Immobilien und Co. Geldprofis warnen vor neuen Spekulationsblasen

Oldtimer, Bordeaux, Briefmarken: Aus Angst vor Inflation scheint keine Geldanlage zu exotisch, auch Immobilien sind derzeit sehr gefragt. Doch bei vielen Sachwerten entstehen neue Spekulationsblasen, sagen Experten. Den besten Schutz könnte am Ende die gute, alte Aktie bieten.

Von Andreas Nölting

Oldtimersammlung: Für wohlhabende Privatanleger ein beliebter Inflationsschutz
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Oldtimersammlung: Für wohlhabende Privatanleger ein beliebter Inflationsschutz


Hamburg - Reale Werte sind im Moment sehr beliebt - daran wird Peter Reichel jeden Tag erinnert. Aus den Räumen der Privatbank Berenberg schaut er über die Alster auf den feinen Hamburger Stadtteil Uhlenhorst. Dort sind die Immobilienpreise 2011 nach den jüngsten Zahlen eines Maklers um satte 19,6 Prozent gestiegen.

Reichel ist bei Berenberg Chef der privaten Vermögensverwaltung. Seine sehr wohlhabende, konservativ agierende Klientel präferiert sichere Anleihen - deshalb muss sie sich mit weitaus geringeren Renditen zufriedengeben, in der Regel weniger als zwei Prozent. Das reicht nicht einmal, um die Inflation von 2,3 Prozent auszugleichen: Der Vermögenswert wird Stück für Stück aufgezehrt.

Vor Aktien schrecken viele von Reichels Anlegern zurück. Ihnen steckt der jüngste Börsencrash noch in den Knochen. Dabei haben viele private und institutionelle Anleger Cash im Überfluss. "Die Investoren sitzen auf einer hohen Liquidität", beobachtet Reichel, "es kommen enorme Summen rein, die angelegt werden müssen." Nur wie? Im Rentenbereich finde er kaum noch interessante Chancen, meint der Anlage-Stratege und gesteht: "Wir können die Flucht in Sachwerte nachvollziehen."

Gemälde, Oldtimer, Briefmarken, Weine, Diamanten, Gold und natürlich Immobilien - die Furcht vor einer drohenden Inflation, das Misstrauen gegenüber der Krisenwährung Euro und der Wunsch nach Vermögenserhalt treibt Sparer in Anlageklassen, die jahrelang ein Schattendasein führten und von den Profis bisher nur als "Beimischung" im Portfolio genutzt wurden.

Nun stellen sich immer mehr vermögende Anleger einen schicken Ferrari in die Garage oder lagern Tausende Flaschen teuren Bordeaux im Keller, in der Hoffnung, die Luxusgüter später zu höheren Preisen weiterverkaufen zu können.

Wie realistisch ist eine galoppierende Inflation?

Berenberg hat auf diesen Trend längst reagiert und die Tochtergesellschaft Art Advice gegründet. Erfahrene Experten bieten der reichen Klientel umfängliche Hilfe beim Aufbau einer eigenen Kunstsammlung, sie beraten beim Einkauf edler Weine und kennen sich mit "Classic Cars" aus.

Doch ist das Szenario von einer galoppierenden Inflation tatsächlich realistisch? Sind nicht viele angeblich inflationsfeste Sachwerte wie Immobilien oder Gold ebenfalls längst überbewertet? Drohen hier neue Spekulationsblasen zu platzen?

Sicher, der ökonomische Grundsatz, dass zu viel Geld die Inflation treibt, ist nicht aufgehoben. Und spätestens seit der italienische EZB-Präsident Mario Draghi die "Dicke Bertha" herausholte und europäischen Banken rund eine Billion Euro zu extrem günstigen Zinsen bereitstellte, werden auch professionelle Betrachter nervös.

Zwar parke das Geld noch zwischen den Geschäftsbanken und der Europäischen Zentralbank, meint DWS-Chefökonom Johannes Müller. Doch wenn die Liquidität ihren Weg in die reale Wirtschaft zu Unternehmen und Konsumenten fände, dann werde es für die Zentralbanker sehr schwer, diese Summen wieder einzusammeln: "Ich sehe zwar kein Horrorszenario à la Weimar, doch eine Inflationsrate zwischen vier und sechs Prozent schließe ich für die kommenden Jahre nicht aus." Exogene Schocks wie ein Krieg zwischen Israel und Iran und die in der Folge steigenden Ölpreise könnten ein Auslöser sein.

Anleger sollten ihre Scheu vor dem Aktienmarkt ablegen

Ähnliche Sorgen macht sich Johannes Reich, Partner der Frankfurter Privatbank Metzler. Wenn das EZB-Geld von den Geschäftsbanken über zu billige Kredite zu den Konsumenten und den Unternehmen gelange, sei die Gefahr erheblich, dass die Inflation anspringe, da die Geldmenge dann schneller wachse als die Produktivität: "Die wichtigste Frage ist, wo die Überschussliquidität hingeht. Wo entsteht die nächste Blase?"

Die ist möglicherweise längst da. "Im Immobilienbereich haben wir bereits deutliche Preiserhöhungen gesehen," meint Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank. Bestimmt nicht jedes Objekt könne in zwei, drei Jahren zu den Einstandspreisen von heute verkauft werden - auch wenn es weiterhin sehr lukrative Renditechancen gebe. Eine paradoxe Situation: Gerade weil Anleger verhindern wollen, dass die Inflation ihr Vermögen verringert, investieren sie möglicherweise in Anlageklassen, in denen noch größere Verluste drohen. Schickentanz rät Anlegern, die sich vor Inflation schützen wollen, deshalb eher zu Anleihen, die in nordeuropäischen Währungen notieren oder auch in australischen oder kanadischen Dollar.

