Smartphone-Tarife und -Verträge Ein-Euro-Handys kommen Sie meist teuer zu stehen

131 Millionen Handyverträge gibt es in Deutschland. Zig Millionen sind zu teuer. Ein Überblick, wie sie die passenden Konditionen und ein preiswertes Smartphone bekommen.

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Eine Kolumne von


Sie kennen das Angebot vermutlich aus Prospekten, Werbemails oder Ihrem Elektrokaufhaus: Das Smartphone für einen Euro mit einem Zweijahresvertrag eines Mobilfunkanbieters. Und vielleicht haben Sie sich auch gefragt, ob das nicht zu gut ist, um wahr zu sein.

Da könnten Sie Recht haben: Es ist wie mit allen Sonderangeboten. Manche sind wirklich gut, und manche taugen nichts, was man erst feststellt, wenn man genau hinsieht.

Genauer hinsehen bedeutet,

  • den Preis für Handy und Vertrag über die Lebensdauer des Vertrags zusammenzurechnen
  • und das dann mit dem besten verfügbaren Vertrag mit gleicher Leistung und Dauer zu vergleichen - aber ohne Handy.
  • Und dann den Preis für das gewünschte Smartphone im Netz heraussuchen und hinzuaddieren.

In den meisten Fällen ist es ökonomischer, einen Vertrag oder eine Prepaid-Karte ohne Handy zu erwerben und das Smartphone preiswert woanders zu kaufen.

Als Daumenregel gilt: Die Verträge der Netzbetreiber sind im Normalfall zu teuer. Da ist es ganz egal, ob die Zuzahlung fürs Handy tatsächlich spektakuläre ein Euro beträgt, oder vielleicht seriöser wirkende 149 Euro.

Meine Kolleginnen und Kollegen bei "Finanztip" überprüfen diese Daumenregel regelmäßig. Zuletzt machten Sie das im Juni. Gibt es die zehn meistverkauften Smartphones mit Vertrag nicht doch günstiger? Geprüft haben sie Verträge mit iPhone X, Samsung Galaxy S9, Huawei P20 lite und vielen mehr.

Ergebnis: Die Daumenregel für die Netzbetreiber gilt nach wie vor. Im O2-Netz aber gibt es einige Discounter, die teure Smartphones auch ohne allzu hohen Aufpreis anbieten. Hier kann die Kombination aus Tarif und Handy funktionieren. Lohnende Angebote fanden sie zum Beispiel bei Anbietern wie Blau, Simply oder Premiumsim.

Bei O2 selbst funktioniert das aber nicht. Dort ist die Kombination von Handytarif mit Smartphone gut die Hälfte teurer als die separate Anschaffung.

Wer an seinem Wohn- oder Arbeitsort einen Tarif im besseren Telekom- oder Vodafone-Netz braucht, dem stehen solche Billig-Kombi-Angebote nicht offen.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

131 Millionen Handyverträge gibt es aktuell in Deutschland. Zig Millionen Verträge sind zu teuer, zig Millionen Smartphones werden zudem zu teuer eingekauft. Wenn nur 30 Millionen Handyverträge im Schnitt zehn Euro pro Monat zu teuer sind, kostet das die Verbraucher 300 Millionen Euro im Monat oder 3,6 Milliarden Euro im Jahr.

"Finanztip" hat in diesem Sommer seine Leser nach ihrer Handynutzung gefragt. Die Hälfte der Teilnehmer bekannte, ihr Handy erst zu wechseln, wenn es nicht mehr funktioniert. Wenn solche Handys subventioniert mit Vertrag gekauft sind, kosten sie am Ende schnell doppelt so viel, als wenn man sie direkt im Handel besorgt hätte.

Wie also gehen Sie als preisbewusster Smartphone-Kunde am besten vor?

  • Prüfen Sie, welches Netz Sie brauchen. Suchen Sie sich mit einem Rechner einen preiswerten Tarif.

  • Wenn Sie ein neues Telefon benötigen, kaufen Sie das gewünschte Smartphone möglichst günstig ein. Preissuchmaschinen wie Idealo, billiger.de oder Geizhals helfen Ihnen dabei.

