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Riester-Renten-Atlas: Wo die Deutschen Geld verschenken

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Der Staat stützt die Riester-Rente mit satten Zuschüssen - doch viele Bundesbürger verzichten auf die Finanzhilfe, insgesamt sind es knapp eine Milliarde Euro pro Jahr. Eine aktuelle Studie zeigt, wo die Bürger das meiste Geld verschenken.

Renten-Atlas: Wo die Riester-Muffel wohnen Fotos
Union Asset Management Holding

Langwieriger Papierkram, schwer verständliche Antragsformulare, nervige Behördengänge: Staatliche Leistungen nimmt kaum jemand gerne in Anspruch. Im Fall der Riester-Rente kostet diese Muffeligkeit jedoch bares Geld. Und zwar sehr viel: Insgesamt rund 977 Millionen Euro ließen sich Riester-Sparer im Jahr 2007 entgehen, weil sie den dafür notwendigen Antrag nicht einreichten.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg, die im Auftrag der Anlagegesellschaft Union Investment den diesjährigen Vorsorgeatlas Deutschland erstellt haben (siehe Fotostrecke oben). Sie gingen dabei sowohl der Frage nach, wer sich die Mühe gemacht hat, einen Antrag zu stellen und wie konsequent die Bürger die ihnen zustehenden Möglichkeiten genutzt haben. "Beide Aspekte sind von zentraler Bedeutung für die Höhe der zukünftigen Rente", erklärte Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, an diesem Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Die Inanspruchnahme der maximalen Zulage setzt zweierlei voraus: zum einen den Antrag, zum anderen die Einzahlung des notwendigen Eigenbeitrags. Wird letzterer nicht erbracht, so erfolgt eine anteilige Kürzung der Zulagen. Für das Jahr 2007 etwa hätten die Beitragszahler drei Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens aus dem Jahr 2006 - maximal 1575 Euro - einzahlen müssen. Seit 2008 beträgt der Eigenteil vier Prozent.

660 Millionen Euro Zulagen wurden erst gar nicht beantragt

Allerdings schenkten sehr viele dieser Mindestgrenze keine Beachtung - und verzichteten damit auf rund 313 Millionen Euro an staatlichen Zulagen. Noch mehr Geld verschenkten allerdings diejenigen, die sich erst gar nicht die Mühe gemacht haben, einen Antrag zu stellen: nämlich 664 Millionen Euro. Für das Jahr 2007 betraf dies im Bundesdurchschnitt rund ein Viertel aller Riester-Sparer, also knapp drei Millionen Menschen. Im Schnitt verzichteten die Anleger so auf 44 Prozent der maximal möglichen Förderung.

Zwar können die Riester-Zulagen noch zwei Jahre nach Ende des jeweiligen Beitragsjahres beantragt werden. Für das Jahr 2007 bedeutet dies allerdings, dass die Frist Ende 2009 abgelaufen ist.

"Nach Auswertung der jetzt verfügbaren Daten für das Jahr 2007 ist vor allem in zwei Bereichen Handlungsbedarf zu erkennen", sagte Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge. "Zunächst sollten Riester-Sparer die Möglichkeit des Dauerzulagenantrages nutzen. Darüber hinaus sollten sie die Sparraten regelmäßig mit dem Einkommen abgleichen und die Beitragszahlungen entsprechend anpassen. Denn wenn sich das Einkommen aufgrund von Gehaltserhöhungen oder Sonderzahlungen ändert, müssen auch die Sparraten angepasst werden."

In ihrer Studie interessierte die Forscher auch, in welchen Regionen Deutschlands besonderer Aufklärungsbedarf besteht. Dabei stellten sie fest, dass Riester-Sparer in den östlichen Bundesländern besonders häufig auf die Antragsstellung verzichteten oder unter der Grenze des Mindesteigenbeitrags blieben. "Vor dem Hintergrund, dass es in den östlichen Bundesländern überdurchschnittlich viele Riester-Verträge gibt, ist dieses Ergebnis überraschend", sagte Raffelhüschen.

Gutverdiener reizen Riester-Möglichkeiten oft nicht aus

Weniger überraschend für die Forscher: Männer verzichteten mit einer durchschnittlichen Beantragungsquote von 72,1 Prozent im Jahr 2008 häufiger auf Zulagen als Frauen. Deren Quote lag mit 76 Prozent knapp vier Prozentpunkte höher. Außerdem offenbart die Aufteilung der Riester-Sparer in Altersklassen eine klare Zweiteilung. Während die unter 35-Jährigen häufiger keinen Antrag auf Zulagenförderung stellten, wiesen ältere Vertragsinhaber überdurchschnittliche Beantragungsquoten auf.

Für die jungen Sparer ist dies besonders ärgerlich: "Gerade mit Blick auf die lange Laufzeit ihrer Verträge und die Auswirkungen des Zinseszinseffekts wirken sich die fehlenden Eigenbeiträge und die entgangenen Zulagen deutlich auf ihre zukünftige private Zusatzrente aus", erklärte Reinke.

