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EU-Vergleich: Mehr als fünf Millionen Deutsche leben in zu kleinen Wohnungen

Wohnhochhaus in München: Erwachsene Kinder ohne eigenes Zimmer Zur Großansicht
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Wohnhochhaus in München: Erwachsene Kinder ohne eigenes Zimmer

Kein Schlafraum für Eltern, kein Wohnzimmer: Sieben Prozent der Bundesbürger leben laut Statistischen Bundesamt in sehr beengten Verhältnissen. Im EU-weiten Vergleich schneidet Deutschland aber recht gut ab.

Wiesbaden - Das Kind ist zwar schon volljährig, hat aber kein eigenes Zimmer - oder die Wohnung hat keinen Gemeinschaftsraum: Die Wahrscheinlichkeit, unter diesen Umständen zu wohnen, liegt in Deutschland für Geringverdiener fünfmal höher als für den Rest der Bevölkerung. Laut Statistischem Bundesamt lebten im Jahr 2011 sieben Prozent der Bevölkerung in einer überbelegten Wohnung. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 80 Millionen wohnen demnach etwa 5,6 Millionen Menschen in Deutschland zu beengt.

Während das auf 20 Prozent der Armutsgefährdeten zutraf, waren nur vier Prozent der anderen Bürger betroffen. Das geht aus einer europaweiten Erhebung der EU-Statistikbehörde Eurostat hervor.

Im Durchschnitt aller 28 EU-Staaten wohnten demnach 17 Prozent der Bevölkerung in beengten Verhältnissen. Dabei zeigte sich ein deutliches West-Ost-Gefälle: In Rumänien sind überbelegte Wohnungen faktisch der Normalfall, mit 54 Prozent ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung davon betroffen. Auch in Bulgarien, Polen, Ungarn, Kroatien und Lettland betrug der Anteil jeweils mehr als 40 Prozent. In den Niederlanden hingegen, einem der am dichtesten besiedelten Länder der EU, waren nur zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Das ist der niedrigste Wert der Erhebung.

Dennoch steht Deutschland nicht nur im Vergleich mit den östlichen Nachbarn relativ gut da. In Frankreich und Österreich lebten mit acht beziehungsweise zwölf Prozent höhere Anteile der Bevölkerung in zu kleinen Wohnungen. Allerdings wurden die Daten vor den großen Preissprüngen bei Neuvermietungen in deutschen Großstädten erhoben.

Laut den EU-Statistikern ist eine Wohnung dann überbelegt, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Die Wohnung hat keinen Gemeinschaftsraum beziehungsweise Wohnzimmer.
  • Eine alleinstehende Person über 18 Jahren hat kein eigenes Zimmer - das trifft vor allem auf erwachsene Kinder zu, die noch zu Hause wohnen.
  • Ein Paar hat kein eigenes Zimmer - das trifft zu, wenn etwa Eltern kein eigenes Schlafzimmer haben.
  • Ein Sohn und eine Tochter - oder noch mehr gemischtgeschlechtliche Geschwister - im Alter von 12 bis 17 Jahren wohnen gemeinsam in einem Zimmer.

fdi/dpa

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insgesamt 119 Beiträge
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1. optional
mart.n 01.08.2013
D.h. ein H4 Familie mit 4 Kindern müsste demnach ein 6 Zimmer Appartment bewohnen, am besten noch in Hamburg-Ottensen oder so. Marktpreis ca. 1600-1800 €. Echt ein Skandal. Ich hab als Student in WGs oder in 1-Zimmer Buden mit Freundin gewohnt. Noch ein viel größerer Skandal! Ich fordere Entschädigung!
2. albern
Hilfskraft 01.08.2013
Zitat von sysopDPAKein Schlafraum für Eltern, kein Wohnzimmer: Sieben Prozent der Bundesbürger leben laut Statistischen Bundesamt in sehr beengten Verhältnissen. Im EU-weiten Vergleich schneidet Deutschland aber recht gut ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/sieben-prozent-der-deutschen-leben-in-zu-kleinen-wohnungen-a-914258.html
was will man uns denn damit jetzt wieder an geplanten Schweinerein beibringen?
3. Nicht zu fassen!
lefs 01.08.2013
Und ich hatte doch tatsächlich geglaubt, dass die Reichen in zu beengten Wohnverhältnissen leben. Aber jetzt musste ich durch diese Untersuchung einsehen, dass es eher die Ärmeren sind, die kein eigenes Schlafzimmer haben. Gut, dass es solche Untersuchungen gibt ;-)
4. EU weiter Vergleich
malocher77 01.08.2013
Wenn ich so etwas lese... Sollen wir uns Entwicklungsländer anpassen? Dadrauf läuft alles hin, wir werden den Lebensstandard der schwachen Länder anheben und unser senken, damit im EU durchschnitt alles gleich ist, wie im Kommunismus.
5. Welch Überraschung
sunburner123 01.08.2013
Hat das statistische Bundesamt gedacht, dass jeder in Palästen wohnt? Bei den Mieten kann sich doch kaum einer eine Wohnung leisten die seinen Vorstellungen entspricht. Das hat nun sogar das statistische Bundesamt erkannt,-Wahnsinn!
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Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.


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