Umstrittenes Rentenmodell Riester-Zuschüsse schmelzen weiter

Niedrige Zinsen, zu geringe Beiträge, Zuschüsse nicht ausgeschöpft: Das Riestern lohnt sich für Deutsche immer weniger - auch weil es nicht richtig gemacht wird.

Aktion zur Rentenpolitik in Hannover
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Aktion zur Rentenpolitik in Hannover


Seit Langem gibt es massive Kritik an der Riesterrente. Eigentlich soll die nach dem ehemaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) benannten Zusatzvorsorge das staatlich gewollte Sinken des gesetzlichen Rentenniveaus ausgleichen. Doch wegen der niedrigen Zinsen lohnt sich das Sparmodell immer weniger. Viele Kunden zahlen zu wenig oder gar nichts mehr ein und haben deshalb keinen Anspruch auf die volle Zulage von 154 Euro.

Deshalb werden die staatlichen Zuschüsse einem Zeitungsbericht zufolge auch immer weniger ausgeschöpft. Versicherte hätten im Jahr 2013 im Schnitt nur noch 122,95 Euro Grundzulage erhalten, schreibt die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, die wegen steuerlicher Fristen erst jetzt vorlägen.

Im Jahr zuvor habe die Grundzulage im Durchschnitt noch 124,05 Euro betragen, schreibt das Blatt. Ursache sei, dass viele Beschäftigte nicht genug sparten, um die volle Zulage zu erhalten. Die ausgezahlten Kinderzulagen seien dagegen im Schnitt von 328,13 auf 333,01 Euro angestiegen.

Um sich im Alter nicht nur auf die gesetzliche Rente verlassen zu müssen, sorgen Millionen Bundesbürger zusätzlich vor. Der Staat fördert das private Sparen fürs Alter seit 2002 mit Riester-Verträgen. Neben niedriger Zinsen schmälern in vielen Fällen auch hohe Abschluss- und Vertriebskosten die Rendite.

dab/dpa

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lamblies 10.08.2017
1. Mein Titel
Riester ist ein weiterer Baustein zur Verarmung der normalen Rentner. Zuschüsse zur Versicherungsgesellschaften sollten gestrichen und der Rentenkasse zugeführt werden.
peter-11 10.08.2017
2. Bürokratie
Formularbürokratismus ohne Ende. Herr Riester war ja auch Gewerkschafter und Arbeitsminister, dann wollte er endlich mit der Hannover-Connection und Co. selbst Geld verdienen.
crazy_swayze 10.08.2017
3.
Die Zuschüsse gehören abgeschafft. Stattdessen sollte man die Betriebsrente so stärken, dass Einzahlungen bis zu einer bestimmten Höhe in die Betriebsrente steuerfrei sind und dem ZVE nicht angerechnet werden. Eine weitere effektive Maßnahme gegen Altersarmut wäre, den Menschen Wohneigentum zu ermöglichen, statt hier irgendwelche Mietpreisbremsen einzurichten. Grundsteuer und Grunderwerbssteuer runter, Verbot von Spekulation mit Wohneigentum, wieder mehr Baugrund auszeichnen, und die Kaufpreise kommen wieder in moderate Gefilde. Dazu vll. noch ein Homeoffice-Gesetz, welches Arbeitgeber gesetzlich zwingt, Homeoffice zu erlauben wo es Sinn macht (z.B. Mütter, 100km+ Pendler etc.). Somit hätte man im Alter 3 Säulen: Gesetzliche Rente, Wohneigentum (also reduzierte laufende Kosten) und die zus. Betriebsrente.
fliflaklawitter 10.08.2017
4. Riester war schon immer eine Mogelpackung
Was immer unter den Tisch gekehrt wird ist die Zwangsrentenversicherung, die aus dem angesparten Vermögen abgezweigt wird, um die Zeit nach dem 85. Lebensjahr rententechnisch abzudecken. Als die Riester-Rente durch die Politik vermarktet wurde, wurden hierfür lediglich 8 Prozent der angesparten Gelder veranschlagt. Vor einigen Jahren hat Ökotest sich das mal genauer angesehen und fand heraus, das mitnichten 8 Prozent der angesparten Gelder in diese Rentenversicherung fliessen, sondern durchschnittlich knapp 30 Prozent. Das ist mehr, als allein die Zulagen ausmachen. Wenn man sich nun die durchschnittliche Lebenserwartung - gerade bei Männern - anschaut, dann ist klar, dass das für den Riester-Sparer ein Minusgeschäft ist. Dabei ist es egal, wie die Rente vorher abgeschlossen wurde. Auch bei Fonds und Banksparplänen wird diese Zwangsrentenversicherung fällig. Ich jedenfalls habe meine Riester-Rente daraufhin sofort gekündigt und spare lieber auf eigene Faust. Da kann ich dann auch jederzeit an das Geld wieder dran...
spon-facebook-1293013983 10.08.2017
5. Alles schimpft über die gesetzliche
Ja, die Beiträge müssten steigen, aber wer privat vorsorgt, muss ebenfalls Geld beiseite legen und das nicht zu knapp. Da kann man auch gleich die GRV bezahlen. Wie soll ein privates System, dass abhängig ist vom allg. Zinsniveau und das noch ein Heer von sog. Versicherungsberatern finanzieren muss, sowie die Renditen der dahinter stehenden Gesellschaften günstiger sein, als die gesetzliche Umlagefinanzierung mit ihren weitgehend beratungsfreien und automatisierten Verwaltungsvorgängen?
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