Richterspruch: Schwarzwälder Schinken muss im Schwarzwald verpackt werden

Ist "Schwarzwälder Schinken" wirklich Schinken aus dem Schwarzwald? Das Bundespatentgericht hat die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht: Künftig dürfen nur noch solche Produkte die Bezeichnung tragen, die in der Region geschnitten und verpackt wurden.

Brot mit Schwarzwälder Schinken: Nur echt, wenn im Schwarzwald geschnitten und verpackt Zur Großansicht
DPA

Brot mit Schwarzwälder Schinken: Nur echt, wenn im Schwarzwald geschnitten und verpackt

München - Es ist ein Sieg für die regionalen Hersteller: Schwarzwälder Schinken muss nicht nur im Schwarzwald hergestellt, sondern auch dort geschnitten und verpackt werden. Mit dieser Entscheidung verschärfte das Bundespatentgericht in München die Kriterien für die geschützte Bezeichnung. Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof ließ das Gericht nicht zu, nun muss die EU-Kommission die neuen Bedingungen noch absegnen.

Die Spezialität ist bereits seit 1997 als regionale Angabe geschützt. Allerdings sei die Echtheit von geschnittenem und verpacktem "Schwarzwälder Schinken" nur dann hinreichend gewährleistet, wenn die genannten Verarbeitungsschritte im Schwarzwald durchgeführt werden und dies vor Ort kontrolliert werden kann, begründete das Gericht die Entscheidung. Bislang konnte jeder Schinken den begehrten Titel führen, der im Schwarzwald geräuchert wurde.

Daher hatte der Schutzverband der Schwarzwälder Schinkenhersteller beantragt, die Bedingungen für die geschützte geografische Angabe zu verschärfen. Dagegen hatten drei Firmen Einspruch erhoben, darunter ein Fleischverarbeitungsbetrieb, der zwar im Schwarzwald Schinken produziert, diesen jedoch neben anderen Produkten zentral in Norddeutschland schneidet und verpackt.

Vor der Entscheidung des Bundespatentgerichts hatte das Deutsche Patent- und Markenamt den Änderungsantrag des Schutzverbandes noch zurückgewiesen. Es war der Auffassung, dass eine derartige Beschränkung der Vermarktungsbedingungen für "Schwarzwälder Schinken" nicht hinreichend gerechtfertigt sei.

Eines ändert sich aber auch durch den Spruch des Gerichts nicht: Beim Schwarzwälder Schinken müssen die Schweine nicht aus dem Schwarzwald stammen, nicht einmal aus Deutschland. Und die Tiere dürfen - anders als etwa beim Parmaschinken - fressen, was sie wollen. Oder was ihr Besitzer ihnen füttert.

fdi/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Tolle Wurst
ogs 13.10.2011
Zitat von sysopIst*"Schwarzwälder Schinken" wirklich Schinken aus dem Schwarzwald? Das Bundespatentgericht hat die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht: Künftig dürfen nur noch solche Produkte die Bezeichnung tragen, die in der Region geschnitten und verpackt wurden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,791742,00.html
Wo das Zeug geschnitten und verpackt wird ist doch wirklich nicht wichtig. Nach wie vor kann aber Zuchtvieh aus ganz Europa tot oder lebendig zum räuchern in den Schwarzwald gekarrt werden. Das ist doch das Unding!
2. Blödsinn...
sappelkopp 13.10.2011
...Schwarzwälder Schinken muss im Schwarzwald hergestellt sein. Schneiden kann man ihn gern in Hamburg und verpacken in Stuttgart.
3. falsch rum...
Neinsowas 13.10.2011
es müssten die im Schwarzwald auf den Höfen noch laufenkönnenden Schweine spezieller Züchtung zu Speck verarbeitet werden, indem dort in Räucherkammern mit speziellem Holz über speziellem Zeitraum geräuchert wird und dann....kann die Sache auch nach Norddeutschland gebracht werden und meinetwegen geschnitten...hier schneidet man eh eine dicke Scheibe zum Vesper herunter mit einem feinen Stück Holzofenbrot...
4. Nur ein kleiner Teil des Eisbergs...
Demokrator2007 14.10.2011
Zitat von sysopIst*"Schwarzwälder Schinken" wirklich Schinken aus dem Schwarzwald? Das Bundespatentgericht hat die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht: Künftig dürfen nur noch solche Produkte die Bezeichnung tragen, die in der Region geschnitten und verpackt wurden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,791742,00.html
Die Spitzfindigkeit derartiger Formulierungen hat längst ein Maß überschritten bei dem man bei Verbraucherschutz noch von Schutz reden kann. Es ist aber zumindest erfreulich, das Bundesgerichte zumind. teilw. endlich einsehen, das gegen den " alltäglichen Lug und Trug" vorgegangen werden muß, bevor sich keiner mehr an irgendwelche Regeln hält und "Wild-West-Manieren" und Chaos den Geschäftsalltag regeln, wie dies beim eCommerce bereits in großen Teilen der Fall ist, seien dies nun deutsche Spammer(ua. Neckerman,DailyDeal,1+1, etc.), für die Newsletterstornierungen einfach "nicht zählen" oder eBay,Paypal und die vielfältigsten eCommerce-Händler für die keine Verbraucherpflichten mehr gelten, weil Verbraucherzentralen und andere Kundenschutzorganisationen sich sowieso als "hierfür nicht zuständig betrachten" aber für Verbraucherberatung kassieren. http://www.youtube.com/watch?v=5ctoboc8Ws4
5. Räuchern
scissor 14.10.2011
mal ehrlich, wird das Zeug noch geräuchert? Sicher etwas. Aber dann wird auch viel Aroma dazu gepackt, dass er so schmeckt als ob. Jedenfalls ist dieser Schinken nicht mehr das, was er mal war. Und ich weiß, wie Schinken gemacht werden soll. Aber vielleicht wird der Schinken in diesem Fall durch diese Entscheidung wieder besser.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
RSS
alles zum Thema Verbraucherschutz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Verbraucherzentralen
Verbraucherzentralen sind gemeinnützige Vereine ohne Gewinnerzielungsabsicht. Unter dem Dach des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) sind 16 eigenständige Verbraucherzentralen in den Bundesländern sowie 25 weitere Organisationen gebündelt. Die Arbeit wird teils aus dem Verkauf von Broschüren, maßgeblich aber aus öffentlichen Mitteln bestritten. Der VZBV arbeitet als gemeinnütziger Verein und ist eigenen Angaben zufolge parteipolitisch neutral. Der Verband vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber der Politik. Aufgabe in den Regionen wiederum ist die direkte Beratung der Verbraucher. Die Verbraucherzentralen betreuen das Portal Lebensmittelklarheit.de. Dort können Kunden sich seit Juli 2011 über Tricks der Hersteller beschweren.