Smart Grid: Schlechte Aussichten für intelligente Stromzähler

Intelligente Stromzähler ergänzen erneuerbare Energien perfekt: Dank ihnen sollen Kunden Elektrizität vor allem bei viel Wind oder Sonne verbrauchen. Doch bislang hat die Technik am Markt kaum Chancen. Laut einer Umfrage, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, würde kaum ein Deutscher für sie zahlen.

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Hamburg - Das Konzept vom intelligenten Stromnetz ist inzwischen den meisten Deutschen bekannt - und hat dennoch am Markt wenig Chancen. Das ergibt eine Umfrage unter rund 8000 Stromkunden, die das Verbraucherportal Check24 und die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführt haben und die SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt.

Das sogenannte Smart Grid gilt als wichtiger Baustein der Energiewende. Intelligente Stromzähler sollen den Verbrauch von Haushalten im Minutentakt messen und mit der aktuellen Lage der Stromversorgung abgleichen. Verbraucher sollen so Geld sparen. Ist das Stromangebot gerade reichlich, weil viele Wind- und Solaranlagen arbeiten, sollen die Preise sinken. Der intelligente Zähler soll dies registrieren und im Idealfall automatisch dafür sorgen, dass im Haushalt in solch günstigen Momenten besonders viel Strom verbraucht wird. Er könnte zum Beispiel Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine anschalten oder in einer späteren Zukunft das Elektroauto laden.

Viele Befragten zeigen laut der Umfrage Interesse an der Technologie. Mehr als 70 Prozent wünschen sich eine transparente Aufschlüsselung ihres Energieverbrauchs. Rund 68 Prozent wünschen sich eine monatsgenaue Abrechnung ihres Stromverbrauchs, wodurch sich lästige Nachzahlungen am Jahresende vermeiden ließen. Und knapp 50 Prozent würden bestimmte Haushaltsgeräte so programmieren, dass sie automatisch Strom verbrauchen, wenn dieser besonders günstig ist. Doch nur acht Prozent der Befragten wären bereit, für solche Vorzüge Geld zu zahlen.

Und die Kosten sind zunächst einmal hoch. Um von flexiblen Tarifen zu profitieren, bräuchte ein Haushalt mindestens einen intelligenten Stromzähler, der Verbrauch und Strompreis miteinander abgleicht. Dazu müssten Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Trockner mit einem Adapter aufgerüstet werden, damit sie mit dem Zähler kommunizieren können. Im Idealfall verfügt der Haushalt der Zukunft zudem über ein System, das Haushaltsgeräte automatisch so steuert, dass sie möglichst kostengünstig arbeiten.

Für die Zurückhaltung der Verbraucher gibt es gute Gründe. So ist noch immer nicht klar, wie groß die Kostenersparnis durch die Technologie tatsächlich wäre. 42 Prozent der Befragten gaben zudem an, Datenschutz-Bedenken zu haben. Ein weiteres Problem ist, dass sich der Einsatz intelligenter Stromzähler vor allem bei flexiblen Stromtarifen lohnen würde; sprich: wenn die Preise aufgrund von Angebot und Nachfrage deutlich schwanken. Derzeit sind die Stromtarife aber noch sehr unflexibel. Die meisten Versorger bieten gerade mal einen Tages- und Nachttarif an. Ohne stärkere Anreize für die Verbraucher wird der Aufbau eines Smart Grids kaum funktionieren.

