Riester, Aktien, Steuer So pimpen Sie Ihre Rente

Am Jahresende ist noch Geld übrig? Dann haben Sie jetzt beste Voraussetzungen, um etwas für Ihre Altersvorsorge zu tun. Der Staat schießt auch etwas zu.

Rentnerpaar
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Eine Kolumne von


Zum Ende des Jahres bekommen viele Arbeitnehmer Weihnachtsgeld, manche auch einen Bonus. Das tut gut.

Und Selbstständige ziehen vorläufig Bilanz fürs Jahr 2018, stellen mit etwas Glück fest: Das Jahr war erfolgreich, es ist ordentlich was übriggeblieben.

Nun können Sie das Geld natürlich in Weihnachtsgeschenke und den Festschmaus umsetzen. Oder sich einen tollen Weihnachtsurlaub gönnen, nur raus aus dem Schmuddelwetter. Vielleicht wollen Sie aber auch etwas für Ihre Altersvorsorge tun. Dazu würde ich Ihnen jedenfalls raten, die Gelegenheit ist günstig.

Bei geschicktem Einsatz Ihres Geldes bekommen Sie vom Staat nämlich eine ordentliche Schippe obendrauf: Vater Staat lockt sowohl mit direkter Förderung als auch mit handfesten Steuervorteilen. Denn er will ja, dass Sie Geld fürs Alter zurücklegen.

Deshalb im Folgenden eine kurze Aufzählung, wo Sie wie viel Geld einzahlen sollten, damit es sich maximal lohnt (immer vorausgesetzt, Sie haben das Geld übrig).

Die Auswahl ist groß: Sie können bei Ihrer gesetzlichen Rentenversicherung ansetzen, bei Betriebsrenten, Riester-Verträgen oder Rürup-Renten.

  • Fangen wir mit der Steuer an:

Ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und Zahlungen in eine Rürup-Rente können Sie als Sonderausgaben absetzen. Diese Ausgaben machen Sie als Vorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung geltend.

Riester-Sparer können sich staatliche Zulagen oder einen Sonderausgabenabzug sichern, wenn sie entsprechende Zahlungen leisten und ihrer Steuererklärung die Anlage AV beifügen. Um die Steuer- und Sozialversicherungsvorteile der Betriebsrente muss sich der Chef kümmern.

Zum Sparen können Sie auf bestehende Verträge einzahlen, die Sie in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten abgeschlossen haben. Sie können aber auch noch im Dezember einen neuen Vertrag abschließen und dorthin Geld überweisen beziehungsweise überweisen lassen, um Förderung und Steuervorteile mitzunehmen.

  • Kommen wir zur Betriebsrente:

Fangen wir mit dem Einfachen an. Sie haben einen Vertrag für eine betriebliche Altersvorsorge und zahlen von Ihrem Dezembergehalt noch etwas ein. Sie müssen weder Steuern noch Sozialbeträge berappen, solange Sie nicht mehr als 3120 Euro für 2018 eingezahlt haben. Steuerfrei können Sie sogar das Doppelte einzahlen. Das erledigt Ihr Arbeitgeber, der den Teil des Gehalts einfach ohne Abzüge auf Ihr Betriebsrentenkonto überweist. Erst in der Rente müssen Sie dann auf die entsprechende Betriebsrente Steuern zahlen und zusätzlich - Stand heute - meist noch die kompletten Krankenkassen- und Pflegebeiträge von zusammen über 18 Prozent.

Solche Verträge sind nur eine gute Variante, wenn sie kostengünstig sind und Ihre Chefin Geld dazugibt. Auch sie spart nämlich Sozialversicherungsbeiträge, wenn Sie für die Betriebsrente sparen. Deshalb: 20 Prozent sollte sie schon zuschießen.

Sie haben vom Gesetzgeber das Recht auf einen solchen Vertrag. Wenn Ihr Arbeitgeber eine gute Betriebsrente schon fix und fertig anbietet, können Sie auch im Dezember noch abschließen und alle Vorteile für 2018 mitnehmen.

  • Damit sind wir beim Riester-Vertrag:

Wenn Sie schon einen der 16 Millionen Verträge haben, achten Sie darauf, dass Sie genug eingezahlt haben. Denn nur dann können Sie die komplette staatliche Förderung mitnehmen. Vier Prozent vom rentenversicherungspflichtigen Bruttogehalt des vergangenen Jahres (2017) sollten es sein - abzüglich der staatlichen Zulagen, auf die Sie Anspruch haben. Das sind Jahr für Jahr 175 Euro Grundzulage für Sie, 180 Euro für ältere Kinder und 300 Euro für jedes Kind, das ab 2008 geboren wurde.

