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EU-Blockade gegen russische Banken: Was die Sanktionen für deutsche Sparer bedeuten

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Zentrale der Denizbank in Istanbul: Fast 100-prozentige Tochter der Sberbank Zur Großansicht
REUTERS

Zentrale der Denizbank in Istanbul: Fast 100-prozentige Tochter der Sberbank

Banken wie Denizbank oder VTB zahlen die höchsten Zinsen in Deutschland. Das Problem: Sie gehören russischen Finanzkonzernen, die nun von EU-Sanktionen betroffen sind. Müssen deutsche Sparer um ihr Geld fürchten?

Hamburg - In Zeiten von Nullzinsen klingen 2,5 Prozent aufs fünfjährige Festgeld ziemlich verlockend. Da ignoriert mancher deutsche Kleinanleger gerne mal, was sich hinter der Abkürzung VTB verbirgt: Die zweitgrößte russische Bank nämlich, ehemals Vneschtorgbank, und zu mehr als 60 Prozent im Besitz des russischen Staates.

Damit ist VTB eines der Ziele, gegen die sich die neuen Finanzsanktionen der EU richten: Russische Geldinstitute, die mehrheitlich dem Staat gehören, sollen sich an westlichen Märkten bald kein Kapital mehr besorgen können. Zudem wird es für russische Banken immer schwerer, sich im eigenen Land Geld zu leihen: Die Wirtschaft schlittert auf die Rezession zu, laut der Zentralbank in Moskau flossen im ersten Halbjahr 2014 75 Milliarden Dollar aus Russland ab.

Von den Sanktionen könnten gleich mehrere in Deutschland tätige Banken betroffen sein. Neben der VTB Direktbank auch die Alfa-Bank-Tochter ATB und zwei Töchter der Sberbank Chart zeigen: die türkische Denizbank, die ebenfalls für ihre hohen Zinsen bekannt ist, und die Sberbank Direct, die erst seit einigen Tagen in Deutschland aktiv ist.

Ist das Geld deutscher Anleger in Gefahr?

Die russischen Mutterunternehmen könnten nun versucht sein, mit dem Geld von Kleinanlegern zumindest teilweise die Kapitallöcher zu stopfen, die die Sanktionen reißen. Mit ihren hohen Zinsversprechen hat die VTB Direktbank bis Ende 2012 2,5 Milliarden Euro bei deutschen Anlegern eingeworben. Sind die nun in Gefahr?

Wolf Brandes, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Hessen, gibt Entwarnung: "Jetzt Konten zu plündern halte ich nicht für angezeigt", sagt der Verbraucherschützer. Es sei noch gar nicht klar, wie sich die Sanktionen auf die Mutterkonzerne konkret auswirkten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters und der "Wiener Zeitung" sind sogar Ausnahmen für die Banken-Töchter im Gespräch.

Denn rechtlich sind die fraglichen Geldhäuser gar keine russischen Banken. Die VTB Direktbank und die beiden Sberbank-Töchter sind in Österreich angemeldet und unterliegen damit auch der dortigen Einlagensicherung. Die ATB ist ein niederländisches Unternehmen.

Bei der österreichischen "Einlagensicherung für Banken und Bankiers" sind wie in allen EU-Staaten Geldanlagen bis zu 100.000 Euro voll versichert - inklusive der garantierten Zinsen. Die Grenze gilt allerdings pro Anleger, nicht pro Konto. Im Fall einer Bankenpleite kommt in Österreich die Hälfte der zu ersetzenden Summe von anderen Banken, für die anderen 50.000 Euro springt der österreichische Staat ein. Nach maximal 30 Tagen sollen Anleger ihr Geld haben.

Hinter den Banken stehen solvente Länder

Hinter österreichischen Banken steht also ein recht solventer Staat mit einem fast so guten Kreditrating wie Deutschland. Auch die Niederlande, wo die ATB zu Hause ist, gelten trotz der derzeitgen Wirtschaftskrise als finanziell stabil.

