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Schoko-Krieg: Elfenbeinküste bleibt auf Kakao in Milliardenwert sitzen

Der Machtkampf an der Elfenbeinküste verunsichert die Rohstoffmärkte. Weil das Land keinen Kakao mehr exportieren darf, steigen weltweit die Preise. Die Teuerung bekommen auch Schokoladenliebhaber in Europa zu spüren.

Kakaolager in San Pedro: Die Elfenbeinküste ist der weltweit größte Kakaoexporteur Zur Großansicht
REUTERS

Kakaolager in San Pedro: Die Elfenbeinküste ist der weltweit größte Kakaoexporteur

Hamburg - Bürgerkrieg bizarr an der Elfenbeinküste: Seit Monaten kämpfen Ex-Präsident Laurent Gbagbo und der rechtmäßig gewählte neue Amtsinhaber, Alassane Ouattara, um die Macht. Nun hat Gbagbo einen neuen Schachzug geführt: Er will das wichtigste Exportgut der Elfenbeinküste kontrollieren - Kakao.

Via Staatsfernsehen kündigte Gbagbo an, die Kontrolle über den Kakaosektor zu übernehmen: "Der Einkauf von Kakao bei Produzenten und Gruppen wird ausschließlich durch den Staat ausgeführt."

Der Grund für Gbagbos Drohgebärde: Er braucht Geld. Rund 150 Millionen Dollar kosten ihn Militär und Unterstützer jeden Monat.

Laut "Financial Times" fürchten Händler nun eine Preisexplosion. Eine Verstaatlichung des Kakaosektors könnte den Preis auf den höchsten Stand seit über 30 Jahren treiben, berichtet die Zeitung.

Frankreich wirft dem international nicht anerkannten Staatschef vor, sein Land zu plündern. Gbagbos Entscheidung habe keinerlei Rechtskraft, weil seine Regierung nicht rechtmäßig sei, erklärte am Mittwoch das französische Außenministerium. Frankreich rief alle Wirtschaftsakteure weltweit auf, jedwede illegale Ausfuhr von ivorischem Kakao zu verhindern. Die Vereinigten Staaten hatten die Verstaatlichung tags zuvor als "Diebstahl" bezeichnet.

Die Elfenbeinküste ist einer der größten Kakaoproduzenten der Welt. Aufgrund der erbitterten Kämpfe in den vergangenen Monaten lagern noch über 500.000 Tonnen Kakaobohnen in den Häfen von Abidjan und San Pedro. Experten schätzen, dass die Kakaobestände einen Wert von über 1,7 Milliarden Dollar haben.

Bisher lag der Vertrieb der Bohnen in den Händen multinationaler Konzerne. Seit die Europäische Union und die USA Sanktionen gegen die Elfenbeinküste verhängt haben, wird keine Kakaobohne mehr exportiert.

Die Schokoladenindustrie in Europa und den USA - die für ihre Produktion maßgeblich auf Kakaobohnen angewiesen ist - beobachtet die Entwicklungen an der Elfenbeinküste mit großer Sorge. Gegenwärtig fürchten die Unternehmen aber noch keinen Engpass für die Süßigkeitenproduktion.

Die Lager in Europa sind gut gefüllt, teilt der Verein der am Rohkakaohandel beteiligten Firmen SPIEGEL ONLINE mit. Doch wenn die Unruhen weiter andauern, treibt dies langfristig auch die Preise für Kakao - und damit Schokolade - in die Höhe, heißt es aus dem Fachverband. Schließlich reichen die Kakaobestände aus den Nachbarländern Ghana, Nigeria, Kamerun oder Liberia bei weitem nicht aus.

tat/lac/AFP

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1. fehlende Logik
syracusa 09.03.2011
Zitat von sysopDer Kampf*um die Macht*an der Elfenbeinküste nimmt groteske*Züge an. Weil ihm das Geld fürs*Militär ausgeht, will Ex-Präsident Laurent Gbagbo den Preis für Kakaobohnen nach oben treiben. Die*Teuerung bekommen auch*Schokoladenliebhaber in Europa zu spüren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,749962,00.html
Das Hauptargument des Artikels ist unlogisch. Wenn Gbago das Geld ausgeht, dann muss er auf Teufel komm raus verkaufen, und das würde zum Sinken des Kakao-Preises führen. Kakao aus Spekulationsgründen zu horten kostet erst mal nur viel Geld, und das fehlt ihm ja.
2. Blutschokolade
RaMaDa 09.03.2011
Nein Danke!!
3. .
atomkraftwerk, 09.03.2011
Zitat von syracusaDas Hauptargument des Artikels ist unlogisch. Wenn Gbago das Geld ausgeht, dann muss er auf Teufel komm raus verkaufen, und das würde zum Sinken des Kakao-Preises führen. Kakao aus Spekulationsgründen zu horten kostet erst mal nur viel Geld, und das fehlt ihm ja.
Macht er wahrscheinlich auch, der kakaopreis ist heute jedenfalls ordentlich gefallen, mehr als 2.5%. Aber vielleicht war das Argument ja, dass der Herr die kakaobohnen als Kanonenfutter hortet. :-)
4. Man muss sich die Zusammenhänge zusammenreimen...
Dretabar, 09.03.2011
Zitat von syracusaDas Hauptargument des Artikels ist unlogisch. Wenn Gbago das Geld ausgeht, dann muss er auf Teufel komm raus verkaufen, und das würde zum Sinken des Kakao-Preises führen. Kakao aus Spekulationsgründen zu horten kostet erst mal nur viel Geld, und das fehlt ihm ja.
Das Argument ist vermutlich logisch, wenn man zwischen den Zeilen liest. Der Artikel ist in der Tat schlecht geschrieben, vor allem zusammenhanglos und nicht chronologisch aufgebaut. Letztlich kommt es auf folgendes Zitat an: "Bisher lag der Vertrieb der Bohnen in den Händen multinationaler Konzerne." Offenbar war der Kakaovertrieb bislang in de Händen normaler Kapitalgesellschaften. Herr Gbaggo hat die gesamten Bestände nun offenbar verstaatlicht, um den Verkauf über ihn/den Staat zu steuern, dabei die Preise zu erhöhen und hierdurch eine Menge Geld abzustauben. Widersprüchlich ist allerdings, dass offenbar ein Handelsembargo verhängt wurde (erkennt man ebenfalls nur bei genauem Lesen, Zitat: "Seit die Europäische Union und die USA Sanktionen gegen die Elfenbeinküste verhängt haben, wird keine Kakaobohne mehr exportiert.") Wie diese Sanktionen allerdings mit der Absicht von Herrn Gbagbo, die Bohnen teurer zu verkaufen, in Einklang zu bringen ist, darüber schweigt der Artikel. Alles in allem mal wieder schlecht recherchiert, schade.
5. -
my_opinion_1991 09.03.2011
Zitat von syracusaDas Hauptargument des Artikels ist unlogisch. Wenn Gbago das Geld ausgeht, dann muss er auf Teufel komm raus verkaufen, und das würde zum Sinken des Kakao-Preises führen. Kakao aus Spekulationsgründen zu horten kostet erst mal nur viel Geld, und das fehlt ihm ja.
Wenn er sich allerdings durch diese Hortung auf mittlere Sicht einen rasanten Anstieg des Weltmarktpreises für Kakaobohnen erhofft, dann macht es wieder Sinn. Die Frage ist, ob er noch Reserven hat, welche ihm über diesen Engpass hinweghelfen, also wer länger durchhält, der Markt oder er, denn das er nun erstmal aus diesem Bereich keine Einnahmen mehr zu erwarten hat, das ist klar.
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