Banksparpläne Wie die Regierung gute Riester-Verträge zur Strecke brachte

Banksparpläne sind die am wenigsten umstrittene Form des Riester-Sparens: sicher, berechenbar, günstig. Doch sie werden kaum noch angeboten - auch wegen neuer Regeln der schwarz-roten Regierung.

Eine Kolumne von


Private Altersvorsorge ist nötig. Dafür haben wechselnde Regierungen seit den Neunzigerjahren mit ihren Kürzungen der gesetzlichen Renten gesorgt. Staatliche Hilfe bei der privaten Altersvorsorge ist nützlich. Deshalb hat zum Beispiel die rot-grüne Bundesregierung Anfang des Jahrtausends die Riester-Verträge mit Förderung eingeführt. Mehr als 25 Milliarden Euro wurden dafür bislang ausgegeben.

Jenseits der Grundsatzentscheidung für die Förderung scheint jedoch ein seltsamer Fluch über dem Umgang der Regierenden mit den Riester-Verträgen ihrer Wähler zu liegen. In den 16 Jahren, in denen die staatlich geförderte Altersvorsorge existiert, musste sie gleich mehrere Rückschläge einstecken:

  • Zuerst hat die Schröder-Regierung das Riestern mit einer nur allmählich wachsenden Förderung gestartet. Vorteil für den Staat: Es war zunächst billiger. Nachteil für die Kunden: Sie verstanden die komplizierte Förderung nicht.
  • Dann bot der Staat Riester-Anbietern - die enge Verbindung zwischen dem SPD-Kanzler und einem bekannten Finanzvertriebler dürfte hierbei nicht geschadet haben - ein lukrativeres Provisionsmodell. Besonders attraktiv waren für den Vertrieb Riester-Fondspolicen. Fast vier Millionen solcher oft unnötig teuren Verträge wurden über die Jahre an die Altersvorsorgesparer gebracht.
  • Ende 2016 hat schließlich eine Kombination aus Niedrigzinsen und Regelunsinn der schwarz-roten Koalition jetzt auch die meisten Riester-Banksparpläne zur Strecke gebracht.

Letzteres ist besonders bitter. Schließlich war der Banksparplan die einfachste und praktischste Riester-Form für Sparer: Alle Spargroschen blieben von Anfang an auf dem Konto des Kunden. Provisionsexzesse gab es nicht. Sparer konnten Riester-Banksparpläne vor allem bei kleineren Volksbanken oder Sparkassen im Westen der Republik abschließen. Nur rund 800.000 von 16 Millionen Riester-Verträgen sind Banksparpläne.

Wo Kirchenbanken wie die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn einst mit der Sparkasse Gelsenkirchen und der Volksbank Gronau-Ahaus konkurrierten, gibt es nun: nichts mehr. Die drei Banken haben Ende 2016 den Vertrieb der Riester-Banksparpläne eingestellt - und mit ihnen viele mehr.

Warum aber muss dieses am wenigsten umstrittene Riester-Produkt nun sterben?

Die Anbieter, die jetzt aufgeben, zeigen auf die Politik: Außer den niedrigen Zinsen sei das neue Produktinformationsblatt (PIB) schuld daran, dass sie den Banksparplan nicht weiterverkaufen könnten, so unisono gleich mehrere Volksbanken, darunter auch die Volksbank Gronau-Ahaus, die bis dahin auch von Finanztip empfohlen wurde.

An den Klagen der Banken ist was dran, aber wie so oft ist die Geschichte ein bisschen komplizierter. Es geht nämlich um Große und Kleine, Konzernarroganz statt Kundenorientierung.

Für die Konzern-IT der Volksbanken sind Banksparpläne unwichtig

Das PIB soll Sparern aufzeigen, wie teuer und riskant ein Riester-Vertrag ist. Im Grunde eine gute Idee. Doch neue Regeln aus der Politik werden von den tausend Volksbanken und 400 Sparkassen schon lange nicht mehr einzeln gestemmt. Wenn eine Volksbank wie die in Gronau-Ahaus eine IT-Anforderung nicht selbst meistern kann, wendet sie sich an den hauseigenen Dienstleister der Volksbanken, die Fiducia & GAD IT.

Pech für die Westmünsterländer: Der IT-Koloss der Genossenschaftsbanken hält die Entwicklung einer solchen Software für nicht prioritär. "Aus wirtschaftlichen Gründen können wir daher eine kostenintensive Umsetzung von Anforderungen einzelner Banken nicht vornehmen", heißt es. In anderen Worten: Altersvorsorge ist nachrangig.

Bei den Sparkassen stellt die zentrale IT das notwendige Rechenprogramm immerhin zur Verfügung. Aber die allermeisten Sparkassen nutzen es nicht. Es ist ihnen zu umständlich - und die Umsetzung der neuen Regeln allgemein zu teuer: Es bleibt ja nicht bei den Kosten der IT. Die Banken müssen ihre Produktinformationsblätter bei einer staatlichen Produktinformationsstelle für Altersvorsorge (PIA) einordnen lassen. Das kostet einmal initial 1470 Euro und dann jährlich 1470 Euro Überprüfungsgebühr (Hier finden Sie die Gebührensatzung als PDF-Datei).

Was können wir uns im Alter noch leisten?