Überraschende Ergebnisse liefert der Vorsorgeatlas Deutschland dagegen bei der Analyse der Einkommenssituation. Eigentlich könnte man vermuten, dass insbesondere Geringverdiener nicht genügend Eigenbeiträge aufbringen. Doch die Studie zeigt einen entgegengesetzten Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und der Höhe der Fördersätze: Tendenziell sinkt die Ausschöpfungsquote mit zunehmendem Einkommen. Das bedeutet: Riester-Sparer mit geringem Einkommen kümmern sich eher um ihre Zulage als Menschen mit hohem Einkommen.

Um nicht noch mehr Geld zu verschenken, sollten Sparer vor allem an eines denken, mahnen die Forscher: Die Frist für einen Zulagenantrag aus dem Jahr 2008 läuft Ende dieses Jahres aus.

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insgesamt 214 Beiträge
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1. Wieso Geld verschenken?
drache-fuchur 27.10.2010
Riester Rente ist Geld verschenken! Und zwar vom Staat an die Finanzindustrie. Die Bürger sollen ihr Geld bei der Finanzindustrie anlegen. Natürlich zu saumäßigen Konditionen, so dass der staatliche Zuschuss keinen Vorteil bringt. Und dann wird die Riester Rente später auch noch schön versteuert. Ha, ha, ha...
2. Union Investment
Alf.Edel 27.10.2010
Zitat: "Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg, die im Auftrag der Anlagegesellschaft Union Investment den diesjährigen "Vorsorgeatlas Deutschland" erstellt haben (siehe Fotostrecke oben). ... "Beide Aspekte sind von zentraler Bedeutung für die Höhe der zukünftigen Rente", erklärte Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, an diesem Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt." Haha! Also hophop, noch schnell zu Union Investment, einen Riester-Vertrag abschliessen...
3. Geld verschenken ???
braintainment 27.10.2010
Die beste Art sich für das Alter abzusichern ist auf jeden Fall NICHT zu Riestern! Glaubt hier irgendjemand, dass der Staat die gönnerhaft gewährten Zuschüsse nicht später wieder abgreift?
4. Irreführende Grafiken!
Emmi 27.10.2010
Wenn man die Grafiken anguckt und die Bildunterschriften liest, könnte man denken, die Ossis sind viel döfer als die Wessis, weil sie nicht riestern. Wenn man aber die Legenden einbezieht, merkt man, dass die besten Werte nur marginal über den schlechtesten liegen und dass die Aussagekraft allenfalls darin liegt, dass eben nur ca. 2/3 der Bürger dieses Instrument zur Altersvorsorge nutzen...
5. Wo die Deutschen Geld verschenken ???
Hilfskraft 27.10.2010
Jetzt wieder diese Nummer! Riester ist anerkannter Weise ein Riesenbeschiß und sonst nix. Wenn hier Geld verschenkt wird, dann auf Regierungsebene. Dort fliegen die unsere Euros, wie Karnevalskamellen durch die Gegend. H.
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Sparformen im Überblick
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Die Riester-Rente lohnt sich wegen der staatlichen Förderung. Bis zu 200 Prozent gibt der Staat je nach Einkommen und Familiensituation zum Beitrag des Sparers dazu. Sechs Produkt-Varianten mit Riester-Förderung gibt es: Banksparplan, Fondssparplan, klassische Rentenversicherung, Fondspolice, Bausparvertrag und Baudarlehen.

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Tipps
Zulagenantrag. Eine gute Riester-Rente lohnt sich mehr als eine andere Geldanlage, sofern man die staatliche Förderung aus Zulagen und Steuererstattung mitnimmt. Unterschreiben Sie bei Vertragsschluss dafür einen Dauerzulagenantrag. Dann kommt Ihre Zulage jährlich automatisch. Wer bislang keinen Dauerzulagenantrag gestellt hat, kann dies nachholen. Den Zulagenantrag bekommen Sie immer vom Anbieter, der ihn an die Zulagenstelle weiterreicht. Die Steuererstattung erhalten Sie nachträglich per Steuererklärung.

Volle Förderung. Die Förderung gibt es für Sie nur dann in vollem Umfang, wenn Sie mindestens 4 Prozent ihres Vorjahresbruttoeinkommens minus der Ihnen zustehenden Zulage einzahlen. Wer beispielsweise nur 2 Prozent einzahlt, erhält nur die halbe Zulage. Gleichermaßen gekürzt werden auch eventuelle Kinderzulagen.

Rechner. Überprüfen Sie jährlich, ob Ihr Eigenbeitrag noch für die volle Förderung ausreicht. Der kostenlose Internetrechner der Deutschen Rentenversicherung kann Ihnen helfen. Er steht unter www.deutsche-rentenversicherung.de
Tabelle: Ergebnisse kompakt

Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.

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