"Es gibt keinen Fall, in dem Anleger in Österreich versicherte Einlagen nicht zurückerhielten", sagt Harald Podoschek von der österreichischen Einlagensicherung. Bei Bankenpleiten in Österreich in der Vergangenheit, wie zuletzt die der Trigon-Bank im Jahr 2001, erhielten Anleger auf Antrag alle versicherten Ersparnisse zurück.

Ausländische Einlagensicherung, aber in einem wirtschaftlich stabilen Land - wird schon gut gehen. So dachten allerdings auch die deutsche Sparer, die ihr Geld bis 2008 zur isländischen Kauphting-Bank trugen, bevor die mitsamt dem Rest des überdimensionierten isländischen Bankensektors unterging. Deutsche Kleinanleger wurden erst nach Monaten des Bangens entschädigt.

Nicht wegen 0,3 Prozent beim Tagesgeld ins Ausland gehen

Doch selbst wenn die westlichen Finanzsanktionen russische Banken in den Ruin trieben, würde Österreich kaum ein zweites Island. Die russischen Töchter sind kleine Fische im Finanzsystem des deutschen Nachbarlandes: Unter den 20 Geldinstituten mit der größten Bilanzsumme taucht keine von ihnen auf.

Generell rät Verbraucherschützer Brandes aber trotzdem zur Vorsicht bei Anlagen bei ausländischen Banken: "Wenn man auf Nummer sicher gehen will, sollte man bei einer Bank mit deutscher Einlagensicherung bleiben." In jedem Fall vermeide man bürokratischen Schriftverkehr mit dem Ausland: "Sein Geld von einer ausländischen Einlagensicherung zurückzubekommen, kann sich hinziehen", warnt Brandes.

Diesen Stress und die Angst um die Ersparnisse seien viele Angebote einfach nicht wert, findet Finanzexperte Brandes: "Wegen 0,3 Prozent Differenz beim Tagesgeld sollte man wirklich nicht ins Ausland gehen."

