Neue Statistik Warum sich Menschen überschulden

Jobverlust, Krankheit oder einfach nur ungebremster Konsum? Das Statistische Bundesamt hat untersucht, warum sich Privatpersonen in Deutschland überschulden. Besonders häufig trifft es alleinlebende Männer.

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Wenn sich die Rechnungen stapeln und kein Geld mehr da ist, um sie zu begleichen, wird es eng. Viele Menschen suchen dann eine der 1400 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland auf. Allein im vergangenen Jahr waren es 647.000.

Das Statistische Bundesamt hat nun - anhand von Daten aus 113.000 Fällen - ausgewertet, warum diese Menschen in die Schuldenfalle geraten sind.

Das Ergebnis zeigt:

  • Arbeitslosigkeit ist der häufigste Auslöser für die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland. 19 Prozent der Hilfesuchenden bei den Schuldnerberatungsstellen gaben dies als Hauptgrund an.
  • Gesundheitliche Probleme nannten 15 Prozent der Befragten als wichtigsten Grund.
  • Die Folgen einer Trennung oder des Todes des Partners waren für 14 Prozent ausschlaggebend.
  • Unangemessenes Konsumverhalten wurde in elf Prozent der Fälle als Hauptursache genannt.
  • Bei sieben Prozent lag es an dem auf lange Sicht unzureichenden Einkommen.

"Es fällt auf, dass in der Regel unplanbare und gravierende Änderungen der Lebensumstände als Hauptauslöser genannt werden, die außerhalb der unmittelbaren Kontrolle der Überschuldeten liegen", sagte der Präsident des Bundesamts, Dieter Sarreither, in Berlin. Die landläufig verbreitete Meinung: "Wer überschuldet ist, ist selbst schuld", stimme demnach nicht.

Von allen Personen, die im vergangenen Jahr von einer Schuldnerstelle beraten wurden, stellten alleinlebende Männer mit einem Anteil von 30 Prozent die größte Gruppe. Dabei stellen sie nur 18 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ebenfalls überproportional vertreten sind alleinerziehende Frauen: Sie machten 14 Prozent der beratenen Personen aus, bei einem Bevölkerungsanteil von sechs Prozent. Besonders häufig überschuldet sind 25- bis 44-Jährige. Die jüngeren Schuldner drücken vor allem hohe Verbindlichkeiten bei Telekomanbietern.

Die Hilfesuchenden waren durchschnittlich in einer Höhe von 34.400 Euro verschuldet. Das entspricht etwa dem 33-Fachen ihres monatlichen Einkommens. Wichtigste Gläubiger sind Banken: 44 Prozent der Schulden stehen ihnen zu. Es folgen öffentliche Gläubiger, darunter Finanzämter. Danach kommen Inkassobüros. Nur zwölf Prozent haben einen einzigen Gläubiger, Mehrfachverschuldung ist demnach der Regelfall. "Über 40 Prozent der Schuldner waren bei zehn und mehr Gläubigern verschuldet", sagte Sarreither.

stk/Reuters



insgesamt 101 Beiträge
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vaikl 01.07.2016
1.
Natürlich ist der reine Auslöser von Krediten häufig nicht die "Schuld" des Schuldners. Aber wer dann persönlich so argumentiert wie das Bundesamt und Schulden einfach ignoriert (oder deren Rückzahlung mehr oder weniger geschickt prokrastiniert), weil er ja nicht selbst schuld an den Schulden sei, der *ist* schuld an seinem Elend.
kalim.karemi 01.07.2016
2. alleinlebende oder
um hin und wieder mal zum Schuss zu kommen, braucht man(n) halt Fassade, Fitnesscenter, Porsche, Uhr, Wohnung in der Innenstadt. Das kostet halt. Außerdem sind alleinlebende Männer oft auch Ergebnisse von Scheidungen, Ehefrau, Kinder, Haus finanziert. Wo soll da noch die Kohle für Spaß nach der Ehe herkommen. Ergo, Schulden.
McMuffin 01.07.2016
3. Statistik ungenügend
Die Feststellung in der Einleitung, dass Überschuldung besonders häufig alleinlebende Männer trifft, ist Quatsch - das geben die Zahlen aus dem Artikel nicht her. Allein dass der Anteil der alleinlebenden Männer deutlich überrepräsentiert ist, sagt nichts über die Richtung der Kausalität aus. Die Kausalität dürfte überwiegend nur beim Überschuldungsgrund Trennung gegeben sein. Stattdessen halte ich die umgekehrte Kausalität für wahrscheinlicher: Mann überschuldet sich, Frau/Freundin verlässt ihn bzw. er findet erst gar keine Frau. Und am wahrscheinlichsten dürfte die gemeinsame Ursache sein: Mann hat massive gesundheitliche Probleme oder wird langzeitarbeitslos. Deswegen findet er keine Frau bzw. seine aktuelle Frau verlässt ihn.
JC-OF 01.07.2016
4. Statistik ungenau...
Wo sind die alleinerziehenden Männer? Auch wenn diese Bevölkerungsgruppe kleiner ist, so sollte man aus Gründen der Vergleichbarkeit eine solche Statistik doch etwas genauer zitieren, oder wurde diese Unterteilung bei der Erhebung gar nicht erst angestellt
cabeza_cuadrada 01.07.2016
5. Unangemessenes Konsumverhalten
ist es wohl eher zu 99%. Sich das selbst einzugestehen fällt halt etwas schwerer als anderen die Schuld zu geben. Di berühmte Waschmaschine die unvermittelt den Geist aufgegeben hat kommt in der Realität eher selten vor. Alles andere ist immer Unangemessenes Konsumverhalten. Man kauft sich etwas von Geld das man nicht hat.
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