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Risikolebensversicherung: So sparen Frauen bei den Unisex-Tarifen

Die Risiko-Lebensversicherungen für Frauen werden deutlich teurer - weil die Versicherer ihre Tarife für beide Geschlechter anbieten müssen. Wer jetzt noch abschließt, kann kräftig sparen. Die Zeitschrift Finanztest hat die günstigsten Angebote ermittelt.

Bergsteigerin: Risikosportarten kosten bei der Versicherung extra Zur Großansicht
DPA

Bergsteigerin: Risikosportarten kosten bei der Versicherung extra

Frauen müssen bald mehr für eine Risikolebensversicherung bezahlen. Bisher kamen sie wegen ihrer längeren Lebenserwartung günstiger weg als Männer. Darauf weist die Zeitschrift "Finanztest" in ihrer aktuellen Ausgabe hin, in der sie einen Test von Risikolebensversicherungen veröffentlicht. Ab dem 21. Dezember müssen alle Versicherer Unisex-Tarife mit gleichen Beiträgen für Frauen und Männer einführen.

Der Europäische Gerichtshof hatte es 2011 als Diskriminierung verurteilt, das Geschlecht in die Prämienkalkulation einzubeziehen. Die Beiträge müssen für Frau und Mann gleich sein. Das gilt aber nur für Neuverträge. Bestehende Policen müssen nicht angepasst werden. Für Männer hingegen wird es günstiger. Wer erst nach dem Stichtag einen Vertrag abschließt, kann bei einigen Anbietern gut 20 Prozent sparen.

Sicherheit für Angehörige

Sinnvoll ist eine Risikolebensversicherung, wenn Angehörige abzusichern sind. Vor allem junge Familien brauchen Geld, wenn der Hauptverdiener stirbt. Aber auch wenn der Partner stirbt, der sich um die Kinder kümmert, benötigt der andere Geld für die Betreuung der Kinder und für ihre Ausbildung. Erst recht ist die Police nötig, wenn Schulden für eine Immobilie zu tilgen sind.

Eine gesetzliche Rente bekommen Hinterbliebene nur, wenn der Verstorbene mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Außerdem sind diese Renten in der Regel sehr knapp bemessen.

Risikolebenspolicen können preiswert sein. Nur 182 Euro im Jahr zahlt eine 44-jährige Nichtraucherin bei der Hannoverschen für einen Vertrag mit 20 Jahren Laufzeit und 150.000 Euro Versicherungssumme, schreibt "Finanztest". Für jüngere Kunden ist es noch günstiger. Die gleiche Frau würde im Alter von 34 Jahren nur 78 Euro im Jahr zahlen.

Deutlich tiefer müssen Raucher in die Tasche greifen. Einige Versicherer akzeptieren Kunden als Nichtraucher, wenn sie schon seit einem Jahr nicht mehr rauchen, andere verlangen hingegen zehn Jahre Abstinenz.

Gefahrenträchtige Berufe wie Dachdecker oder Feuerwehrmann kosten einen Zuschlag, ebenso gefährliche Hobbys wie Reiten, Drachenfliegen, Motorrad- oder Skifahren. Dasselbe gilt für Kranke und für Kunden, die früher eine schwere Erkrankung hatten. Doch nicht alle Gesellschaften verlangen für jedes Risiko einen Aufpreis. Deshalb sollten Kunden vor Vertragsabschluss Angebote von mehreren Versicherern einholen, rät "Finanztest".

Übergewichtige zahlen mehr

Auch das Körpergewicht zählt. Wer zu viel auf die Waage bringt, zahlt mehr. Alle 33 Gesellschaften im Test wollen von Neukunden Gewicht und Körpergröße wissen. Entscheidend ist der Body-Mass-Index (BMI), der aus Größe und Gewicht errechnet wird.

Beispiel: Eine Frau mit 1,60 Meter Körpergröße hat 60 Kilo Gewicht. Für den BMI-Wert wird die Körpergröße mit sich selbst multipliziert, also 1,60 mal 1,60. Das ergibt 2,56. Dann das Gewicht - also 60 - geteilt durch 2,56. Das ergibt einen BMI von 23,4. Werte zwischen 20 und 25 gelten als normal. Darüber beginnt Übergewicht. Einen BMI von 25 hat beispielsweise ein 1,80 Meter großer Mann, der 81 Kilo wiegt.

