Zu billig Schweizer Zoll stoppt deutsche Pizza-Kuriere

Jahrelang lieferten deutsche Pizza-Dienste ihre günstige Ware in die teure Schweiz - doch nun soll damit Schluss sein: Der Schweizer Zoll will die Fast-Food-Kuriere nicht mehr so einfach ins Land lassen.

Pizza an der Grenze: In der Schweiz sind deutsche Lieferdienste beliebt
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Pizza an der Grenze: In der Schweiz sind deutsche Lieferdienste beliebt


Konstanz/Bern - Ein Pizza-Lieferservice im Grenzgebiet zur Schweiz galt lange als besonders lohnendes Unternehmen - in Massen bestellten die Eidgenossen die Teigfladen aus Deutschland. Schließlich sind die Preise dort bis zu 30 Prozent niedriger.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Schon seit rund einem Jahr sind die Schweizer auf der Barrikade: Sie wollen, dass deutsche Dienste ihre Essenslieferungen in die Schweiz nach den Zollbedingungen anmelden und verzollen.

Eine unbürokratische Regelung, auf die die deutschen Unternehmen gehofft hatten, lehnte die Schweizer Zollbehörde nun nach monatelangen Gesprächen ab. Der Berner Oberzolldirektor Rudolf Dietrich entschied, "dass sich eine "Pizza-Sonderlösung" nicht rechtfertigen lasse". Dabei gehe es nicht nur um Zollabgaben, sondern auch um Lebensmittelvorschriften und agrarpolitische Bestimmungen. Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten von Schweizer Anbietern müssten verhindert werden.

Der Schweizer Zoll wolle mit einer Regelung für Pizza-Kuriere keinen Präzedenzfall schaffen - denn dann könnten "auch Bäckereien, Apotheken, Cateringfirmen, Handwerker und nicht zuletzt auch die Kurierfirmen und die Post ähnliche Begehren stellen", erklärte der Oberzolldirektor. "Hier eine Grenze zu ziehen, ist äußerst schwierig."

Die deutsche Industrie- und Handwerkskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee reagierte enttäuscht. Da es die größte Nachfrage nach Pizza-Bestellungen am Abend gebe, außerhalb der Öffnungszeiten des Zollamts, "kommt die Praxis einem Exportverbot gleich".

stk/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
Immanuel_Goldstein 09.01.2015
1.
Ist schon ok, wenn die gierigen Schweizer auch die schweizer Preise zahlen sollen für eine Pizza. Damit habe ich kein Problem. Das sollte man auf alle grenzüberschreitenden Dienstleistungen ausdehnen. Der Verlierer wird nämlich der Schweizer sein.
syracusa 09.01.2015
2.
Warum mieten die Pizzalieferanten nicht einfach einen Laden in der Schweiz und backen die Pizzen dort. Zutaten und Pizzabäcker können ja dennoch aus Deutschland kommen ...
Coburger Bratwurst 09.01.2015
3.
Hajo, die Schweiz. Isoliert sich immer weiter. Sie werden schon selbst bald merken, zu welchem Preis. Die Mauern in Europa, die nach und nach fielen, werden bald rund um die Schweiz aufgebaut. Meiden.
ticino49 09.01.2015
4. ....?
Immanuel_Goldstein: erzählen Sie auch etwas von den gierigen Deutschen, die unversteuertes Geld ins Ausland bringen! Merke: Gier hat keinen Zusammenhang mit der Staatsangehörigkeit!
dliblegeips 09.01.2015
5.
Zitat von syracusaWarum mieten die Pizzalieferanten nicht einfach einen Laden in der Schweiz und backen die Pizzen dort. Zutaten und Pizzabäcker können ja dennoch aus Deutschland kommen ...
Können Sie schon sie müssen aber die Schweizer Gesetzte einhalten.Der Deutsche arbeitet dann nach Schweizer Arbeitsrecht, die Zutaten müssen offiziell eingeführt und verzollt werden. Das Fahrzeug in der Schweiz angemeldet etc. D.H sie haben dann die selben Produktionsbedingungen wie die Schweizer Betriebe, bei denen ja jetzt schon sehr viel Leute aus Deutschland arbeiten. Und Schweizer Firmen dürfen auch nicht so einfach nach Deutschland liefern. Die Deutschen Zöllner sind um einiges strenger als die Schweizer. Auch logisch weil die Deutsch - Schweizer Grenze die letzte EU Aussengrenze Deutschlands ist.
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