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Geldanlage: Das Ende der Rentenfonds

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Wohin mit dem Geld in Niedrigzinszeiten? Klassische Rentenfonds sind eine denkbar schlechte Idee. Dann doch lieber Festgeld - das kostet nichts.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.

Als ich mich als junger Journalist 1991 erstmals intensiver mit dem Geldanlegen beschäftigte, lehrten mich meine wohlmeinenden älteren Kollegen eine Grundweisheit: "Du musst beim Sparen verschiedene Geldanlagen mischen, Junge. Und wenn du es dir einfach machen willst, kaufst du einen internationalen Aktienfonds und einen deutschen Rentenfonds."

"Der Aktienfonds sorgt dafür, dass du eine ordentliche Rendite machen kannst und der Rentenfonds sorgt dafür, dass du keine großen Verluste machst", so erklärten es mir die Kollegen. "Und weil Fonds selber schon eine Mischung sind, stehst du mit Fonds besser da als mit einem Sparkonto und mit Einzelaktien."

Doch inzwischen stehen die sicheren Rentenfonds, die heute Eurorentenfonds sind, infrage. Aber eins nach dem anderen.

Denn das war nur die Theorie. In der Praxis meiner Anlage - und meiner Arbeit - habe ich lernen müssen, dass ich bei dieser Art von Geldanlage nicht immer auf meine Rendite gekommen bin, die Banken und Fondsgesellschaften aber schon. Die Bank bekommt beim Kauf von mir eine Provision, die heißt bei Fonds Ausgabeaufschlag. Außerdem bekommt sie von den Fonds regelmäßig eine Bestandsprovision zugesteckt, zumindest solange ich mein Geld in dem Fonds behalte.

Die Fondsmanager bekommen für ihre Arbeit eine regelmäßige Managementgebühr, mancher lässt sich zusätzlich Erfolgsprämien auszahlen. Verluste kommen für meine Finanzdienstleister nicht infrage, die sind mir vorbehalten.

Seit ich das begriffen habe, ist die Frage nach den Kosten jeder Geldanlage für mich die wichtigste geworden. Denn auf den Kosten bleibe ich in jedem Fall sitzen. Ob Rentenversicherung, Bausparvertrag oder Fonds, mein erster Blick gilt seither den Kosten.

Doch in diesen Tagen wird auch die Theorie auf die Probe gestellt. Erstmals steht ein Grundpfeiler meiner Anlagelogik infrage: Klassische Eurorentenfonds sind aktuell keine gute Idee mehr. Kein Wunder: Wenn selbst die italienische Regierung nur noch 1,5 Prozent Zinsen zahlt, wenn sie sich für zehn Jahre Geld leiht, dann kann auch die Rendite eines Eurorentenfonds nicht sonderlich hoch sein. Zumal viele Rentenfondsmanager von den 1,5 Prozent ja auch noch 0,5 bis 1 Prozent Managementgebühr kassieren.

Nur sah das bis vor Kurzem noch ganz anders aus: Wieso konnten denn Besitzer solcher Rentenfonds sich im vergangenen Jahr über teilweise zweistellige Renditen freuen?

Das hat mit einem Paradoxon zu tun. Wenn Sie einen Schuldschein eines europäischen Landes besitzen, der Ihnen fünf Prozent Zinsen verspricht, sorgt der für fünf Prozent Rendite. Wenn die Zinsen des europäischen Landes auf drei Prozent für zehn Jahre sinken, beneiden Sie andere Anleger um diesen Schuldschein, der noch fünf Prozent bezahlt, und sind bereit, ihnen den Schein teuer abzukaufen.

Fondsmanager bekämen an der Börse vielleicht 110 Euro für den Schuldschein, auf dem doch nur 100 Euro draufstehen. Dieser höhere Wert spiegelt sich in einer Wertsteigerung der Fondsanteile. Wenn der Anleger dann den Fonds verkauft, ist seine Rendite zeitweilig deutlich höher als fünf Prozent.

Seit 2011 sind die Zinsen in Europa deutlich und regelmäßig gefallen. Viele Fondsmanager haben profitiert, die alten Schuldscheine mit hohen Zinsen lassen den Wert der Fondsanteile steigen. Anleger konnten schöne Renditen einstreichen.

Sind die Zinsen einmal nahe Null angekommen, wie im Augenblick, funktioniert diese Logik, diese zweite Erlösquelle, aber nicht mehr. Fonds können aktuell also

1) nur Eurostaatsanleihen kaufen, die sehr wenig Zinsen bringen,

2) und auch nicht mehr an der Börse Schuldscheine mit höheren Prozenten verkaufen, weil die Zinsen kaum weiter sinken können.

