Preisgünstige Akkus für den Keller So speichern Sie Strom - und machen sich von Konzernen unabhängig 

Immer mehr Betreiber privater Solaranlagen bauen sich Stromspeicher in den Keller. Die Kosten der Akkus haben sich in den vergangenen Jahren halbiert. Für wen lohnt sich die Anschaffung wirklich?

Einfamilienhaus mit Solarzellen
imago/blickwinkel

Einfamilienhaus mit Solarzellen

Eine Kolumne von


Das Thermometer zeigt 35 Grad - und im Dachgeschoss ist es kaum auszuhalten. Partner und Kollegen schreien nach Klimaanlagen und Ventilatoren. Der Kühlschrank läuft auf Hochtouren.

Was das wieder kostet!

Einigen hunderttausend Haushalten in Deutschland allerdings gehen die Stromkosten der aktuellen Hitzewelle am Hintern vorbei. Sie haben eine Solar-Anlage auf dem Dach, die stellt dieser Tage besonders viel Strom bereit. Den eigenen Strom können sie für Klimaanlagen, Ventilatoren und Kühlschränke nutzen. Und überschüssigen Strom können sie zu festen Preisen an den örtlichen Stromanbieter verkaufen oder - das ist relativ neu - mit einem passenden Akku dazu im Keller speichern.

Eigener Strom aus dem Akku ist meist günstiger

In der Kombination mit dem Akku gelingt es solchen Haushalten normalerweise, mehr als die Hälfte des selbst erzeugten Solarstroms zu verbrauchen, oft über 60 Prozent. Ohne Akku sind für private Solarstromer heute 25 bis 30 Prozent normal. Auch damit gelingt eine Ersparnis gegenüber den Preisen, die der Stromanbieter verlangt - mit ein wenig Planung.

Und das geht so: Mit modernen Photovoltaikanlagen kostet die Stromerzeugung einer Kilowattstunde (kWh) rund 10 Cent. Kauf und Einrichtung eines Stromspeichers sind immer noch recht teuer. Bekommt man einen guten Preis und hält das Gerät entsprechend lange, entstehen moderate Kosten für die Speicherung von 12 bis 20 Cent pro kWh. Erzeugung und Speicherung zusammen schlagen also mit 22 bis 30 Cent je kWh zu Buche. Und damit ist der eigene Strom aus dem Akku meist deutlich günstiger als der vom klassischen Anbieter. Mit einem kleinen Rechner des Öko-Instituts hat meine Kollegin Ines Rutschmann beispielhaft die Speicherkosten einer Kilowattstunde Photovoltaik-Strom ausgerechnet.

Finanztip.de

Als Besitzer einer Photovoltaikanlage haben Sie aktuell in der Mittagshitze mehr als genug Solarstrom für ihre Klimaanlage. Gerade deshalb ist ein Akku sinnvoll. Damit speichern Sie die zusätzliche Leistung aus den Mittagsstunden und betreiben damit am Nachmittag und Abend Ihre Kühlgeräte, Computer und Fernseher. Und wenn die Nächte tropisch werden, das Leselicht lange brennt, das Bier im Kühlschrank kalt bleiben soll und der Energieaufwand für eine erträgliche Temperatur in der Wohnung hoch ist, lohnt sich der Akku ganz besonders.

Die Preise fallen, der Staat subventioniert

Die Speicher liegen voll im Trend. Inzwischen sind rund 85.000 solcher Batterien in Deutschland installiert, doppelt so viele wie noch Anfang 2017. Im ganzen Jahr 2017 sind über 30.000 Stromspeicher in Betrieb gegangen.

Die Preise für Akkus haben sich seit 2013 halbiert, und eine ordentliche Förderung gibt es obenauf. Wer seine Batterie mit einem preiswerten KfW-Kredit finanziert, bekommt einen Tilgungszuschuss von bis zu 10 Prozent. Im vergangenen Jahr lag die Förderung noch bei bis zu 16 Prozent. Durchschnittlich sind 2100 Euro Tilgungszuschuss geflossen, geht aus Daten des Bundeswirtschaftsministeriums hervor. Zum Teil noch höhere Förderung gibt es von den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Baden-Württemberg.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Mancher baut aus technologischem Interesse den Akku in den Keller, so ein bisschen wie die ersten Solarpioniere oder die Käufer der ersten teuren Smartphones. Manche träumen von Energieautarkie, kaufen teurere Akkus, die bei einem Stromausfall aus dem eigenen Haushalt eine Netzinsel machen. In den Sommermonaten erreichen durchschnittliche Haushalte oft Autarkiegrade von über 80 Prozent.

Der Weg zum Solarspeicher in fünf Schritten

Viele aber müssen auch aufs Geld schauen. Da ist die Förderung schon hilfreich, schließlich kostet ein haushaltstauglicher Akku immer noch zwischen 3000 und 10.000 Euro netto und damit womöglich mehr als die Solaranlage selbst.

