Entschädigung für Fluggäste Verbraucherportal verklagt Ryanair wegen Streik

Das Fluggastrechteportal Flightright will nach dem Streik bei Ryanair Entschädigung für Kunden einklagen. Begründung: Der Billigflieger habe den Arbeitskampf selbst heraufbeschworen.

Ryanair-Maschinen am Flughafen Hahn
DPA

Ryanair-Maschinen am Flughafen Hahn


Das deutsche Fluggastrechteportal Flightright hat wegen des Streiks bei Ryanair Klage gegen den irischen Billigflieger eingereicht. "Wir kämpfen dafür, dass Fluggäste zu ihrem Recht kommen", sagte Flightright-Rechtsexperte Oskar de Felice dem "Handelsblatt". Der Streik sei "die logische Konsequenz von Ryanairs fragwürdiger Personalpolitik".

Ryanair habe durch "jahrelanges Lohndumping und Salamitaktik bei Gesprächen mit den Gewerkschaften einen solchen Streik heraufbeschworen", sagte de Felice. Deshalb bestünden "keine Zweifel", dass Ryanair verpflichtet sei, seinen Kunden Entschädigungen für den Flugausfall zu zahlen.

Die Klage von Flightright wurde vor dem Landgericht Frankfurt am Main eingereicht. Ryanair hatte erklärt, seine Passagiere nicht für Flugausfälle und -verspätungen infolge des Streiks vom vergangenen Freitag zu entschädigen. Alle betroffenen Kunden seien rechtzeitig umgebucht worden oder hätten den Preis des Flugtickets zurückerhalten, hieß es.

Laut einer EU-Verordnung haben Passagiere Anspruch auf eine Entschädigung bei Annullierungen oder Verspätungen von Flügen - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber ebenso wie widriges Wetter als einen solchen Umstand. Verbraucherschützer haben an dieser Sichtweise allerdings rechtliche Zweifel.

Ryanair teilte mit, man komme allen Vorschriften der EU-Verordnung vollständig nach. "Da diese Flugstreichungen jedoch durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurden, ist keine Entschädigung fällig." Die Gewerkschaft handele "ungerechtfertigt und völlig außerhalb der Kontrolle der Fluggesellschaft".

Wenn Kunden via Flightright klagen wollen, müssen sie dem Portal eine Vollmacht erteilen, um die Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft durchzusetzen. Im Erfolgsfall tritt Flightright einen Teil der Entschädigungssumme ab. Das Portal trägt alle Kosten der Klage - auch wenn diese verloren wird. Kunden können also ohne rechtliches Risiko eine Entschädigungsforderung durchsetzen.

Ver.di verhandelt für Kabinenpersonal

Bei Ryanair waren vergangene Woche Piloten in den Ausstand getreten. Das Unternehmen sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Ryanair bestreitet dies. Erst im vergangenen Jahr hatte sich Ryanair nach langem Druck grundsätzlich bereit erklärt, Gewerkschaften anzuerkennen. An diesem Mittwoch startet die Gewerkschaft Ver.di in der irischen Hauptstadt Dublin Tarifverhandlungen für die rund tausend Kabinenbeschäftigten der Fluggesellschaft in Deutschland.

BBC-Doku: Die Geschichte von Ryanair und easyjet

mmq/AFP



insgesamt 15 Beiträge
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jockyx 15.08.2018
1. Richtig so.
Ryanair, aber auch anderen Billigfliegern (allen voran auch Eurowings) gehört mal so richtig eine vor den Latz geknallt. Die Rechte der Besatzungen und somit auch die der Passagiere mit Füßen treten und sich dann wundern wenn dieses nicht klappt. Widerlich. Raubtierkapitalismus.
peterpeterweise 15.08.2018
2. Am Streik ist doch prinzipiell immer der andere schuld
Diese Begründung ist Unsinn. Hat schon einmal jemand erlebt, dass in Tarifverhandlungen eine Partei gesagt hat, unsere Seite ist schuld an der Eskalation? Nein. Es ist immer der andere schuld. Selbst wenn in Firmen mit erstklassigen Tarifverträgen und starken Arbeitnehmerrechten gestreikt wird, verkünden die Streikenden, dass sie nur streiken, weil die Gegenseite nicht angemessen auf ihre Forderungen reagiert habe. Wie soll es denn sonst laufen? Es wäre keine Tarifautonomie, wenn es kein Streikrecht gäbe. Zur Tarifautonomie gehört aber auch das Recht der Arbeitgeber, weniger anzubieten als die Forderungen betragen. Wenn man dies gelten lässt, dann gibt es kein "Schuldprinzip" am Streik, sondern nur ganz normale Tarifverhandlungen mit Arbeitskampfmaßnahmen.
lutfikus 15.08.2018
3. Streik
wird normalerweise als höhere Gewalt angesehen. Somit sind die Fluggesellschaften raus aus der Verantwortung. Dass es hier anders läuft kann ich mir nicht vorstellen ... aber gut. Fragwürdig finde ich allerdings, dass im Artikel das kommerzielle Unternehmen "Flight Rights" als Robin Good und selbstloser Rächer beworben wird. Dies, obwohl Flight Rights in letzter Zeit umfänglich die "kostenlosen" weil aus öffentlichen Mitteln finanzierten Schiedsstellen vorgeschickt hat, um eigene Kosten der Allgemeinheit aufzubürden. In klären Fällen, von denen ich bereits zwei für mich erfolgreich durchgesetzt habe, gehe ich deshalb folgendermassen vor: - Ein (1) Schreiben mit Festzsetzung der Forderung inkl. Frist an die Fluggesellschaft. - Bei verstrichen der Frist oder negativem Bescheid einschalten eines Anwaltes. Erfahrungsgemäß knicken die Fluggesellschaften kurz vor einen Gerichtstermin ein. Vorteile: - Ich bekomme die volle Entschädigung und muss davon nichts an eine auf Gewinn ausgerichtete Organisation abführen. - Die Fluggesellschst muss zusätzlich noch den Anwalt zahlen und wird für ihre ignorante Taktik mit nich höheren Kosten abgestraft. Würde dies vom Grossteil der Fluggäste so gehandhabt, wäre die Motivation für die Fluggesellschaften, frühzeitig einzulenken deutlich grösser
jomai 15.08.2018
4. @luftikus bezüglich Streik
Sie sollten den Richtern am EuGH mal erklären dass Streiks höhere Gewalt sind, denn die sehen das aktuell anders. ;-) Insofern ist die Klage von Flightright nicht unbedingt mit hohem Risiko verbunden.
espressotime 15.08.2018
5.
Ganz einfach, Ryanair boykottieren und vermeiden. Dieser Fluggesellschaft traue ich alles zu, nur keine Kundenfreundlichkrit.
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