  • Reicht für Ihren Alltag das deutlich schwächere O2-Netz, dann prüfen Sie die Verträge mit Handy von Billiganbietern über Vergleichsportale wie Check24, Verivox oder Tariffuxx. In unserer Untersuchung war über zwei Jahre gerechnet sieben Prozent Ersparnis drin.

  • Ganz besonders preisbewusste Handynutzer kaufen ihr Gerät gebraucht vom Händler. Der Kauf beim Profi bringt gute Preise kombiniert mit einer Gewährleistung von einem Jahr für das gebrauchte Gerät. Viele Anbieter geben sogar eine Garantie für bis zu drei Jahre.

  • Wenn Sie einen günstigen Vertrag mit Handy ergattert haben, achten Sie darauf, dass die monatliche Gebühr nach den zwei Jahren Mindestlaufzeit, in denen Sie Ihr Handy abbezahlen, auch wirklich deutlich sinkt. Andernfalls kündigen Sie den Vertrag zum Ablauf der zwei Jahre schon jetzt. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Und für all diejenigen, die aktuell gar kein neues Smartphone benötigen: Prüfen Sie wenigstens mal ihre Vertragsbedingungen. Neue Verträge sind meist deutlich preiswerter. Und auch wenn's "nur" ein Hunderter im Jahr ist. Der hilft schon, wenn die Kasse nach dem Urlaub leer ist.



insgesamt 38 Beiträge
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dasfred 21.07.2018
1. Die Koppeltarife haben ihre eigene Zielgruppe
Das nicht meist nicht die aufgeklärten Verbraucher, sondern die, die es nie schaffen werden, mal eben Geld anzusparen. Die auch glauben, Null Prozent Finanzierung beim Möbelkauf währe günstig, statt mit Barzahlung den Preis runterzuhandeln. Nur deshalb laufen Menschen mit Smartphones durch die Gegend, die sie sich eigentlich nicht leisten können und dann über Jahre anderswo Abstriche machen müssen.
issernichsüss 21.07.2018
2. Nur Cash zählt!
Gerade für junge Leute sollte die konvervative Regel gelten: Leiste dir nur, was du dir leisten kannst! D.h. egal ob Handy, Auto oder Luxusurlaub, wenn du dir es nicht aus eigenen flüssigen Mitteln leisten kannst, dann lass' es sein! Denn dann lebst du über deine finanziellen Verhältnisse. Da hilft der Hinweis auch nicht, dass fast alle Auto-Eigner ihre Kisten finanzieren oder leasen. Warum wohl sonst, liegen deren Kfz-Briefe in Banktresoren, statt Zuhause in eigener Aufbewahrung?
kalle76 21.07.2018
3. Wer billig will...
...zählt aber ggf. doppelt. Denn Drittanbieter, die über kein eigenes Netz verfügen (z. B. Blau.de usw) mieten Kapazitäten bei den großen Betreibern. Die jedoch kümmern sich in erster Linie um ihre eigenen Kunden, bedeutet: selbst wenn ausreichend Netz vorhanden ist kann es trotzdem nur im Schiödkrötentempo vorangehen. Beim Kundenservice das gleiche, bei Netzproblemen kann oftmals der Drittanbieter nur auf den grossen Betreiber verweisen und schon hat man zwar gespart aber dafür ordentlich Ärger.
lungu_t_m 21.07.2018
4. Ja, ich suche einen neuen Vertrag
und ein Smartphone. Zur Zeit bin ich bei O2 und mit dem Netz in Nürnberg auch zufrieden. In der Fernsehwerbung sehe ich aber immer Angebote von Sparhandy die deutlich günstiger sind. Leider werden diese Angebote in Ihre Vergleich nicht berücksichtigt.
newline 21.07.2018
5. Die erste Frage sollte sein:
Brauche ich überhaupt ein Smartphone oder reicht, um telefonisch oder per SMS erreichbar zu sein, ein einfaches Mobiltelefon.
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