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Riester-Vertrag oder Betriebsrente: So finden Sie die beste Altersvorsorge

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Altersvorsorge-Unternehmen mehren oft vor allem das Vermögen des Unternehmens Zur Großansicht
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Altersvorsorge-Unternehmen mehren oft vor allem das Vermögen des Unternehmens

Das Thema Altersvorsorge schieben viele Menschen gern auf die lange Bank. Dabei gibt es gute Gründe, sich mit Riester- oder Betriebsrente zu beschäftigen. Nur so lassen sich gute Angebote von schlechten unterscheiden.

Haben Sie schon einmal versucht, einen Freund von der Notwendigkeit zusätzlicher Altersvorsorge zu überzeugen. Nicht vergnügungssteuerpflichtig, meinen Sie? Sie haben völlig recht. Dabei ist die ökonomische Vernunft eines solchen Projekts zunächst mal unabweisbar. Man legt Geld zur Seite und hat im Alter mehr Rente zur Verfügung, dann also, wenn die Finanzen sonst knapp wären, dafür aber die Zeit reichlich, das Geld mit vollen Händen auszugeben.

Und auch finanziell lohnt das Investment: Oft schießt der Staat noch eine ordentliche Förderung hinzu, wenn man das Geld für die Altersvorsorge zur Seite legt. Und wer im Erwerbsleben Fehler macht und in finanzielle Not gerät, dessen Altersvorsorge ist sogar vor dem Gerichtsvollzieher sicher.

Mehr noch: In vielen Fällen legt sogar der Arbeitgeber was drauf, wenn sich der Freund für die betriebliche Altersvorsorge entscheidet. Im Zweifel könnte er seinen Chef vielleicht sogar überzeugen, ihm statt einer kleinen Gehaltserhöhung mehr Geld für den Betriebsrenten-Vertrag einzuzahlen. Und davon bleibt für den Ruhestand tatsächlich mehr Geld übrig.

Sie könnten ihrem Freund vorrechnen, dass bei seinem Einkommen von 4000 Euro brutto im Monat als Single wahrscheinlich die betriebliche Altersvorsorge am günstigsten ist. Bei der Gehaltsumwandlung für die Altersvorsorge spart er nämlich Steuern, Renten- und Krankenkassenbeiträge. Sein Chef spart auch an Beiträgen für die Sozialversicherung. Wenn der Chef diese Ersparnisse noch auf die Raten für die Betriebsrente drauflegt, wäre die Bilanz eigentlich eindeutig. Mit zukünftig mehr Einkommen oder Kindern wäre möglicherweise wegen der etwas anderen Förderung ein Riester-Vertrag günstiger, auch das sollten sie ihm sagen.

Dennoch gibt es gute Gründe für die Skepsis ihres Freundes:

Bevor er nämlich von seinen Altersvorsorgeanstrengungen profitiert, haben sich andere schon die Tasche vollgemacht. Als erstes der Vertrieb. Der bekommt nämlich eine Provision für den Vertrag. Und zwar unabhängig davon, ob er sie vielleicht gut beraten hat und ihnen die Vorzüge des Produktes erst dadurch aufgingen, oder ob ihr Freund abschließt, weil Sie so überzeugend waren.

Die Arbeit der Beratung sollte bezahlt werden, aber häufig wird hier viel zu viel kassiert. Im Übrigen: Die Chefs dieser Verkäufer heißen ganz zu recht Vertriebsvorstände und nicht Beratungsvorstände, so viel Ehrlichkeit würde auf den Namensschildern der Mitarbeiter auch gut tun.

Dann die Vermögensverwalter im beauftragten Altersvorsorge-Unternehmen. Die mehren vor allem das Vermögen des Unternehmens. Ob sie auch das Vermögen des Kunden mehren, messen sie in vielen Fällen nicht einmal. Das müsste ein Alarmsignal sein, falls der Zweck tatsächlich hauptsächlich die Altersvorsorge der Kunden wäre. In den Anfangssemestern des Betriebswirtschaftsstudiums lernt man den schönen Satz von Peter Drucker: "Was du nicht misst, kannst du nicht managen." Wenn also der Vermögenszuwachs der Kunden nicht ordentlich gemessen wird, dann … Richtig.

Den Lebensstandard im Alter wahren

Dann kann es auch passieren, dass ihr Freund mal den Arbeitsplatz wechseln muss. Soll die betriebliche Altersvorsorge weiterlaufen, ist noch lange nicht gesagt, dass auch der neue Chef mitmacht. Dass er denselben oder einen ähnlich guten Vertrag anbietet und bei der Gehaltsumwandlung freundlich etwas beisteuert. Legt er nämlich nichts drauf, spart der Chef die Sozialversicherungsbeiträge trotzdem und bereichert sich noch an der Altersvorsorge seines Mitarbeiters.