Auch den starken Anstieg des Goldpreises sehen die Geldprofis als Vorboten einer inflationären Entwicklung. "Mit sämtlichen Goldreserven auf der Welt könnte ich 16 Mal ExxonMobile sowie fast alle Ländereien der USA kaufen," sagt DWS-Aktienstratege Henning Gebhardt und hält diese Entwicklung für "ungesund".

"Gold hat wirklich keinen Nutzen"

Womöglich sollten Anleger, die sich vor inflationären Entwicklungen schützen wollen, ihre Scheu vor dem Aktienmarkt ablegen. Denn auch Aktien zählen zu den Realwerten. Sie bündeln das Produktiv- und Kreativvermögen eines Unternehmens und bieten damit begrenzten Schutz vor Inflation. Gebhardt rät daher zu Titeln aus der Nahrungsmittelindustrie wie etwa Nestlé Chart zeigen oder Coca Cola Chart zeigen. Diese Konzerne könnten die Preiserhöhungen an ihre Kunden weiterreichen, hätten eine gute Bilanz, ordentliche Wachstumschancen und verkauften ihre Produkte weltweit. Weniger Chancen sieht er für die Autoindustrie, die höhere Preise nicht mal eben auf ihre Kunden abwälzen könne.

Dieser Anlagestil erinnert an Investments des legendären US-Milliardärs Warren Buffett. Kürzlich lästerte der gegenüber dem Wirtschaftssender CNBC über den hohen Goldpreis: "Gold hat wirklich keinen Nutzen. Ich setze lieber auf einen guten Produktionsbetrieb."

Buffett sieht sich mit diesem Investmentstil gegen die drohende Inflation gewappnet. Denn dass die Preise wegen des hohen US-Defizits und der laschen Geldpolitik der US-Zentralbank bald kräftig steigen werden, hält der Anlage-Guru und bekennende Zyniker für ausgemacht: "Das ist so, als ob Sie aus einem 50-stöckigen Gebäude springen. Während der ersten 45 Stockwerke verändert sich nicht viel. Aber dann schlägt man brutal auf."



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Seite 1
tlogor 18.03.2012
1. Die Ratschläge kann sich der Spiegel sparen
Die Finanzhaie haben natürlich grosses Interesse, dass viele Privatanleger als Manövriermasse in Aktien investiert sind. Der Profianleger hat dann innerhalb von Millisekunden verkauft und der Privatanleger bleibt auf seinen Verlusten sitzen.
wwwwebman 18.03.2012
2. "Gold hat wirklich keinen Nutzen."
genau! und gold bringt ja auch keine zinsen und so... (herzhaftes gelächter - und einen schönen gruß an meinen "bankberater", der mir vor 10 jahren den gleichen blödsinn erzählt hat ;-))
jfpublic 18.03.2012
3. Ganz anders Prof. Sinn
Zitat von sysopDPAOldtimer, Bordeaux, Briefmarken: Aus Angst vor Inflation scheint keine Geldanlage zu exotisch, auch Immobilien sind derzeit sehr gefragt. Doch bei vielen Sachwerten entstehen neue Spekulationsblasen, sagen Experten. Den besten Schutz könnte am Ende die gute, alte Aktie bieten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,821400,00.html
Dieser Beitrag ist mal wieder "Mainstream" und wäre vor drei Jahren vielleicht nützlich gewesen. Prof. Sinn meinte zum Vermögensschutz lapidar: er sei Wissenschaftler und kein Anlageberater, aber die Immobilienpreis in D seien unter denen in osteuropäischen Metropolen. Der Bauboom beginne erst. Hat schon mal jemand versucht in einem Crash Rotwrinoder Ferraris zu verkaufen? Grosser Name schützt nicht vor Platitüden.
vincent1958 18.03.2012
4. Auch..
Zitat von sysopDPAOldtimer, Bordeaux, Briefmarken: Aus Angst vor Inflation scheint keine Geldanlage zu exotisch, auch Immobilien sind derzeit sehr gefragt. Doch bei vielen Sachwerten entstehen neue Spekulationsblasen, sagen Experten. Den besten Schutz könnte am Ende die gute, alte Aktie bieten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,821400,00.html
...ich erlebe täglich in meinem Berufsleben die Flucht der Menschen in Sachwerte..hier speziell in "Beton Gold".Viele Eigenheimbesitzer lassen sich auf ihrem Dach eine Photovoltaikanlage instllieren;nicht nur wg.der vergleichsweise guten Renditen sondern vor allem um den Strom zu einem gewissen Teil selber zu verbrauchen um weiteren imensen Strompreiserhöhungen entgegen zu wirken.
pth 18.03.2012
5. „Geld noch zwischen den Geschäftsbanken“ ??
... ist das Geld eventuell in Geldtransportern in der Tiefgarage geparkt? Dann ist es auch verständlich, dass die Anleger wieder in Aktienanlagen gelockt werden sollen, dort ist es dann wohl „sicherer“. Bei „enorme Summen ..., die angelegt werden müssen“ wäre allerdings eine höhere Besteuerung angebracht.
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