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Altersvorsorge: Wenn Versicherungsvertreter Klartext sprächen

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Lassen Sie die Finger von einer neuen Lebensversicherung! Ein Satz, den Sie von Ihrem Versicherungsvertreter noch nicht gehört haben? Macht nichts: Wir sagen Ihnen, was Sie für Ihre Altersvorsorge wissen sollten.

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Lebensversicherer: Potenzielle Neukunden bloß nicht abschrecken

"Es ist eine einzige Katastrophe", pflegte Werner, mein Englischlehrer, zu sagen, wenn er die Klassenarbeit zurückgab und das Ergebnis so gar nicht befriedigend war.

So ähnlich muss das Gefühl der deutschen Versicherungsbranche angesichts aktueller Zahlen sein. Um für das Alter zu sparen, lohnt sich der Abschluss einer neuen, nicht geförderten Lebens- oder Rentenversicherung nicht mehr. Und die Branche, die in den vergangenen Jahren feierlich mehr Ehrlichkeit und Transparenz versprochen hat (Pdf), müsste genau dies ihren potenziellen Kunden auch erzählen.

Wer einen neuen Vertrag abschließt und 25 Jahre einzahlt, bekommt derzeit im Schnitt 1,25 Prozent Rendite garantiert. Doch wenn man die Kosten für Abschluss, Verwaltung und Todesfallschutz abzieht, bleiben am Ende durchschnittlich nur rund 0,4 Prozent Rendite übrig, haben Branchenkenner außerhalb der Unternehmen gerade ausgerechnet (Pdf).

Dazu könnte sich die Versicherungsbranche ganz offen äußern. Und das könnte sie zu ihrer Verteidigung vorbringen.

  • "Manche der Verträge haben so hohe Kosten, dass wir Lebensversicherer auch nach 25 Jahren noch keinen Cent Rendite garantierten können. Uns würde ein neuer Vertrag mit 100 Euro monatlicher Einzahlung vielleicht 1200 Euro Provision einbringen. Aber wir haben gelernt: Für Sie lieber Kunde wäre das keine gute Idee. Das sagen wir auch ganz offen."

  • "Wir Lebensversicherer sollen das Geld der Kunden vorsichtig anlegen. Die vorsichtige Anlage bringt aber kaum noch Zinsen. Deshalb bringt die vorsichtige Anlage für die Kunden auch kaum noch Rendite. Überschüsse jenseits der vertraglichen Zusagen lassen sich noch schwerer erwirtschaften. Wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kaum noch Zinsen für Staatsanleihen zahlt, erzielen wir Versicherer als Gläubiger kaum noch Erträge."
  • "In der Vergangenheit haben wir Versicherer einer Kundengeneration Renditen von sieben Prozent auf den Sparanteil prognostiziert und bis zu vier Prozent fest zugesagt. Diese Zusage zu machen, war ein Fehler. Die vier Prozent vertraglicher Zusage von damals sind deutlich mehr als die meisten von uns Versicherern heute erwirtschaften können. Für diese Kundengeneration müssen wir jetzt Erträge umschichten. Es bleibt auch deshalb jenseits der mickrigen Garantien immer weniger Überschuss für neue Kunden übrig."

Eigentlich müssten die von den Versicherern "Berater" getauften Außendienstler ihren Kunden also jetzt sagen: Lasst das mit dem Sparen in eine neue Rentenversicherung!

Was könnten die Versicherer stattdessen empfehlen?

  • Zum Beispiel: "Wir haben ein gutes Produkt für die Absicherung von Familie und Geschäftspartnern, das heißt Risikolebensversicherung. Sie kostet viel weniger, für wenige hundert Euro im Jahr gibt es im Falle Ihres Todes Hunderttausende Euro als Absicherung für die Familie. Wenn Sie überleben, ist das Geld aber futsch. Gespart wird da nichts."

  • Oder: "Wir haben eine geförderte Altersvorsorge mit Riester-Verträgen im Angebot. Da verschafft die staatliche Förderung ein wenig Rendite. Auch wenn wir selbst nur ein halbes Prozent Rendite erreichen, legt ja Vater Staat mit seiner Förderung noch was drauf: vielleicht sogar zwei Prozent. Aber achten Sie darauf, dass das Angebot kostengünstig ist. Jeder Euro Kosten schmälert Ihre Rente."