Angefixt? Mit diesen fünf Schritten kommen Sie zum Ziel:

  • Rechnen Sie aus, wie viel Strom Sie in Ihrem Haushalt brauchen. Genau so viel sollten Sie mit der Photovoltaikanlage erzeugen und drei Viertel davon auch rein rechnerisch speichern können, um am Ende ihre Kühlschränke, Computer und Lampen mindestens zur Hälfte mit eigenem Strom zu betreiben.
  • Lassen Sie sich mehrere Angebote von Installateuren für eine passende Solaranlage und den passenden Stromspeicher machen. Qualitätskriterien für die Geräte finden Sie im Finanztip-Ratgeber Stromspeicher.
  • Lassen Sie den Stromspeicher an einem eher kühlen Ort aufbauen und sich vom Installateur einen Speicherpass ausstellen.
  • Nehmen Sie die Förderung der KfW und - soweit möglich - Ihrer zuständigen Landesregierung mit.
  • Behandeln Sie Ihren Akku gut, damit er lange lebt und sich bezahlt macht. Die Akkuhersteller sagen, ein Akku lebt noch, solange er noch über 80 Prozent seiner Kapazität verfügt. Das garantieren die Hersteller für zehn Jahre. Aber ein Speicher kann und sollte noch deutlich länger halten.

Es ist gut möglich, dass die Zahl der Stromspeicher in Deutschland in den kommenden Jahren sogar exponentiell steigt. 1,7 Millionen Solaranlagen werden insgesamt in Deutschland privat betrieben. Und bei vielen der Anlagen läuft die Festabnahme des Stroms zu hohen Preisen Anfang des kommenden Jahrzehnts aus. Für die Eigentümer solcher alten Photovoltaikanlagen sind Akkus sogar noch attraktiver als für Neu-Solar-Freunde. Denn solche Solaranlagen sind lange abbezahlt, den Strom von der Sonne gibt es für sie jetzt quasi umsonst. Und - wie gesagt - Stromspeicher werden immer preiswerter. Besser geht's nicht.



insgesamt 251 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
freeclimber 28.07.2018
1. Der potentielle Brandbeschleuniger im Keller
Bitte daran denken, dass die meisten dieser Betterien brandgefährlich sind. Nur einfach so im Keller sollten die Dinger nicht plaziert werden. Löschen kann die im Fall des Falles niemand. Daher sollte zumindest an eine Einhausung gedacht werden.
cyberpommez 28.07.2018
2. Na vielen Dank auch
Es scheint nicht tgenug zu sein, dass ich wohlhabenderen Menschen ihre Solaranlagen finanziere, nein jetzt auch noch die Akkus. Was soll das? Während wohlhabende Menschen sich eine Solaranlage auf ihr Einfamilienhaus pflanzen, ächzen ärmere Familien unter der Last der EEG Umlage. Wenn man wenig Geld hat landet man häufig in Wohnungen mit Nachtspeicheröfen, die dann richtig zu Buche schlagen. Dann finanziert der ärmere Mensch den Luxus der Einfamilienhausbesitzer. Klingt sehr sozial das Ganze.
DerRömer 28.07.2018
3. Echte Helden
Echte Helden stellen ihren Strom selbst her, verkaufen ihn jetzt noch überteuert, kriegen jetzt eine Förderung von tausenden von Euro. Schön ich habe aber eine Wohnung. Was habe ich davon? Und so eine wichtige kleine Unterschlagung war im Artikel auch enthalten. Die Kosten wurden ohne die Neuanschaffung eines neuen Akkus berechnet. Aber auch das ist nicht das Problem, die Kosten für die Brandversicherung des Hauses dürfte mit solchen Akkus exponentiell steigen. Schon das löschen von Photovoltaik Anlagen ist gelinde gesagt schwierig. Ein Akku der Brennt davon haben sie dann länger was von, weil es noch nach Tagen zu wiederentzündungen kommen kann.
Brruno 28.07.2018
4. Ressourcen
Das ist wohl eher eine Flucht vor dem Staat als vor den Konzernen, denn der Strompreis ist durch Gesetzgebung bei 30 Cent. Fraglich, ob der Verbrauch seltener Erden im privaten Keller ökologisch sinnvoll ist, und gefördert werden sollte.
luwigal 28.07.2018
5. Also, denen, die das Geld für so eine Anlage haben, ...
wird anderes Geld (Fördermaßnahmen) in den Hintern geschoben. Von wem stammt Letzteres? Auch von denen, die das Geld für so eine Anlage nicht haben, sich aber gerne auch so eine Anlage auf das Dach und in den Keller montieren ließen. So ist das nicht richtig, es ist falsch und stinkt zum Himmel. Besser wäre, angesichts der 0 % - Zinsphase, wenn sich die, die das Geld nicht flüssig haben, die Beschaffung zu 100 % z.B. über die KFW finanzieren könnten. Dann zahlt man halt über 20, 25 Jahre zurück, - ohne Zinsen -, logisch. Die Fördermittel könnte man sich sparen, weil sich nun (fast) jeder derartige Anlagen leisten könnte und / oder, weil z.B. die Finanzierung über Banken läuft, könnte man die eingesparten Fördermittel dafür verwenden, dass die Banken eine Gegenleistung bekommen. Denn, für umsonst machen die logischerweise nicht mit ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.