Reaktionen auf SPIEGEL-Recherche Ministerin Barley fordert Schufa zu mehr Transparenz auf

Wie kommen Auskunfteien zu ihrem Urteil über unsere Zahlungsmoral? Die Firmen schweigen und beharren auf ihrem Geschäftsgeheimnis. Jetzt verlangt die Verbraucherschutzministerin, die Kriterien offenzulegen.

Justizministerin Katarina Barley (SPD)
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Justizministerin Katarina Barley (SPD)


Bundesverbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) fordert mehr Transparenz bei Wirtschaftsauskunfteien. "Jeder Bürger muss das Recht haben zu erfahren, welche wesentlichen Merkmale in die Berechnung der eigenen Bonität eingeflossen sind und wie diese gewichtet werden", so Barley.

Die Ministerin reagiert damit auf Recherchen des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks (BR), die Einblicke in das Bewertungsverfahren der Schufa gegeben haben, der wichtigsten Auskunftei in Deutschland. Sie zeigten, dass die Schufa immer wieder Verbraucherinnen und Verbraucher unverschuldet zum Risikofall erklärt. Banken, Onlinehändler und Telefonanbieter nutzen die Bewertungen vor Abschluss neuer Verträge, auch Wohnungseigentümer fordern ihn oft von neuen Mietern.

Auch die Frage, welche Kriterien zur Bewertung genutzt werden, beschäftigen laut Barley das Ministerium. "Im Rahmen einer möglichen Regulierung von Scoring-Unternehmen werden wir prüfen, inwieweit diese verpflichtet werden können, bei der Berechnung ihrer Scores Diskriminierungsverbote zu beachten", so die Ministerin.

Auch der Berliner Wirtschaftswissenschaftler Gert Wagner, der Mitglied im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen ist und das Verbraucherschutzministerium berät, sprach sich für schärfere Regeln aus. Dem SPIEGEL sagte er, das Offenlegen von Merkmalen, die in die Berechnung einfließen, und ihrer Gewichtung gefährde nicht das Geschäftsgeheimnis der Auskunfteien. "Die dahintersteckende Datenbank selbst wird ja nicht freigegeben, auch nicht die Software-Schnittstelle zu Banken und Händlern", so Wagner.

Die Recherche von SPIEGEL und BR habe außerdem bekannte Probleme bestätigt, etwa dass Personen nach Umzügen nicht wiedererkannt werden. "Dieser Prozess ist fehleranfällig", sagt Wagner, "das kann man der Schufa gar nicht vorwerfen." Der Sachverständigenrat empfiehlt in diesem Zusammenhang eine Art Qualitätskontrolle: Es müsse erforscht werden, wie gut das Zuordnen von Informationen zu konkreten Personen funktioniert.

Auch der neue Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) sagte mit Blick auf das Verbraucher-Scoring, es müsse klar sein, welche Daten maßgeblich zu einem bestimmten Ergebnis geführt hätten. Und "am Ende muss es auch eine Transparenz über die Güte des Scoring geben", so Kelber gegenüber dem BR.

Die Grünen im Bundestag bezeichneten die Rechercheergebnisse von SPIEGEL und BR als "skandalös". Der Fraktionsvize im Bundestag Konstantin von Notz und die verbraucherpolitische Sprecherin Tabea Rößner kritisierten die "zu geringen, mangelhaften oder gar schlampig geführten Datengrundlagen" beim Schufa-Scoring. Es sei zu prüfen, ob der rechtliche Rahmen des Kreditscorings verschärft werden müsse.

Offenlegung: Der Schufa-Mitbewerber Arvato gehört zum Bertelsmann-Konzern. Dessen Tochter, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, ist mit 25,5 Prozent am SPIEGEL-Verlag beteiligt. Der SPIEGEL berichtet ungeachtet dessen redaktionell unabhängig.

ply/dpa



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Seite 1
ironcock_mcsteele 29.11.2018
1. Es geht den Staat nichts an
wie Privatleute die Geschäfte führen oder legal erworbene Informationen verarbeiten. Aber ein Aufregerthema ist es natürlich und Trutschi McGerman wird sich in die Herde der Empörer bestimmt bald einreihen. Das kann sich die Politik nicht entgehen lassen.
JensJacob 29.11.2018
2. Was mir bei der
aktuellen Diskussion zum Thema Schufa oder auch Punkte in Flensburg oder Rundfunkgebühr sofort aufgefallen ist, ist die Tatsache das hier ein vollkommen veraltetes System am Start ist. Wenn ich denke das ich vor über 20 Jahren am WEB 1.0 fleissig mitgearbeitet habe, und jetzt 20 Jahre später noch immer kein schlanker digitaler Staat existiert, finde ich persönlich schockierend. Wir sprechen ständig von einer modernen Gesellschaft die Deutschland gerne wäre, aber gerade die Ämter und Behörden hier sind wirklich eine Frechheit. Und die Seite der Regierung und des Bundestages ist da ganz weit Vorne! Ich sag nur Petitonserlebnis vor einer Woche ( UN MIgrationspakt) ... Ein Witz. So etwas hätte man schon vor zwanzig Jahren in den Mülleimer geworfen.
MatthiasPetersbach 29.11.2018
3.
Reden wir übers Gleiche? Da nimmt sich eine Firma raus, mir eine Kreditwürdigkeit abzusprechen, obwohl ich jede Rechnung sofort bezahle, genügend Einkommen und Vermögen besitzen - aufgrund irgendwelcher völlig unzureichender und belangloser Eckdaten - incl. wohl des Datums und der Mondphase. Das ist üble Nachrede und Geschäftsschädigung - und muß geahndet werden. Wenn man so ansieht, was FIRMEN uns so antun und wie abhängig wir von solchen Merkwürdigen sind, , erscheint mir der Absolutismus von früher eine Erholung.
Sportzigarette 29.11.2018
4.
Zitat von ironcock_mcsteelewie Privatleute die Geschäfte führen oder legal erworbene Informationen verarbeiten. Aber ein Aufregerthema ist es natürlich und Trutschi McGerman wird sich in die Herde der Empörer bestimmt bald einreihen. Das kann sich die Politik nicht entgehen lassen.
Ach ja, Sie haben ja zu vielen Themen eine sehr merkwürdige Meinung. Die Schufa ist keine Privatperson, ein Unternehmen ist auch keine Privatperson und doch, es geht den Staat etwas an, wie Geschäfte geführt werden. Außerdem ist Aufgabe der Ministerin für Verbraucherschutz, die Verbraucher zu schützen, also auch vor Falschinformationen und Fehleinschätzungen. Insofern ist mehr Transparenz sehr angezeigt. Ähm, bitte wen meinen Sie mit Trutschi Mc German?
Susi64 29.11.2018
5. Haftung
Vorallem sollte die Schufa für nachweislich falsche Auskünfte (Verwechslung) haften und Schadenersatz sowie Entschädigung leisten müssen. Weiterhin ist es ja nicht so, dass sie einfach zu einer anderen Bank gehen können, wenn sie der Meinung sind, dass die Schufa Einschätzung der Realität nicht entspricht.
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