Angst vor Einbrechern Bei den Banken werden die Schließfächer knapp

Die steigende Zahl von Einbrüchen und der allgemeine Anlagenotstand haben in Deutschland einen Run auf Schließfächer ausgelöst. Die Wartezeiten werden immer länger, die Gebühren steigen.

Schließfächer (Archivbild)
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Schließfächer (Archivbild)


In Deutschland gibt es eine immer größere Nachfrage nach Schließfächern. Das zeigt eine Umfrage des "Handelsblatts" unter den 25 größten Geschäftsbanken, Volksbanken und Sparkassen der Republik. Bei den befragten Instituten seien inzwischen im Schnitt rund 80 Prozent der Tresore belegt, heißt es in dem Bericht.

Bei der Commerzbank seien zwei Drittel der 230.000 Schließfächer vermietet, schreibt die Zeitung. Bei der Sparda Bank West sei gar in den meisten Filialen die Nachfrage größer als das Angebot. Bei der Stadtsparkasse München seien 95 Prozent der Schließfächer ausgebucht.

Manche Banken führten inzwischen lange Wartelisten für die begehrten Tresore und stockten ihre Kapazitäten auf, schreibt das "Handelsblatt". Die Stadtsparkasse Düsseldorf etwa habe im vergangenen Jahr beim Umbau einer Filiale gleich 1400 neue Schließfächer eingerichtet, bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse sollen bis Mitte dieses Jahres 800 neue Kundentresore entstehen.

Ein wesentlicher Grund für den Schließfach-Boom ist offenbar die Angst vor Einbrüchen. Viele Banken hätten ein "gestiegenes Sicherheitsbedürfnis" ihrer Kunden registriert, schreibt das "Handelsblatt". 2015 wurden bundesweit mehr als 167.000 Einbrüche und Einbruchsversuche registriert, fast zehn Prozent mehr als 2014. Ähnlich hohe Zahlen gab es zuletzt in den späten Neunzigerjahren. Ermittler führen die Zunahme zu großen Teilen auf kriminelle Banden aus dem Ausland zurück.

Auch die Angst vor Strafzinsen spiele eine Rolle. "Kunden sagen uns, bevor sie das Geld für einen kleinen Zinssatz zur Bank bringen, können Sie es auch zu Hause lagern. Da wissen Sie wenigstens, was sie davon haben", sagt Dietmar Schake, Vertriebsleiter des größten deutschen Tresorherstellers Burg-Wächter, der Zeitung.

Die steigende Nachfrage führt zu höheren Gebühren. Die Stadtsparkasse München habe die Mietpreise für Schließfächer um bis zu 40 Prozent erhöht, heißt es in dem Bericht. Bei der Commerzbank sei der Mindestpreis im Oktober um knapp 19 Prozent angehoben worden.

Bei der Hamburger Sparkasse hätten sich die Mietkosten um acht bis 25 Prozent erhöht. Einen Kundenschwund befürchtet die Sparkasse deshalb nicht. "Wir gehen davon aus, dass die hohe Nachfrage auch 2017 anhalten wird", sagte ein Sprecher dem "Handelsblatt".

ssu

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