Ab BMI 30 beginnt krankhaftes Übergewicht, die Adipositas. Das wären bei dem 1,80-Meter-Mann 97 Kilo. Bei so viel Gewicht nehmen alle Versicherer einen Risikozuschlag, die Asstel sogar schon bei einem BMI über 27. Bei Kunden in fortgeschrittenem Alter akzeptieren einige Anbieter allerdings höhere Werte.

Die Höhe der Zuschläge für Übergewicht ist je nach Versicherer unterschiedlich. CosmosDirekt schlägt meist etwa 30 Prozent auf. Bei besonders hohen BMI-Werten wird individuell berechnet.

Viele Fragen zur Gesundheit

Vor allem werden Zuschläge fällig, wenn die Gesundheit beeinträchtigt ist. Das checken die Versicherer mit einem dicken Fragenkatalog. Hatte der Kunde Vorerkrankungen, verlangen sie einen Aufpreis oder schließen genau diese Erkrankung vom Versicherungsschutz aus. Ist sie später die Todesursache, zahlt der Versicherer dann nicht. Wenn möglich, sollten Kunden solche Ausschlüsse vermeiden und stattdessen lieber einen Risikoaufschlag zahlen.

Auf jeden Fall sollten Kunden bei der Wahrheit bleiben und alles angeben, auch häufige Arztbesuche. Im Versicherungsfall prüfen die Gesellschaften gründlich und starten Kontrollabfragen auch bei Ärzten, bei denen der Kunde schon seit Jahren nicht mehr war.

Hohe Versicherungssumme wählen

Bleibt die Versicherungssumme unter einer Grenze, oft 250.000 Euro, reichen den meisten Gesellschaften die Gesundheitsfragen. Ist sie höher, wollen sie ein ärztliches Attest, ein Belastungs-EKG oder einen Bluttest. Wer da eventuell Probleme haben könnte, sollte sich einen Anbieter suchen, der die Grenze höher zieht. Bei der Huk24 zum Beispiel sind es 400.000 Euro.

Dennoch sollten Kunden die Versicherungssumme nicht zu niedrig ansetzen. Sie sollte etwa beim dreifachen Bruttojahresverdienst liegen, besser sogar beim fünffachen. Wer zunächst nur eine kleine Summe abschließt und sie später erhöhen will, zum Beispiel nach Heirat oder Hauskauf, sollte auf eine Nachversicherungsgarantie achten. Sie stellt sicher, dass der Kunde dann keine neue Gesundheitsprüfung machen muss.

Laufzeit genau kalkulieren

Knapper kalkulieren können Versicherte die Laufzeit. Sie hängt davon ab, wie lange Angehörige abzusichern sind. Oft reicht die Zeit, bis die Kinder aus dem Haus sind und der Partner wieder arbeiten kann. Bei den Leistungen gibt es keine großen Unterschiede, hat "Finanztest" festgestellt. Teure Angebote bieten kleine Extras, die wohl vor allem einen höheren Preis rechtfertigen sollen. Zum Beispiel ein "Kinderbonus", der 20 Prozent mehr Auszahlung in den ersten sechs Monaten nach einer Geburt bietet. Kunden wählen besser gleich eine ausreichende Summe.

Viele Vertreter raten Kunden zu einer Kapitallebensversicherung, gern mit dem Argument: "Dann ist Ihr Geld nicht verloren, Sie erhalten auch eine Auszahlung, wenn Sie nicht sterben." Die Risikolebensversicherung zahlt tatsächlich nur bei Tod.

Doch auch die Kapitalvariante ist letztlich nichts anderes als eine Risikolebenspolice - nur mit angehängtem Sparvertrag. Auch bei ihr ist der Beitragsanteil endgültig verloren, der in die Risikovorsorge fließt. Da ist es besser, Versichern und Sparen zu trennen, empfiehlt "Finanztest".

Die günstigsten drei Angebot für 44-jährige Frauen:

1. Hannoversche (Tarif Fit 1), 182 Euro Jahresbeitrag

2. Huk24 (Tarif W24), 191 Euro Jahresbeitrag

3. Europa (Tarif E-T2), 193 Euro Jahresbeitrag

Die günstigsten drei Angebote für 44-jährige Männer:

1. HUK24 (Tarif W24), 233 Euro Jahresbeitrag

2. CosmosDirekt (Tarif CR), 236 Euro Jahresbeitrag

3. Hannoversche (Tarif Fit1), 281 Euro Jahresbeitrag

(Versicherungssumme bei allen Tarifen 150.000 Euro, Laufzeit 20 Jahre)