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insgesamt 25 Beiträge
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1. kurzfristiges Denken
pandur1234567@yahoo.com 31.07.2014
1.Dieses Gefecht werden wir gewinnen. Aber Russland wird daraus lernen u sich dementsprechend umbauen. Wenn wir Russland brauchen werden, in 10 bis 20 Jahren werden wir eine saftige Quitung bekommen.Ein sehr kurzfristiges Politikerdenken. Amerika hat sich aber ja schon immer seine Feinde selbst geschaffen u unsere Politiker hecheln hinterher. 2.Wir bezahlen 40 Mrd. um Russland um 23 Mrd. zu schädigen. Wir haben es ja oder gibt es Länder in der Eu die in einer Krise stecken und die Krise ist noch nicht vorbei? 3. Wenn diese 40 Mrd. die durch den Sanktionskrieg allein in der Eu vernichtet werden in die Ukraine gesteckt werden würden, dann wäre die Ostukraine schnell bei Europa.
2. Immer Beruhigen
frank1980 31.07.2014
Die Experten beruhigen die Menschen, und bringen erstmal die eigenen Schäfchen ins trockene. Wenn ich Geld in Russland angelegt hätte würde es eher heute als morgen in Sicherheit bringen.
3. @2
rittal 31.07.2014
auch ich hätte mein Geld in Sicherheit gebracht. Allerdings nicht jetzt, sondern bereits vor einigen Monaten. Dass die ukr. Regierung die Kriegshandlungen nicht deeskalieren würde, um Russland vor Sanktionen des Westens zu bringen, war sehr offensichtlich. Wir zahlen die Rechnung mit. Wobei, mein tiefstes Mitleid an die ukr. Bevölkerung gilt, deren Grundbedürfnisse in größter Gefahr stehen.
4. @pandur
kakadu 31.07.2014
Du prophezeist die Rache Russlands und möchtest, daß die EU sofort einlenkt? Um es noch grotesker zu machen, erkennst du bei anderen eine kurzfristige Denkweise? Die Logik erschließt sich mir nicht ganz. Aber es geht darum der Ungerechtigkeit einen No-Go zu erteilen. Russland hat unrechtmäßig einen Teil der Ukraine eingenommen. Schon vergessen? Du erwartest wirklich, daß jeder sich vor Russland fürchten soll und opportunistisch nur an sich selbst denken? Es geht um mehr als die 2 Euro Fuffzig, die einem der nächste Winter kosten könnte. Vielleicht geht es um eine neue Ordnung. Zum Beispiel eine Ordnung, in der USA eine andere Rolle spielt als sie es bisher getan hat. Dafür muss die EU seinen Teil der Verantwortung für die Welt übernehmen. Es existieren bereits genug Opportunisten in dieser Welt, die egoistisch und an den StatusQuo klammern. Wir müssen uns nicht auch so verhalten. Das ist keine wahre Größe
5.
pepe_sargnagel 31.07.2014
Zitat von sysopREUTERSBanken wie die Denizbank oder VTB zahlen die höchsten Zinsen in Deutschland. Das Problem: Sie gehören russischen Finanzkonzernen, die nun von EU-Sanktionen betroffen sind. Müssen deutsche Sparer um ihr Geld fürchten? http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/russland-sanktionen-festgeld-bei-toechtern-wie-denizbank-nicht-bedroht-a-983607.html
Interessant ist das alles schon. Aber weiß denn die Öffentlichkeit wirklich so genau wer hinter den "deutschen Unternehmen" steht. Viele DAX-Unternehmen haben ja auch nur ihren Sitz hier, aber die Eigentümerstruktur offenbart, dass dieses Unternehmen im Besitz von Ausländern ist. Insofern könnten möglicherweise nicht nur Banken, sondern auch Chemie- oder Pharmahersteller sowie Autozulieferer in russischer Hand sein. Was würde das für die anderen Konzerne hier bedeuten? Welche Auswirkungen haben die Sanktionen insgesamt auf deutsche Einkommen und Vermögen? Da gehören auch Arbeitsplätze und Löhne dazu (könnten da nicht ein paar wegfallen? Wenigstens haben das die Verbände schon vorher angekündigt) und nicht nur Spareinlagen - ich finde das Thema, das man hier eröffnet hat sehr spannend. Man kann da noch einiges tiefer gehen und es wäre schön, wenn es einer täte. Das wäre schon interessant. Vor allem öffnet es die Augen, wie global und verflochten die Strukturen mittlerweile sind. Lesenswertes hierzu: "Die ETH Zürich liefert das intellektuelle Basismaterial für die Occupy-Wall-Street-Bewegung. Sie zeigt, wie eine Gruppe von nur 147 Finanzkonzernen praktisch die gesamte Weltwirtschaft kontrolliert. UBS und Credit Suisse mischen ganz vorne mit." (Quelle: http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/aktuell/1921/ ) "When the team further untangled the web of ownership, it found much of it tracked back to a "super-entity" of 147 even more tightly knit companies - all of their ownership was held by other members of the super-entity - that controlled 40 per cent of the total wealth in the network. "In effect, less than 1 per cent of the companies were able to control 40 per cent of the entire network," says Glattfelder. Most were financial institutions. [...] John Driffill of the University of London, a macroeconomics expert, says the value of the analysis is not just to see if a small number of people controls the global economy, but rather its insights into economic stability. [...] So, the super-entity may not result from conspiracy. The real question, says the Zurich team, is whether it can exert concerted political power. Driffill feels 147 is too many to sustain collusion. Braha suspects they will compete in the market but act together on common interests. Resisting changes to the network structure may be one such common interest." (Quelle: http://www.newscientist.com/article/mg21228354.500-revealed--the-capitalist-network-that-runs-the-world.html#.U9n3TKM0-W8 )
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