Mindestens das Problem hätte der Freund beim Riestern nicht.

Die ganze Überlegung wird natürlich schwierig, wenn ihr Freund so wenig Rentenansprüche bei der Gesetzlichen hat, dass er im Alter absehbar darauf angewiesen ist, dass ihm der Staat bei Lebenshaltung, Wohnung und Heizung unter die Arme greift. Dann kommt er trotz seiner Sparanstrengungen später vielleicht trotzdem nur auf das gleiche Einkommen wie sein Kollege, der nicht spart und sich auf die Grundsicherung im Alter verlässt.

Und dennoch: Das Ziel, den Lebensstandard im Alter zu wahren, also mehr als die gesetzliche Rente zur Verfügung zu haben, sollte ihren Freund am Ende dazu bringen, geförderte Altersvorsorge zu betreiben. Nach dem Gespräch mit seiner Freundin vielleicht auch für einen Riester-Vertrag.

Mit ein bisschen mehr Arbeit und Blick auf die Kosten kann ihr Freund nach einem zweiten Gespräch mit Ihnen auch einen guten von einem schlechten Vertrag unterscheiden. Gute Hilfen gibt es kostenlos im Netz. Die Arbeit lohnt sich, günstige Verträge bringen im Alter über die Jahre schnell 10.000 Euro mehr Rente als die teuren.

Ein ganz persönliches Ziel ist dabei allerdings unabdingbar. Ihr Freund sollte alles daran setzen, möglichst alt zu werden. Am Ende entscheidet nämlich die Frage, ob er wirklich alt wird bei jeder Rente über die Antwort, ob sich all das Sparen während des Erwerbslebens wirklich gelohnt hat.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlinemagazin ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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1. Ich vermisse die nicht ganz unwichtige Information, ...
flo_bargfeld 05.09.2015
... dass der Arbeitnehmer bei der Betriebsrente durch Gehaltsumwandlung zwar Sozialabgaben spart, sich dadurch aber zugleich seine Ansprüche der gesetzlichen Rente reduzieren. -- Als Herr Tenhagen noch bei Finanztest war, habe ich seine Beiträge noch gern gelesen, mittlerweile ist das nicht mehr so. Meine Zweifel sind noch gestiegen, nachdem ich mich mit dem Erlösmodell des angeblichen "Verbraucher"magazins Finanztip beschäftigt habe.
2. Da würde ich abraten.
Bertold 05.09.2015
Bitte kein Geld ausgeben. Schließlich ist es Aufgabe des Staats dafür zu sorgen, dass die alten Leute versorgt sind!
3.
marthaimschnee 05.09.2015
4000 Euro brutto als Single, na das ist ja eine geradezu immense Zielgruppe!
4. Riester
wi_hartmann@t-online.de 05.09.2015
Mit "Riester-Rente" wird den Verbrauchern eine wesent- liche Verbesserung der finanziellen Situation im Alter suggeriert. Selbst die hochgerechneten Zahlen bringen auch nach 25 Jahren Laufzeit Minirenten. Die staatlichen Zulagen eingerechnet tendieren die Renditen gegen null. Hinzu kommt, daß bei aktuellen Berechnungen die staatlichen Zulagen für die gesamte Laufzeit berücksichtigt werden, was einer Täuschung des Verbrauchers gleichkommt. Nicht ohne Grund wird dieses komplizierte Produkt bis heute kaum angenommen, hinzu kommt, daß die Storno- quote bei laufenden Verträgen hoch sind.
5. Wie viele TV-Beiträge
dherr 05.09.2015
haben wir schon gesehen, in denen die Riester-Rente als absoluter Unsinn vorgeführt wurde? Und jetzt wird sie hier angepriesen... du..
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Die Riester-Rente
Was unter dem Namen "Riester-Rente" bekannt wurde, ist der Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge, die von dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) eingeführt wurde: Seit 2002 fördert der Staat diese zusätzliche Vorsorge in Form von Zulagen und Steuervorteilen. Dafür stellt der Staat ab 2008 rund 12 Mrd. Euro zur Verfügung. Wer ab 2008 insgesamt vier Prozent seines Vorjahreseinkommens anlegt, erhält vom Staat eine maximale Zulage von 154 Euro pro Jahr. Die staatliche Förderung wird auf den Anlagebetrag angerechnet, dieser ist allerdings auf 2.100 Euro begrenzt. Er kann aber als zusätzliche Sonderausgabe steuerlich geltend gemacht werden.

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