Rohkostboykott Deutsche Bauern leiden unter Ehec-Panik

Die Warnung vor frischem Obst und Gemüse zeigt Wirkung: Die Nachfrage nach Rohkost hat dramatisch nachgelassen. Viele Bauern vor allem in Norddeutschland müssen ihre frische Ware entsorgen - der Schaden beträgt mehrere Millionen Euro am Tag.

Landwirt beim Schreddern von Salatköpfen: Existenzbedrohende Ausfälle
DPA

Landwirt beim Schreddern von Salatköpfen: Existenzbedrohende Ausfälle


Düsseldorf - Die sonst wertvollen Lebensmittel taugen derzeit nur noch für den Schredder: Gurken, Tomaten und Salat werden von den Verbrauchern derzeit weitgehend gemieden. Obwohl spanische Importgurken als ein Träger des gefährlichen Darmkeims Ehec identifiziert worden sind, bleiben viele Käufer auch bei deutschem Gemüse skeptisch. Vor allem im Norden Deutschlands bleiben die Bauern wegen der Angst vor den aggressiven Ehec-Keimen auf ihrer frischen Ware sitzen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) beklagt Umsatzeinbrüche in Millionenhöhe. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner sagte: "Wenn die Kaufzurückhaltung so weitergeht, wird der Schaden noch höher werden als zwei Millionen Euro pro Tag." Derzeit sei die Ernte von Freilandsalat sowie von Tomaten und Gurken aus dem Gewächshaus vielerorts in vollem Gange. Einzelne Betriebe könnten in Existenznot geraten.

In Niedersachsen waren Bauern bereits gezwungen, geerntetes Gemüse wegzuschmeißen. Andere ließen die Ernte auf den Feldern und pflügten sie unter, sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland. Allein in Niedersachsen hätten fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert.

Die Erzeugergenossenschaft Landgard mit rund 700 Gemüsebetrieben am Niederrhein berichtete, der Absatz von Salat sei um 70 Prozent eingebrochen. Bei Tomaten und Gurken lagen die Rückgänge bei 25 Prozent. "Insgesamt lässt sich auch bei anderen Gemüseprodukten ein Rückgang von zehn Prozent feststellen", erklärte Landgard, die zu den bundesweit größten der Branche zählt.

Auch Einzelhandel spürt Rückgang der Nachfrage

Deutliche Absatzeinbrüche meldeten auch Bauern in Nordrhein-Westfalen. "Es geht da nicht um eine Kiste, es geht um ganze Lkw", sagte Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Viele Landwirte sind reine Spezialisten: Sie bauen im Treibhaus nur Tomaten oder Gurken an - entsprechend heftig trifft sie die Absatzkrise.

Auch im Lebensmitteleinzelhandel ist die Nachfrage nach Gurken, Salat und Tomaten regelrecht eingebrochen. Verbraucher fragten das Verkaufspersonal verstärkt nach der Herkunft der Ware. Deutschlands größter Handelskonzern Metro verzeichnet nach eigenen Angaben leichte Absatzrückgänge. Bei Gemüse aus Spanien seien die Kunden derzeit eher zurückhaltend.

Spanische Gurken waren am Donnerstag als eine Ursache für die Infektionswelle in den Fokus gerückt, nachdem das Hamburger Hygiene-Institut auf ihnen den Durchfallerreger fand. Die Proben stammten vom Hamburger Großmarkt. Es sei aber nicht auszuschließen, dass weitere Lebensmittel eine Infektionsquelle waren, hieß es.

fdi/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
be99y, 27.05.2011
1. Mehr Kontrollen
Vielleicht kapieren auch mal irgendwann die Erzeuger das mehr Kontrollen gerade auch in ihrem Interesse sind. Leider kann ich nicht schreiben das ich einen Zusammenhang, zwischen Vernumpft und Landwirtschaft erkennen könnte. Von Handel mal ganz zu schweígen.
Neurovore 27.05.2011
2. ...
Zitat von sysopDie Warnung vor frischem Obst und Gemüse zeigt Wirkung: Die Nachfrage nach Rohkost hat dramatisch nachgelassen. Viele Bauern vor allem in Norddeutschland müssen ihre frische Ware entsorgen - der Schaden beträgt mehrere*Millionen Euro am Tag. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,765407,00.html
Ja, da hilft aber doch ein schnöder Bericht nicht weiter.... Hier muß ein *+++Liveticker+++* her mit eingeblendetem Spendenkonto. Ich möchte Wörter wie "systemrelevant" und "alternativlos" lesen; am besten in Verbindung mit "Rettungsschirm" und "Sofort-Milliarden-Hilfe". Man sollte sich zudem an Italien ein Beispiel nehmen (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,765230,00.html) und das RKI verklagen und alle Ehec-Infizierten gleich mit...
wolfrich 27.05.2011
3. Ungeeignetes Wording
ich verstehe in diesem Zusammenhang nicht, weshalb man bei der Bedrohung durch einen Erreger wie EHEC von "Panik" spricht. Welche form der Reaktion wird denn erwartet? Ignoranz? Schwer vorstellbar, dass Menschen nicht mit Präventivmaßnahmen reagieren, wenn Lebensmittel als lebensbedrohlich hingestellt werden. Was angebracht wäre ist, dass die Medien fehlende Fakten nicht durch Vermutungen ersetzen. Das wäre mal hilfreich.
Schah.Wenzel 27.05.2011
4. [{-_-}] ZZZzz zz z...
Kein Mensch in BRD hat Panik, auch dann nicht, wenn SpOn nicht müde wird, so einen fragwürdigen Unsinn auf Tagesbasis zu verbreiten. Liebe Leut' in Hamburg, könnt Ihr vielleicht mal langsam Abstand von der Idee nehmen, Euch den drei, vier einschägigen Konkurrenzblätter annähren zu wollen? Ich wage die These, daß das nicht einen einzigen, zusätzlichen hit generiert; die Leser dieser Blätter bleiben dann doch lieber beim Original. Und ich bin der Überzeugung, daß der gemeine SpOn-Leser eher etwas mehr nach Seriosität verlangt. Danke.
tobilechat 27.05.2011
5. Die nächste Pandemie?
Zitat von sysopDie Warnung vor frischem Obst und Gemüse zeigt Wirkung: Die Nachfrage nach Rohkost hat dramatisch nachgelassen. Viele Bauern vor allem in Norddeutschland müssen ihre frische Ware entsorgen - der Schaden beträgt mehrere*Millionen Euro am Tag. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,765407,00.html
Da können also nun die Medien wieder eine Sau durch's Dorf treiben und Pharmariesen sich die Hände reiben. Keine Panik, Leute, bald gibt's ein Gegenmittel, das wird für alle eingelagert und verrottet dann, auf eure Kosten. Ehec ist uninteressant und lenkt lediglich von Wichtigerem, wie zum Beispiel dem Atomausstieg ab. Ob ihr an EHEC krepiert oder nicht, das ist mehr oder weniger Schicksal, selbst wenn ihr euch die Rohkost aus ungewaschenem Gemüse tonnenweise reinschaufelt. Und selbst wer noch so Bio isst muss und wird sterben.
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