Skandal-Serie: Ergo sagt sorry
Der Versicherungskonzern Ergo geht in die Offensive: Nach Sexskandalen und Berichten über falsche Verträge entschuldigt sich das Unternehmen in großflächigen Zeitungsanzeigen und verspricht: "Die Vorgänge spornen uns an."
Berlin - Ergo versucht, sein Schmuddel-lmage loszuwerden: In ganzseitigen Anzeigen entschuldigt sich die Versicherungsgruppe in mehreren deutschen Tageszeitungen für ihre Verfehlungen: "Wenn Menschen Fehler machen, entschuldigen sie sich. Wenn Unternehmen Fehler machen, unternehmen sie etwas dagegen. Darum tun wir beides", heißt es in den Anzeigen, die unter anderem in der "Financial Times" und der "Süddeutschen Zeitung" erschienen sind.
"Wir arbeiten intensiv an Aufklärung", schreibt Ergo. Mögliche Nachteile für Kunden sollten ausgeglichen werden. Zudem werde die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers alle Vorwürfe gegen Ergo umfassend untersuchen. Für die Zukunft verspricht das Unternehmen Transparenz: "Wenn etwas nicht gut ist, werden wir darüber berichten."
Genau das hatten in den vergangenen Wochen allerdings eher die Medien getan: Im Mai wurde bekannt, dass der zum Ergo-Konzern gehörende Strukturvertrieb der Hamburg-Mannheimer HMI seine besten 100 Drücker 2007 nach Budapest einlud. Für die akquisestärksten Mitarbeiter gab es in einer angemieteten Therme Prostituierte mitsamt Himmelbetten zur freien Verfügung. Das Vertretermagazin schwärmte anschließend von einem "Mordsspaß" - der 83.000 Euro gekostet haben soll.
Es folgten Enthüllungen über falschberechnete Riester-Verträge. Rund eine Woche später gab Ergo zu, dass die HMI im zweiten Halbjahr 2005 bei rund 14.000 Riester-Kunden "offensichtlich ein fehlerhaftes Formular" verwendet habe. Demnach waren auf den Formularen niedrigere Verwaltungskosten ausgewiesen, als die Versicherung tatsächlich kassiert hatte.
Ergo kann dem Schlamassel offenbar dennoch Positives abgewinnen: "Diese Vorgänge spornen uns an, den begonnenen Veränderungsprozess konsequent fortzusetzen", ist in den Anzeigen zu lesen. "Ungewöhnliche Situationen erfordern eben auch ungewöhnliche Maßnahmen", begründete ein Ergo-Sprecher das Vorgehen. Der Kampagne sei eine einmalige Aktion.
sar/AFP
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