  • Und: "Für Kunden, die schon viel Geld gespart haben und bald 65 werden, können wir eine Rentenversicherung nur für die Auszahlung im Alter anbieten. Sofortrente gegen Einmalbeitrag nennen wir solche Produkte. Die lohnt sich vielleicht für Kunden, die wirklich alt werden, älter jedenfalls als all die anderen Kunden, die eine solche Versicherung auch abgeschlossen haben. Denn bei dem Produkt profitieren die überlebenden Senioren von den Ersparnissen der frühzeitig Verstorbenen. Bei Männern, die heute 65 sind, rechnen wir Versicherer damit, dass sie 90 Jahre alt werden. Mädchen, die heute geboren werden, sollen sogar älter als Hundert werden."

Das also könnten die Versicherer erzählen, wenn sie es ernst meinten mit Transparenz und Ehrlichkeit.

Und eine Klientel, ihre Bestandskunden nämlich, könnten sie sogar ganz offensiv beglückwünschen: Älteren Kunden, die schon seit Jahrzehnten in eine Rentenversicherung eingezahlt haben. Sie haben mit Ihrem Vertrag bei dem Versicherer damals alles richtig gemacht. "Über drei Prozent garantierte Rendite auf das bisher Ersparte. Daran sollte man nicht rütteln." Aber das werden die Versicherer auch nicht laut sagen, denn das würde die potenziellen Neukunden ebenfalls abschrecken.

Mein Englischlehrer Werner lebt übrigens noch - und zwar von einer Beamtenpension.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 108 Beiträge
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1.
audiotom 07.02.2015
Abgesehen davon, dass es sich bei den Garantiezinsen um eine staatlich verordnete Größe handelt, schließt schon seit JAHREN niemand mehr die hier angeprangerte kapitalbildende Lebensversicherung klassischer Art ab. Mehr noch: sie wird größtenteils schon gar nicht mehr am Markt angeboten. Den Umbruch zu biometrischen Risiken und fondsbasierten Verträgen mit Beitragsgarantie hat der Autor hier mal geflissentlich ignoriert. Das wäre so, als Opel heute noch aufgrund rostender Corsa A Modelle an den Pranger zu stellen.
2. Die beste Altersvorsorge
karlsiegfried 07.02.2015
Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Häuser die Pflegeheime sind.
3. Lachhaft diese Beratung der Versichertenbranche. Riesterrente
h-i-2224 07.02.2015
ist erwiesener Maßen, nur für Menschen ab einem gewissen Einkommen interessant. Für die Zwecke, für die Riester angeblich eingeführt wurde, sind diese Formen der Verträge ein absoluter Reinfall. Wer wirklich wissen will, wie er diesbezüglich handeln sollte, sollte sich an den Bund der Versicherten wenden, der hilft zielgenau, zumindest nachdem nun der Richtungskrieg gegen eine Vereinnahmung durch die Versicherungswirtschaft, nach jahrelangem Kampf, wohl intern gewonnen wurde.
4. Hinweis Aufstockung fehlt
genugistgenug 07.02.2015
Wie wäre es, wenn die 'Berater'/Verkäufer erst einmal generell erklärten dass gilt: Minirente plus private Vorsorge plus Aufstockung = Grundsicherung (Hartz 4 Höhe) Denn zu viele Menschen gehen immer noch davon aus, dass die Vorsorge ihnen frei zur Verfügung steht. Doch das ist die selbst bezahlte Aufstockung und der Staat spart auch hier Geld. Lt. BundesreGIERung (Antwort auf kleine Anfrage April 2011) reichten 10,- €/Std grade zum erreichen der Grundsicherungsgrenze im Alter. Ende 2012 kam das vdl auf 2.500,- €/Monat. Da sollte sich eigentlich jeder selbst ausrechnen können ob sich das rechnet oder ob es nicht besser ist jeden Monat diese Beiträge unter die eigene Matratze zu packen und Provisionen/Kosten zu behalten.
5. Riestern?
zeitschritt 07.02.2015
Herr Tenhagen, dass Sie die Riesterrente immer noch propagieren, ist ein Schande!
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