Hätte man den Tod des Sparplans abwenden können? Die Berliner Lobbyisten der Sparkassen (DSGV) sowie Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) haben sich abgefunden: Nachdem man im Regulierungsverfahren beim Finanzministerium mit dem Hinweis auf "erhebliche bürokratischen Mehrbelastungen gerade für kleinere Anbieter" nicht durchgedrungen sei, könne man auch nichts machen.

Im Bundesfinanzministerium, in dem Staatssekretär Jens Spahn als CDU-Wahlkreisabgeordneter aus Ahaus und gelernter Bankkaufmann das Problem jedenfalls begreifen müsste, gibt man sich eher lakonisch. "Die Produktinformationsblätter verfolgen nicht das Ziel, mögliche Risiken [eines Riester- oder Rürup-Vertrags] einzudämmen. Vielmehr sollen dem Verbraucher die Chancen und Risiken offengelegt werden. ... Anbieter, die ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis oder eine transparente und einfache Kostenstruktur bieten, können von der neuen Transparenz profitieren."

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Denn gewinnen werden bei einer solchen Konstellation die Riester-Angebote der Konzerne, also die der großen Versicherer und Fondsgesellschaften. Verlieren werden außer den kleinen Volksbanken und Sparkassen vor allem Kunden, die sich bislang noch nicht um die Altersvorsorge gekümmert haben - aber um die Kunden und deren Altersvorsorge ging es in der Geschichte der Riester-Förderung ja ohnehin eher selten.

PS: Wer schon einen Riester-Banksparplan abgeschlossen hat, ist auf der glücklichen Seite. Denn alte Verträge laufen zu alten (guten) Bedingungen weiter. Wer noch nichts gemacht hat, sollte das Desaster zum Anlass nehmen, sich nach einer guten Alternative umzusehen.



insgesamt 38 Beiträge
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smartphone 04.02.2017
1. Hochfragwürdige Denkmodelle
EIn RV ist schon interessant ,wenn der Verdiener ( Ehemann) zB 20Jahre einzahlt , und sobald er stirbt, die Frau dann nix merh bekommt ...... Oder dies. Wenn über 85% der R verträge nicht mehr bedient werden könnt es auch daran liegen , Daß den Leuten schlicht das Geld dazu fehlt ( Dank Lohnzurückhaltung usw ) Und im Sinne Grundrente ja erst mal alles Vermögen "versilbert" werden muß , also net mal ein Auto ist erlaubt ..... Das heißt es ist nicht nur die Fliesenleger(!) Riesterrente ein Murks . dito Agenda2010 .... Da VOlk wartet auf einen Trumpartigen Politker , der per Dekret all diesen Murks hin zu einem tragfähigen überlebensfäheigem BGe mutiert ( also z Zt 1500€ pro Erw +Krankenkasse(!) )
Robert Redlich 04.02.2017
2. ohne mich
Ich vertraue den Banken kein Bisschen. Eher lege ich mein Geld in's Schließfach, kaufe Acker, Kupfer oder Aktien, als dass ich irgendwelche Verträge für irgendwelche "Modelle" und "Pläne" abschließe. Wer glaubt, dass diese in 30 Jahren mehr als das Papier wert sind, auf dem sie stehen, ist reichlich naiv. Profitieren werden ausschließlich die, deren Provision für den Verkauf von "Finanzprodukten" gleich am Anfang geflossen ist.
t.h.wolff 04.02.2017
3.
Dieser Riester-Betrug ist tot und jeder weiß es. Riester selbst hat Rot/Grün anlässlich der Einführung dieses Abzockmodells erklärt, daß die Versicherungsindustrie dieses Produkt nur dann flächendeckend anbieten werde, wenn die Gewinnmargen für die Industrie im Verleich zu eigenen "Produkten" lukrativ genug wären. Damit war der Kunde per se der Gelackmeierte. Oder Gemaschmeyerte. Noch Fragen?
distar99 04.02.2017
4. wann einsteigen...
Zitat von Robert RedlichIch vertraue den Banken kein Bisschen. Eher lege ich mein Geld in's Schließfach, kaufe Acker, Kupfer oder Aktien, als dass ich irgendwelche Verträge für irgendwelche "Modelle" und "Pläne" abschließe. Wer glaubt, dass diese in 30 Jahren mehr als das Papier wert sind, auf dem sie stehen, ist reichlich naiv. Profitieren werden ausschließlich die, deren Provision für den Verkauf von "Finanzprodukten" gleich am Anfang geflossen ist.
Ich denke ähnlich wie Sie, aber der DAX ist mir zu hoch. Ich würde mir ein Mehrheit der Linken mit Sahra Wagenknecht als Kanzlerin wünschen, am Tag ihrer Wahl, würde ich mit Aktien eindecken. Tiefer werden sie nicht mehr fallen. ;-)
StromkundeHH 04.02.2017
5. Was ist schlecht...
... an einem geförderten Fondssparplan? Die Aussicht auf hohe Renditen bei langen Laufzeiten. Trotz Provision lukrativer als ein Sparplan bei den niedrigen Zinsen. Robert Redlich kauft Aktien? Stark. Hoffentlich nicht Deutsche Bank, Volkswagen usw. Das ist nicht so renditestark für die Rentenvorsorge. Bargeld ist übrigens auch nur Papier, an das wir glauben....
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