Weitere Informationen: Zeitschrift "Finanztest" 9/2012 und www.test.de/risikolebensversicherung

tdf

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insgesamt 10 Beiträge
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1. optional
pömpel 22.08.2012
man fragt sich bei sovielen Fragen, ob es sich überhaupt noch um eine Versicherung handelt, wenn die Versicherungsfirma jegliches Risiko durch EKGs und ähnliches ausschalten wollen. Wenn jeder Kunde sein eigenes Risiko tragen muss, dann ist der Sinn und Zweck der Versicherung (nämlich das Risiko auf viele zu verteilen) irgendwie nicht mehr gegeben.
2. Etwas seltsam
malwasganzneues 22.08.2012
Dieser Artikel ist irgendwie seltsam, denn die Risikolebensversicherung ist wohl so ziemlich die einzige Versicherung, bei der Frauen mehr zahlen müssen als Männer wegen des Unisextarifs. Hat der Spiegel nur Frauen als Leserinnen und keine Männer? Warum wird nicht erwähnt das sich für Männer die Prämien für die private Krankenversicherung stark erhöhen? Und dabei geht es nicht um 30 € im Jahr sondern um 1000 € oder mehr im Jahr. Soll der Artikel so eine Art Geschlechterkampfproganda sein so nach dem Motto "Schaut her wie die armen Frauen benachteiligt werden"?
3. Frage andersherum
grief 22.08.2012
Zitat von pömpelman fragt sich bei sovielen Fragen, ob es sich überhaupt noch um eine Versicherung handelt, wenn die Versicherungsfirma jegliches Risiko durch EKGs und ähnliches ausschalten wollen. Wenn jeder Kunde sein eigenes Risiko tragen muss, dann ist der Sinn und Zweck der Versicherung (nämlich das Risiko auf viele zu verteilen) irgendwie nicht mehr gegeben.
Warum sollte ich als normalgewichtiger Nichtraucher den gleichen Beitrag zahlen wie ein Risikokunde? Die Absicherung kostet für mich eben 4000 EUR für 20 Jahre, für den anderen 6000 EUR, da er ein 1,5-faches Sterberisiko in der Zeit hat. Das ist völlig legitim und nicht ungerecht. Das Risiko bei einem Unfall zu versterben kann auch mit einem EKG nicht ausgeschlossen werden. Es geht bei einer Risikolebensversicherung um die Absicherung der Familie, z.B. um den Kindern später ein Studium zu ermöglichen. Der Kettenraucher mit der dicken Plauze zahlt dann halt 150 oder 200 EUR mehr im Jahr, bekommt die Absicherung aber trotzdem.
4.
saga1310 22.08.2012
Ich frage mich ja immer, wie viele muskulösen Leistungssportler nach BMI-Berechnung Adipositas haben.
5. nicht ganz
nebenjobber 22.08.2012
Zitat von malwasganzneuesDieser Artikel ist irgendwie seltsam, denn die Risikolebensversicherung ist wohl so ziemlich die einzige Versicherung, bei der Frauen mehr zahlen müssen als Männer wegen des Unisextarifs. Hat der Spiegel nur Frauen als Leserinnen und keine Männer? Warum wird nicht erwähnt das sich für Männer die Prämien für die private Krankenversicherung stark erhöhen? Und dabei geht es nicht um 30 € im Jahr sondern um 1000 € oder mehr im Jahr. Soll der Artikel so eine Art Geschlechterkampfproganda sein so nach dem Motto "Schaut her wie die armen Frauen benachteiligt werden"?
in der privaten Unfallversicherung zahlen Frauen ebenfalls deutlich mehr ab 2013. Die Einführung von Unisextarifen halte ich für grundverkehrt, hebelt sie doch das Grundprinzip der Risikokalkulation aus. Das wird bei den Krankenversicherungstarifen in 2013 ein Heidenspaß. Kein Versicherer weiß um die Menge wechselwilliger Damen, die Tarifkalkulation verkommt zur Farce und wird für (noch) häufigere Prämienanhebungen sorgen. "Auch bei ihr ist der Beitragsanteil endgültig verloren, der in die Risikovorsorge fließt. Da ist es besser, Versichern und Sparen zu trennen, empfiehlt "Finanztest". allerdings besteht die Möglichkeit die erwirtschafteten Überschüße aus dem Risikoanteil in einem Fonds anzusparen. Zu dieser Ablaufsumme kann am Vertragsende noch ein Risikoüberschußanteil ( bei weniger Toten als kalkuliert) hinzukommen, die Auszahlung ist übrigens steuerfrei ( ohne Einschränkung mind. 60 oder 12 Jahre MLZ o.ä )
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