Krankenversicherung Säumige Mitglieder schulden Kassen 2,15 Milliarden Euro

Viele Versicherte können ihre Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlen. Ihre Schulden bei den Kassen sind im vergangenen Jahr drastisch auf mehr als zwei Milliarden Euro gewachsen. Zumindest sollen die bislang üblichen Wucherzinsen per Gesetz deutlich gekürzt werden.

Krankenversicherungskarten: Schulden säumiger Zahler steigen stark
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Krankenversicherungskarten: Schulden säumiger Zahler steigen stark


Berlin - Innerhalb eines Jahres sind die Schulden säumiger gesetzlich Versicherter bei ihren Krankenkassen drastisch gestiegen: Die Rückstände wuchsen bis Anfang 2013 um 620 Millionen auf 2,15 Milliarden Euro an, wie eine Übersicht des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung belegt, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Demnach belaufen sich die aktuellen Forderungen der Kassen auf gut 870 Millionen Euro. Mit weiteren 1,27 Milliarden Euro stehen Selbstzahler in der Kreide, also im Wesentlichen freiwillig Versicherte, deren Beiträge nicht automatisch über die Arbeitgeber gezahlt werden. Auch diese Forderungen schlagen sich bei den Kassen zumindest befristet nieder.

Säumige Krankenversicherte geraten bislang schnell in noch größere Probleme. Grund dafür sind die üppigen Zinsen von bis zu 60 Prozent im Jahr, die Krankenkassen von ihnen verlangen. Die Bundesregierung will den Wucherzinsen jedoch ein Ende bereiten, wie Anfang März bekannt wurde. Ein Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) gegen das Problem der Beitragsschulden soll bereits in der kommenden Woche das Bundeskabinett passieren. Die Abstimmung innerhalb der Bundesregierung sei abgeschlossen, bestätigte eine Sprecherin.

Notlagentarif für Privatversicherte geplant

Im Kern zielt das geplante Gesetz darauf ab, dass der derzeit geltende Säumniszuschlag von fünf Prozent im Monat drastisch gesenkt wird. Die Zinsen sollen für säumige gesetzlich Versicherte künftig noch ein Prozent pro Monat betragen. Vertreter von gesetzlichen und privaten Krankenkassen hatten das Vorhaben begrüßt. Bislang profitierten sie nur wenig von den hohen Zinsen, weil die Schulden häufig nicht zurückgezahlt werden können. Selbst mit Pfändungen kommen die Kassen kaum an das ausstehende Geld heran.

Auch für Privatversicherte plant die Koalition neue Regeln. Säumige Zahler sollen in einen Notlagentarif überführt werden. Konkret würde die Versicherung dann nur noch die Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzen sowie Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft abdecken.

Die Zahl der Nichtzahler war gestiegen, nachdem die Versicherungspflicht eingeführt wurde - 2007 für die gesetzliche, 2009 für die private Krankenversicherung. Die Regierung hatte sich für diesen Schritt entschieden, weil eine steigende Zahl von Menschen keine Krankenversicherung hatte. Doch vor allem kleine Selbstständige können die Beiträge hunderttausendfach nicht zahlen.

fdi/dpa

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
Plasmabruzzler 03.04.2013
1.
Zitat von sysopDPAViele Versicherte können ihre Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlen. Ihre Schulden bei den Kassen sind im vergangenen Jahr drastisch auf mehr als zwei Milliarden Euro gewachsen. Zumindest sollen die bislang üblichen Wucherzinsen per Gesetz deutlich gekürzt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/saeumige-zahler-schulden-krankenkassen-mehr-als-zwei-milliarden-euro-a-892192.html
Nicht so schlimm, die Kassen haben ein großes Polster, s. 19,5 Milliarden Überschuss: Reiche Krankenkassen rechnen sich arm - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/19-5-milliarden-ueberschuss-reiche-krankenkassen-rechnen-sich-arm-a-819872.html)
JustusBrack 03.04.2013
2. Danke.
Aus diesem Artikel habe ich Wertvolles gelernt: Schwangerschaft und Mutterschaft bedeuten Krankheit! Bislang dachte ich Dummerchen, es wäre das Natürlichste der Welt. So kann man sich irren.
kuddel37 03.04.2013
3.
Zitat von sysopDPAViele Versicherte können ihre Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlen. Ihre Schulden bei den Kassen sind im vergangenen Jahr drastisch auf mehr als zwei Milliarden Euro gewachsen. Zumindest sollen die bislang üblichen Wucherzinsen per Gesetz deutlich gekürzt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/saeumige-zahler-schulden-krankenkassen-mehr-als-zwei-milliarden-euro-a-892192.html
...und natürlich jegliche Kostenübernahme für Behandlungen verweigern.
breakthedawn 03.04.2013
4. Liebe Politiker
so einfach geht es eben doch nicht. Einen Zwang einführen ohne den Menschen das nötige Kleingeld in die Hand zu geben funktioniert eben nicht. Macht es doch so wie in anderen Ländern. Die KV ist dort frei und beschränkt sich auf den Notlagentarif . Wer mehr will kann ja in eine Zusatzversicherung investieren. Geht wohl nicht, weil das Geld für Auslandseinsätze, Kriegsgerät, Drohnen und doofe Politiker gebraucht wird.
Plasmabruzzler 03.04.2013
5.
Zitat von kuddel37...und natürlich jegliche Kostenübernahme für Behandlungen verweigern.
In der Sache zwar richtig, aber so was wird wohl kaum durchzusetzen sein.
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