Schufa und Co. Daten zur Kreditwürdigkeit sind häufig falsch

Banken und Einzelhändler sichern sich gerne ab, bevor sie Kredite vergeben. Dumm nur, dass die Daten, die Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zulassen, häufig falsch sind. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält das für einen Skandal und ruft zu eifrigem Widerspruch auf.

Shopping (bei Media Markt): Viele Deutsche kaufen auf Kredit ein
DPA

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Berlin - Mit einem solchen niederschmetternden Ergebnis hatte auch Ilse Aigner nicht gerechnet. Im Auftrag der Ministerin hatte das Institut für Grundlagen und Programmforschung die großen Auskunfteien Schufa, Creditreform, Bürgel und Arvato unter die Lupe genommen und rund hundert Stichproben untersucht. Das Ergebnis: Einträge etwa bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa basierten in 46 Prozent aller Fälle auf fehlerhaften Daten.

Teils seien die Daten falsch oder veraltet gewesen, teils habe die Auskunftei nur über die Daten verfügt, die die Testperson selbst angegeben habe. Beispielsweise habe es Namensverwechslungen gegeben, oder ein getilgter Kredit sei als ungetilgt aufgeführt gewesen.

Das Erfassen von Verbraucherdaten wird Scoring genannt. Darunter versteht man ein mathematisch-statistisches Verfahren, mit dem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden kann, ob zum Beispiel ein Verbraucher seine Schulden auch bezahlen wird. Bei der Schufa kritisierten die Tester vor allem die hohe Fehlerquote, bei CEG und Arvato die Aussagekraft für Bonitätsbewertungen. Diese sei höchst zweifelhaft. "Das können wir so nicht weiter hinnehmen", sagte Aigner. Sie wertete die Studie als Bestätigung dafür, dass das Bundesdatenschutzgesetz verschärft wird. Die neuen Regeln treten im April nächsten Jahres in Kraft.

Misstrauisch sein

Aigner nannte es "unhaltbar", dass 54 Prozent der gespeicherten Daten nicht korrekt seien. "Ich kann nur die Verbraucher auffordern, auch nachzufragen und gegebenenfalls eine Korrektur der Daten zu fordern", sagte Aigner im ARD-Morgenmagazin. Die CSU-Politikerin wies auch darauf hin, dass es nicht zulässig sei, dass allein der Wohnort dafür ausschlaggebend sei, ob jemand einen Kredit bekomme oder nicht. Wenn man etwa bei einem Versandhaus bestellte Ware nicht mehr per Rechnung, sondern nur noch per Nachnahme bezahlen dürfe, solle man misstrauisch werden.

Aigner verwies auf die Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes, die am 1. April 2010 in Kraft treten wird und die die Situation der Verbraucher verbessern soll. Verbraucher sollen dann einmal jährlich kostenlos eine Selbstauskunft einholen können. Nicht nur der sogenannte Score als Messzahl der Kreditwürdigkeit, sondern auch die zugrundeliegenden Kriterien und ihre Gewichtung müssen dann preisgegeben werden. "Wenn ich nicht weiß, wie sich der Wert zusammensetzt, habe ich keine Chance, diesen zu verbessern", betonte Aigner.

Auch die gängige Praxis des Geoscoring, bei der der Wohnsitz als Kriterium der Kreditwürdigkeit herangezogen wird, soll eingeschränkt werden. Zudem wird eine Verpflichtung der Anbieter zur Korrektur falscher Daten eingeführt.

Schufa weist Verbraucher die Verantwortung zu

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar äußerte sich positiv über die Gesetzesnovelle: "Das Gesetz schafft mehr Transparenz, es geht in die richtige Richtung." Es gehe allerdings nicht weit genug. Die Anbieter sollten vielmehr zum jährlichen Versand eines automatischen Datenauszugs an jeden bei ihnen gelisteten Verbraucher verpflichtet werden.