Gerade Männer schlampern hier häufig, sagt die Statistik. Nur 46 Prozent nehmen die volle Förderung mit, bei den Frauen sind es fast 60 Prozent. Wenn das Gehalt 2017 gestiegen ist, müssten Sie 2018 etwas mehr in Ihren Riester-Vertrag stecken. Ansonsten wird die Förderung gekürzt.

Auch sollten Sie nicht vergessen, Ihre Riester-Zahlungen in der Steuererklärung anzugeben. Wer viel verdient und keine Kinder oder nur ein Kind hat, profitiert zusätzlich von Steuervorteilen. Eigenbeiträge und Zulagen sind insgesamt bis zu einem Höchstbetrag von 2100 Euro als Sonderausgaben absetzbar. Förderung und Steuervorteile werden verrechnet, das macht das Finanzamt für Sie.

Einen Riester-Vertrag können Sie auch 2018 noch abschließen. Die Auswahl ist reichlich von Fondssparplänen über Versicherungen, Baufinanzierungen bis hin zu einzelnen Banksparplänen. Für junge Riester-Sparer gibt es einmal 200 Euro Zuschuss extra.

Im Alter drohen zwar keine Krankenkassenbeiträge, aber versteuern müssen Sie die Riester-Rente im Alter genau wie die Betriebsrente.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
  • Und schließlich die Rürup-Rente:

Vor allem Selbstständige haben in der Vergangenheit sogenannte Rürup- oder Basisrenten abgeschlossen. Selbstständige können damit Geld fürs Alter ansparen.

Dies ist eine Option vor allem dann, wenn sie nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Denn die Rürup-Beiträge zählen wie die Rentenversicherungsbeiträge steuerlich als Vorsorgeaufwendungen.

Und die werden in diesem Jahr steuerlich insgesamt bis zu einem Höchstbetrag von 23.712 Euro gefördert; für Ehepaare gilt der doppelte Betrag.

Als rentenversicherungsbefreiter Selbstständiger können Sie bis zu 23.712 Euro von Ihrem Gewinn einzahlen und können davon 86 Prozent, also 20.392 Euro, als Sonderausgaben absetzen. Ehepaare wieder das Doppelte. Für Spitzenverdiener sind 9000 Euro Steuerersparnis drin.

Wie auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung sind die Zahlungen aber ein für alle Mal weg. Man kann das Geld nicht zurückverlangen, nur im Alter davon leben. Für Rürup-Sparer sind vor allem klassische oder fondsgestützte Rentenversicherungen im Angebot. Die können Sie für 2018 auch noch im Dezember abschließen. Achten Sie darauf, dass Ihr Vertrag kostengünstig ist.

  • Damit wären wir beim freien Sparen mit Aktien:

Sie können natürlich auch einfach so Geld fürs Alter zur Seite legen. Gut geht das, wenn Sie im Rahmen eines Sparplans regelmäßig Anteile an einem Indexfonds (ETF) kaufen. Langfristige Anlagen in Aktien sind lukrativ, da hat der CDU-Politiker Friedrich Merz Recht. Wichtig ist aber ein günstiger Fonds, also niedrige Kosten beim Kauf und bei der Verwaltung - und ein Depot, in dem Sie den Fonds lagern, das komplett kostenlos ist, sonst machen Sie erstmal Banker und Fondsmanager reich.

15 Jahre lang anlegen in einem solchen Index-Fondssparplan verringert Ihre Risiken erheblich: Über so eine lange Zeit sind in den vergangenen Jahrzehnten nie Verluste aufgetreten, wenn man mit diesen Fonds in Hunderte große internationale Unternehmen gleichzeitig investiert hat. Allerdings zahlen Sie diese Altersvorsorge aus dem Nettogehalt, dafür gibt es keine steuerliche Förderung.

Der Vorteil: Im Falle einer persönlichen finanziellen Krise kommen Sie an das Ersparte heran. Der Nachteil: Wenn sich die Krise zur Privatinsolvenz ausweitet, hätten auch mögliche Gläubiger Zugriff auf Ihr Depot. Geförderte Altersvorsorge ist bis zur Rente vor Insolvenzgläubigern geschützt.

Weil es keine steuerliche Förderung gibt, müssen Sie nicht unbedingt noch vor Neujahr starten. Aber je früher, desto besser.

