Konto-Sperrungen Verbraucherzentrale will Amazon verklagen

Erneut steht Amazon in der Kritik, diesmal geht es um die Kunden des Internet-Händlers. Dem wirft die Verbraucherzentrale NRW vor, Nutzerkonten von Kunden gesperrt zu haben, weil sie zu oft Bestellungen zurückschicken. Der Konzern spricht von "Einzelfällen".

Amazon-Zentrum in Bad Hersfeld: Umtauschfreudige Kunden nicht erwünscht?
DPA

Amazon-Zentrum in Bad Hersfeld: Umtauschfreudige Kunden nicht erwünscht?


Düsseldorf - Erneut steht Internet-Händler Amazon in der Kritik: Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen hat den Konzern wegen der mehrfachen Kündigung von Kundenkonten abgemahnt. Ohne Vorwarnung habe der Branchenprimus den Zugang derjenigen Kunden gesperrt, die ihre Bestellungen zu oft zurücksendeten, teilte die Verbraucherzentrale mit.

Eine Abmahnung habe Amazon schon im vergangenen Jahr erhalten, sagte eine Sprecherin der Verbraucherzentrale. Da Amazon die Vorwürfe zurückgewiesen habe, folge nun eine Klage beim Landgericht.

Zwar dürfe jeder Händler selbst entscheiden, mit wem er Geschäfte macht, hieß es. Shopping-Sperren ohne Vorwarnung seien aber kundenfeindlich - vor allem, wenn eindeutige Regelungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen fehlten, sagte die Verbraucherschützerin Iwona Husemann. Die Verbraucherzentrale verweist auf eine eigene Umfrage unter 20 Online-Händlern, von denen 16 Kontensperrungen ganz oder weitgehend ausgeschlossen hätten. Die übrigen würden ihre Kunden zumindest vorwarnen, bevor sie ein Konto einschränkten oder sperrten.

Rücksendequoten zwischen zehn und 16 Prozent

Die Quote von Retouren im Online-Handel liegt Studien zufolge durchschnittlich zwischen zehn und 16 Prozent. Besonders häufig zurückgeschickt wird demnach Kleidung, die oft in verschiedenen Größen bestellt werde. Die nicht passenden Exemplare landeten dann wieder beim Händler.

Ein Amazon-Sprecher erklärte, das Online-Portal sei für Verbraucher gedacht - für diejenigen also, die haushaltsübliche Mengen bestellten. Dies stehe eindeutig in den Geschäftsbedingungen. Maßnahmen wie die Kontoschließungen im vergangenen Jahr seien "Einzelfälle, die wir nur nach eingehender und umfassender Prüfung vornehmen, wenn eindeutig feststeht, dass bei dem betroffenen Konto kein Einkaufs- und Retourenverhalten eines Verbrauchers vorliegt". Offenbar sind damit Gewerbetreibende gemeint, die das im Verbraucherschutzgesetz verankerte Recht, Waren ohne Angabe von Gründen zurücksenden zu dürfen, missbrauchen.

Kritik an Amazon gab es zuletzt nicht wegen der schlechten Behandlung von Kunden - sondern von Mitarbeitern: Im Dezember hatte die Gewerkschaft Ver.di den Internethändler mitten im Weihnachtsgeschäft bestreikt, um höhere Löhne und bessere tarifliche Regelungen zu erzwingen. Kurz vor Weihnachten kritisierte Ver.di außerdem die Behandlung von Saisonarbeitern in dem Konzern - die Gewerkschaft warf Amazon vor, Saisonarbeiter einen Tag vor Heiligabend vor die Tür gesetzt zu haben.

mxw/dpa



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insgesamt 71 Beiträge
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Cleo96 29.01.2014
1.
Zitat von sysopDPAErneut steht Amazon in der Kritik, diesmal geht es um die Kunden des Internet-Händlers. Dem wirft die Verbraucherzentrale NRW vor, Nutzerkonten von Kunden gesperrt zu haben, weil sie zu oft Bestellungen zurückschicken. Der Konzern spricht von "Einzelfällen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/retouren-amazon-loescht-nutzerkonten-umtauschfreudiger-kunden-a-946257.html
Das Problem ist doch bekannt: "Kunden", die sich regelmäßig das neueste "Handy" zuschicken lassen, es ausprobieren - und dann zurückschicken. Verbunden mit der Bestellung des nächsten Testobjektes. Der Händler hat nun Rückläufe, die er nicht als Neuware verkaufen kann - und als Dank dann hoch intelligente Rezensionen des Dauertest-"Kunden", die auch noch damit prahlen wie viele Geräte zu getestet haben. Kleinere Online-Händler treibt dieses Kundenverhalten in den Ruin - bei Amazon darf der Shitstorm losgetreten werden.
Aushilfsösi 29.01.2014
2. optional
Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, fällt mir ein, das meine Mutter jahrelang bei diversen Kataloghäusern Sammelbestellungen für sich und andere machte, Retouren waren völlig normal und kein Versandhaus wäre auf die Idee gekommen, wegen "zuvieler" Retouren ein Kundenkonto zu sperren. Amazon ist vermute ich mal ein Ami-Konzern, kundenfreundliches Verhalten scheint dort nicht so "in" zu sein.
nick999 29.01.2014
3. Gut so
Wenn ich bei Amazohn bestelle, weiß ich was ich will. Wer 3 Teile bestellt, um eins zu behalten, soll bei Zalando kaufen. Ich möchte als Amazonkunde nicht diese Art und Weise mitfinanzieren. Die Regelung des Gesetzgebers für Retouren ist gut, sie ist aber nicht auf permanente Rücksender eingestellt.
Borknagar 29.01.2014
4. Einseitig ...
Immer diese einseitige Berichterstattung. Ver.di kritisierte zwar die Löhne etc., aber dann sollte auch erwähnt werden, dass Mitarbeiter von Amazon eine Gegenoffensive gestartet haben und die niedrigen Löhne nur von Ver.di angeprangert wurden, die Mitarbeiter aber alle zufrieden sind und das genaue Gegenteil empfinden. Und ausserdem steht es in den AGB, dass man Konten von Kunden sperren kann, die zu viel zurücksenden. Daher ist die Aktion der Verbraucherzentrale hier wieder für den Hintern.
dreamsleep 29.01.2014
5.
Zitat von sysopDPAErneut steht Amazon in der Kritik, diesmal geht es um die Kunden des Internet-Händlers. Dem wirft die Verbraucherzentrale NRW vor, Nutzerkonten von Kunden gesperrt zu haben, weil sie zu oft Bestellungen zurückschicken. Der Konzern spricht von "Einzelfällen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/retouren-amazon-loescht-nutzerkonten-umtauschfreudiger-kunden-a-946257.html
Und wo ist da jetzt das Problem? Diese kostenlose Rücksendung von Waren ist sowieso ein Unding und trägt Mitschuld an den menschenverachtenden Bedingungen im Logistikbereich. Da wird mal eben die gewünschte Jacke in L, XL und XXL bestellt und dann vielleicht auch noch in 2 verschiedenen Farben, weil man ja nicht so genau weiß welche Größe und welchen Farbwunsch Omi denn nun hat. Der Rest wird dann einfach kostenfrei retourniert. Da es nun Leute getroffen hat, die diesen 'Service' auch noch missbraucht haben, hält sich mein Mitleid stark in Grenzen. Mit verbraucherunfreundlich hat das zumindest wenig zu tun.
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