Das heißt, ihr Wert kann an der Börse nur noch schwerlich steigen. Meine Kollegen bei "Finanztip" haben die aktuelle Situation analysiert, Szenarien durchgespielt und dabei festgestellt, dass - unabhängig davon, ob die Zinsen in den nächsten Jahren steigen oder fallen - Sie mit den Rentenfonds langfristig nur geringe Renditen erzielen können.

Sollten die Euroländer in naher Zukunft wieder mehr für ihre Schulden zahlen, kann es sogar noch schlimmer kommen. Dann sind nämlich die Schuldscheine mit den aktuell niedrigen Zinsen unattraktiv, viele Fondsmanager wollen sie loswerden. Keiner will sie haben, außer mit einem Preisabschlag. Der Fondsmanager bekommt an der Börse vielleicht nur noch 90 Euro statt der 100 Euro, die auf dem Schuldschein draufstehen. Der Fonds macht zeitweilig Verluste.

Klassische Eurorentenfonds sind also derzeit keine gute Anlage zur Absicherung des Depots mehr. Was tun?

Aktuell ist es besser, den sicheren Teil seiner Anlagen tatsächlich in Festgeld bei einer Bank mit ordentlichen Angeboten anzulegen. Auch wenn die Zinsen dort unter zwei Prozent liegen. Die Kosten solcher Festgelder sind ohnehin niedrig. Der Kauf des Festgeldpapiers kostet nichts, die Verwaltung kostet nichts und das Konto auch nichts. Den anderen Teil des Ersparten, den mit dem Risiko, haben kluge Anleger ohnehin schon in einem ordentlichen Aktienindexfonds angelegt.

Oder, wenn das Ersparte groß genug war, haben Sie günstig ein Häuschen gekauft, auf dessen Terrasse Sie sehnsüchtig den Frühling erwarten.

Zusammengefasst: Klassische Eurorentenfonds sind derzeit keine gute Anlage zur Absicherung des Depots mehr. Besser: ein ordentlicher Aktienindexfonds und Festgeld.

Das SPIEGEL-ONLINE-Wirtschaftsressort testet für eine Woche den "Zusammengefasst"-Absatz. Kritik, Feedback, Anregungen? Bitte hier.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 110 Beiträge
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1. Da kommt noch was
exilator_ 31.01.2015
denn genau so sieht es ja auch bei den Versicherern aus, denn die sind per Gesetz dazu gezwungen 60% ihrer Anlagen in Staatsanleihen anzulegen. Die Politik der EZB ist einzig darauf ausgerichtet den Banken eine Umstrukturierung zu ermöglichen um wieder grosse Renditen einzufahren. Dass deswegen die Menschen enteignet werden juckt den Goldman Sucks Stall wenig. Und wo bleibt eigentlich die Politik bei dem ganzen? Wie lange werden denn die Menschen, die sind ja das Volk, da noch tatenlos zusehen? exilator
2. Bestand
Neumann_Alfred 31.01.2015
Heute geht es doch um den Bestand. Und da sind Aktien sicher nicht das Mittel der Wahl.
3.
AlexZatelli 31.01.2015
Schüchtern fragen, ob der norwegische Staatsfonds das Geld annehmen will. Dort betragen die Verwaltungkosten etwa eineZwanzigstel eines dessen, was die Finanzindustrie für gewöhnlich abschöpft. Und vermutlich ist die Performance auch noch besser.
4. Na klar.
dschungelmann 31.01.2015
Jetzt gerade , wo wir mal wieder an der Spitze angekommen sind , sollen solche Artikel dem Opa oder unbedarftem Sparer die letzten Kroeten in die manipulierten Maerkte locken. Immer das gleiche Spiel. Hier heisst das Motto : Den letzten beissen die Hunde. Das die Schweiz gerade durch Staatsanleihen kurz vor dem Bankrott steht wird nirgends erwaehnt. JA, Leute die tolle , sichere Schweiz. Nachzulesen auf Godmodetrader
5. Wer schlau ist
powerranger 31.01.2015
legt 100 bis 200 EUR monatlich in guten soliden Aktienfonds an (Blue chips). Gibt's unterdessen auch ohne Ausgabeaufschlag. Das dann dann bitte 20 Jahre durchhalten. Klappt zu 95 %. Glaubt zwar keiner, ist aber so.
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