  • Falls Sie einen Immobilienkredit haben:

Die einfachste Variante, 2018 noch etwas für das Alter zu tun, ist allerdings für viele Haus- und Wohnungsbesitzer die Sondertilgung. Wenn Sie zum Jahresende noch die Chance haben, 5000 Euro extra in die Tilgung Ihres Baukredits zu stecken, tun Sie's! Bezahlen Sie zum Beispiel aktuell 4 Prozent Zinsen, dann spart das gleich im ersten Jahr 200 Euro an Zinsen.

Wenn man mit 4 Prozent Zinsen eine Modellrechnung anstellt, passiert Folgendes: Nach 15 Jahren sind bei Monatsraten von 500 Euro und 2 Prozent Tilgung von 100.000 Euro Kredit mit dieser Sondertilgung nur noch 49.900 Euro Kredit übrig, ohne Sondertilgung wären es knapp 59.000 Euro, also über 9000 Euro mehr. Die Sondertilgung beschert Ihnen also eine ordentliche Altersvorsorge-Rendite - und das auch noch komplett steuerfrei.



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Nordstadtbewohner 08.12.2018
1. Altersvorsorge ist wichtig und richtig
"Die Auswahl ist groß: Sie können bei Ihrer gesetzlichen Rentenversicherung ansetzen, bei Betriebsrenten, Riester-Verträgen oder Rürup-Renten." Die letzten drei Empfehlungen lassen sich ja noch nachvollziehen, aber bei der "gesetzlichen Rentenversicherung ansetzen", das würde ich lieber lassen. Richtig ist, dass man auch Sondereinzahlungen bei der gesetzlichen Rentenversicherung tätigen kann, wer allerdings halbwegs bei Verstand ist, lässt von so etwas die Finger. Die gesetzliche Rentenversicherung ist auf Grund des demografischen Wandels eine denkbar schlechte Altersvorsorge. Vor allem sinkt das Rentenniveau bis 2030 stark ab, so dass man da sein Geld zum Fenster rauswirft. Wer die Wahlmöglichkeit hat, wird die gesetzliche Rentenversicherung meiden oder viel Geld "verbrennen".
Pfaffenwinkel 08.12.2018
2. Jede zusätzliche Rente
muss versteuert werden. Oft entscheiden nur ein paar Euro mehr, um in eine höhere Steuerklasse zu rutschen. Was man sich also jetzt mühsam abspart, holt sich dann im Rentenalter der Fiskus. So sieht das aus.
Taklamakan52 08.12.2018
3. Netter Beitrag
aber - wie immer - wieso eigentlich? Unwissen oder ......? wird das Wichtigste NICHT erwähnt. Als Rentner MUSS auf alle Arten von Einkommen außer der gesetzlichen Rente, also Betriebsrente, Riesterrente, sonstige Rente, Mieteinnahmen, Hausverkauf Lottogewinn etc, also auf ALLES, ein Krankenversicherungsbeitrag von 15% an die GKV gezahlt werden. Du bist privat versichert ? Genau das selbe !! Und diese 15% Zwangsabgabe machen bei den meisten Anlagen den größten Teil der Zugewinne wieder zunichte. Toll, nicht wahr ! Bin jetzt echt mal auf Ihre Kommentare gespannt. Schönen Tag noch.
sonntagsberg 08.12.2018
4. Ja und?
Zitat von Pfaffenwinkelmuss versteuert werden. Oft entscheiden nur ein paar Euro mehr, um in eine höhere Steuerklasse zu rutschen. Was man sich also jetzt mühsam abspart, holt sich dann im Rentenalter der Fiskus. So sieht das aus.
Auch der Rentenbezug aus der gesetzlichen Rente muß versteuert werden. Wer in eine höhere Steuerklasse rutscht, muß für die den Grenzsteuersatz überschreitenden Beträge den Steuersatz für die höhere Klasse bezahlen. Das gilt für alle. Warum soll es also für Rentner nicht gelten?
imlattig 08.12.2018
5. wie soll...
man bei steigenden mieten und sinkenden loehnen aufpimpen? die 20 prozent rente die uns der staat abgeknoepft hat lassen sich mit minigehaelter nicht aufholen. spon sollte mal durchrechnen was es einen durchschnittlichen rentner kostet um die 20 prozent fuer die zukuenftige rentner noch laenger arbeitet und zusaetzlich noch abgaben bezahlen nur diese moneten wieder reinholt. dann wird spon feststellen aufpimpen geht nicht.
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