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insgesamt 70 Beiträge
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1. optional
commonman 10.07.2012
die meisten bieten nur EINEN tarif an, da sich die grundversorger das privileg des nachttarifs gesichert haben. jeder nachtspeicherheizungsnutzer kann ein (klage)lied davon singen.
2. Unausgereift
mori1982 10.07.2012
Ich befürchte, nur die Verbrauchsübersicht ist wirklich sinnvoll. Zum einen möchte ich nicht tagelang Wäsche in der Waschmaschine liegen haben, bis irgendwann mal gutes Wetter und damit günstiger Strom zum waschen da ist und zum anderen wäre ich auch nicht erfreut, wenn plötzlich Nachts um 2 der Radau in meinem Bad losgeht, weil meine Waschmaschiene grade den Schleudergang einlegt. Weiterhin gibt es viele Elektrogeräte, die brauche ich nunmal nur, wenn ich auch zu Hause, bzw wach bin, wie den Fernsehr. Es nützt mir ja wieder nix, wenn der in der Nacht um 2 an geht, wenn ich schlafen will. Einzig wenn man im Haus einen Akku hat, dann macht SMARD GRID Sinn, denn dann könnte man die günstige Energie speichern und bedarfsgerecht nutzen. Hinzu kommt noch, wieviel Strom verbraucht die ganze Überwachung des Stromverbrauchs und wie sieht es aus mit dem Standbyverbrauch der ganzen geräte, das würde dann ja den ganzen Zweck wieder ad absurdum führen...
3. Smart Grid
mauimeyer 10.07.2012
Zitat von sysopddpIntelligente Stromzähler ergänzen erneuerbare Energien perfekt: Dank ihnen sollen Kunden Elektrizität vor allem bei viel Wind oder Sonne verbrauchen. Doch bislang hat die Technik am Markt kaum Chancen. Laut einer Umfrage, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, würde kaum ein Deutscher für sie zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,843569,00.html
Wenn ich nur zwischen Tag- und Nachtverbrauch wechseln kann und dann noch auf einen Stromlieferanten angewiesen bin, kann man das Ganze wirklich vergessen. Die Strompreise sind sehr volatil - das auszunutzen, ist der Reiz eines Smart-Grid. Die Nachtansteuererung einer Heizung ist ein uralter Hut und hat aufgrund der Monopolsituation der Versorger zu massenhaftem Ärger geführt. Da klagen die netzbetreiber über die zunehmend schwieriger werdende Ausregelung des Netzes. Die Antwort kann doch zunächst nur eine punktgenaue Abrechnung auf Basis der sehr unterschiedlichen Strompreise sein, um damit Erzeugung und Verbrauch auch von der Nachfrageseite besser in Deckung zu bringen. Die Stromlieferanten befürchten aber Umsatzeinbrüche und lassen die Entwicklung bewußt schleifen. Ohne sanften Zwang wird da nichts zu machen sein. der verbraucher würde schon reagieren, wenn das Angebot vernunftig ist! Kauri
4. Wieso nicht die einfache Lösung?
mopsfidel 10.07.2012
Die Stromlieferanten möchten eine genaue Verbrauchsanalyse, um Stromkapazitäten besser steuern zu können. Wieso muss dazu in jedem Haushalt ein intelligenter Stromzähler verbaut werden? Für diese Anforderung würde es genügen, wenn im nächstgelegen Straßenverteiler ein Messgerät eingebaut wäre. Denn ob nun die Meiers oder nur die Schulzes gerade mehr Strom verbrauchen, spielt für die komplette Straßen keinen Unterschied. Den Stromanbietern geht es darum, Strom teurer machen zu können. Und zum Glück erkennen die Verbraucher diesen faulen Zauber und zeigen den Unternehmen die rote Karte. Ich wette allerdings darauf, dass in spätestens in 5 Jahren ein Stromausbauerneuerungsgesetz beschlossen wird, in dem jeder Verbraucher verpflichtet wird, sich ein solches Messgerät einpflanzen zu lassen.
5.
mr.ious 10.07.2012
Zitat von commonmandie meisten bieten nur EINEN tarif an, da sich die grundversorger das privileg des nachttarifs gesichert haben. jeder nachtspeicherheizungsnutzer kann ein (klage)lied davon singen.
Ach was ? Es gibt keine Tarife für gewerbliche Kunden und private. Und, die Smart-Meter die es bei uns gibt, die berechenen auch nicht im Minuten Takt, sondern viertelstündlich. Seit Jahren bereits.
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