Der Schufa-Vorstandsvorsitzende Rainer Neumann sieht hingegen die Verantwortung für die Korrektheit der eigenen Daten bei den Verbrauchern selbst: "Wir appellieren an alle Verbraucher, die einen Kredit aufnehmen oder auf Raten finanzieren möchten, sich vorab bei den führenden Auskunfteien zu erkundigen. Vor dem Kreditantrag können sie so nachvollziehen, welche Daten der Geschäftspartner zu sehen bekommen wird."

mik/AFP/AP/ddp

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Forum - Banken - zu viele Fehler bei Kreditbewertung?
insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
jdm11000 19.08.2009
1. Absicherung?
Zitat von sysopBanken und Einzelhändler sichern sich gerne ab, bevor sie Kredite vergeben. Dumm nur, dass die Daten, die Rückschlüsse auf die die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zulassen, häufig falsch sind. Machen Banken zu viele Fehler bei der Kreditbewertung?
Die Aussage des Vorstandes der Schufa ist ein Hohn. Denn ohne eine kostenpflichte Auskunft, man muß ja Geld dafür bezahlen um die eigenen Daten einsehen zu können, bekommt man da gar nichts zu sehen. Zudem: wenn man Falscheinträge entdeckt, dann bekommt man die Auskunft, die könnten nicht geändert werden. Zudem: man bekommt oft genug zu lesen:"Wir melden dies der Schufa...." - dabei ist gar nicht mal gesagt, ob die Meldung aufgrund eines Verfalls geschah, oder ob dies nur so geschah. Zudem: das wissen viele Leute überhaupt nicht: Die Schufa ist eh ein Zahnloseer Wolf - viel schlimemr sind die Auskunfteien der Sparkasse usw. Da wird nämlich wegen einer geplatzten Verwendung einer EC-Karte oder ähnliches ein Eintrag gemacht. Viele Einzelhändler und andere nutzen dann diese Datei um eventuell einen Abbuchungsauftrag zurückzunehmen. Mit der Folge, daß man selber den nächsten fälligen Betrag nicht zahlt. Mit der Folge eines Schufaeintrages unter Umständen usw. Diese Datein gehören einfach nur abgeschafft. Das ist ein Wildwuchs und wird nur mißbraucht. Zu ungunsten der meisten Bürger!
Motorpsycho 19.08.2009
2.
Es wird Zeit, dass diese Firmen zu einer kostenlosen Selbstauskunft verpflichtet werden. Wenn Herr Neumann sagt, dass der Verbraucher selbst Schuld sei, es aber gleichzeitig seit Jahren erfolgreich ablehnt, Transparenz in das Scoring-Verfahren zu bringen und die eigentlich dem Gesetz nach kostenlose Selbstauskunft mit dem Hinweis verweigert, dass man diese ja in einer der zahlreichen Geschäftsstellen kostenlos einsehen könne, dann kann man nur von Hohn sprechen.
kaiser-kobern 19.08.2009
3. Auskunfteien - die heimliche Macht
Es werden Daten nicht nur gesammelt sondern gezielt eingefordert; eine Korrektur von nachweislich falschen oder veralteten Daten kann aber nur vom Vertragspartner (z.B. Bank) veranlasst werden. Die Verweigerung der Zustimmung zur sogenanntgen Schufa-Klausel stellt bereits ein absolutes k.o.-Kriterium dar. Wo und wann greift der Datenschutz? Dieser Umgang mit meinen persönlichen Daten ist nach der derzeitigen Gesetzeslage ein staatlich geduldeter Datenmißbrauch. Dass der Schufa-Vorsitzende Neumann die Verantwortung für die Richtigkeit der Daten beim "Kunden" sieht ist eine Unverschämtheit; dies auch vor dem Hintergrund, dass jede Anfrage (Selbstauskunft) bei der Schufa kostenpflichtig ist. Auch eine Möglichkeit der Umsatzsteigerung.
koshernostra 19.08.2009
4. Sinkt die Fehlerquote...
...bei den Daten, wenn man dem Ratschlag: "Wir appellieren an alle Verbraucher, die einen Kredit aufnehmen oder auf Raten finanzieren möchten, sich vorab bei den führenden Auskunfteien zu erkundigen. Vor dem Kreditantrag können sie so nachvollziehen, welche Daten der Geschäftspartner zu sehen bekommen wird." folgt? Und nicht zu vergessen sind die Gebühren, die man für eine Abfrage zu zahlen hat. Ich vermute, in diesem Falle wird doppelt gezahlt - einmal vom anfragenden Kreditnehmer, einmal vom Kreditgeber. Pffffffffffff...
geronimo68 19.08.2009
5. Banken - zu viele Fehler bei Kreditbewertung?
Die Antwort der Schufa spricht für ganz schön viel Chuzpe, wennn man bedenkt, daß derzeit noch Selbstauskünfte ganz schön ins Geld gehen, bis mal alle Institutionen abgeklappert hat. Ist aber eine nette Geschäftsidee, den Verbrauchern die Schuld zu geben und sie dafür zahlen zu lassen, daß man selber schlampig arbeitet.
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