitere Variante ist das Szenario "Lebensarbeitszeit plus", bei dem künftig die Regelaltersgrenze an die steigende Lebenserwartung gekoppelt wird.

Die Erkenntnis der Studie: Wenn alle länger arbeiten, profitiert der Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft, die Rentenkasse füllt sich, der Bund muss entsprechend weniger zuschießen und die Renten der Versicherten steigen, weil sie durch die längere Lebensarbeitszeit entsprechend höhere Ansprüche erwerben. Arbeiten alle kürzer, ist das Gegenteil der Fall.

Allerdings sind die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Modellen eher gering. Konkret: Im Szenario "Früher in Rente" steigt der Rentenbeitrag bis 2040 um 0,2 Prozentpunkte, während die Durchschnittsrente um rund 220 Euro im Jahr oder 18 Euro im Monat sinkt.

Wird dagegen generell bis zum Alter von 67 Jahren weitergearbeitet, kann der Beitragssatz bis 2040 um 0,3 Prozentpunkte sinken, während die Renten (netto vor Steuern) um 0,4 Prozentpunkte steigen könnten. In heutigen Preisen hätte ein durchschnittlicher Rentner dann gut 200 Euro pro Jahr mehr - ein Plus von gut einem Prozent im Vergleich zum Basisszenario.

Auch das hat allerdings einen Nachteil: Stehen mehr Arbeitskräfte zur Verfügung, sinken die Löhne.

nck

insgesamt 119 Beiträge
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dererzer 13.06.2016
1. fragwürdiges und unvollständiges Zahlenspiel zu Lasten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Diese Zahlenspiele sind ja allesamt ganz nett und niedlich, jedoch in der Praxis vollkommener Schwachsinn. NIEMAND kann mir ernsthaft erzählen, dass ein 67-Jähriger (außer in absoluten Ausnahmefällen) noch als vollwertige Arbeitskraft zählt. Handwerker - mit 67 den ganzen Tag auf den Knien rumrutschen? Glaube ich nicht! Bürokräfte - mit 67 noch die Vorgänge in immer komplizierteren Verwaltungsvorgängen und -systemen? Wer's glaubt wird selig! Im Alter lässt die Leistungsfähigkeit einfach nach, das ist nicht diskriminierend gemeint, sondern ein Fakt. Viele alte Kollegen werden schon heute nur noch "durchgeschleift" und "Geduldet, der geht ja eh bald in Rente". Eine Reform des Verwaltungsapparates unseres Rentensystems und Straffung der Vorgänge in den Ämtern zur Kostensenkung ist die einzig logische Lösung, nicht die "betriebsbedingte Frühverrentung", die ganz einfach eine Rentenkürzung darstellt sobald jemand naturgemäß nicht mehr voll arbeitsfähig ist!
ex-optimist 13.06.2016
2. Besserer Ansatz als Lohndumping
Alle Einkommen werden zur Finanzierung der Renten herangezogen. Nicht nur die aus unselbständigen Beschäftigungsverhältnissen.
Reziprozität 13.06.2016
3. Binse
Und dazu musste die "Versicherungswirtschaft" extra eine Studie in Auftrag geben? Es wäre so einfach: Abschaffen aller Beitragsbemessungsgrenzen (damit Vielverdiener stärker belastet werden) und Deckelung der gesetzlichen Altersrente nach unten wie oben (analog der AHV in der Schweiz), der untere Rentendeckel sollte auf Höhe der Grundsicherung stehen, damit umgeht man gleichzeitig das Auftreten massenhafter Altersarmut.
ArnoNyhm1984 13.06.2016
4. naja..
Da fehlen noch ein paar wichtige Randdaten: a) bei "echten" Inflationsraten von 3 bis 4% pro Jahr halbiert sich die Kaufkraft innerhalb von 24 bis 18 Jahren -da sind 0.4% Rentenanstieg ein Witz b) wir können das Rentenalter auch auf 99 Jahre hochsetzen. Oder auf 999 Jahre? Effekt ist derselbe: Die einen können nicht mehr und die anderen, die können, dürfen nicht mehr, weil sie keiner einstellt
schwarzwald67 13.06.2016
5. Neuer Vorschlag
Wie wäre es mit einer schrittweisen Anhebung des Arbeitgeberbeitrags zur Rentenversicherung bis die Renten den Stand Ende der 80er Jahre erreicht haben?
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