Regierungsstudie Solarstrom für Millionen Mietwohnungen

Mieter sollen nach dem Willen der Regierung stärker von der Energiewende profitieren. Laut einer Studie könnten bis zu 3,8 Millionen Wohnungen mit Solarstrom versorgt werden.

Pilotprojekt einer Solaranlage für Mieter in Berlin
LichtBlick

Pilotprojekt einer Solaranlage für Mieter in Berlin


Die Solarenergie in Deutschland hat laut einer Studie noch großes Potenzial. Bis zu 3,8 Millionen Mietwohnungen könnten theoretisch mit Sonnenenergie versorgt werden, heißt es in einer Erhebung, die das Forschungsinstitut Prognos und die Kanzlei Boos Hummel & Wegerich im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt haben. Das entspräche fast einem Fünftel aller Mietwohnungen in der Bundesrepublik.

Für die deutsche Energiewende wäre mehr Mieterstrom ein konsequenter Schritt. Bislang können sich fast nur Hausbesitzer mit Ökostrom versorgen. Dabei hätte es viele Vorteile, auch Mietern Zugang zu Solaranlagen zu verschaffen.

Erstens könnten so die sinkenden Absätze im Solarsektor abgefedert werden; die Branche hat wegen sinkender Fördersätze in den vergangenen zwei Jahren deutlich weniger Anlagen verkauft als noch zu ihren Boomzeiten. Zweitens wäre es sozial gerechter, wenn nicht nur ohnehin meist gut situierte Hausbesitzer die Chance haben, von der Energiewende zu profitieren. Drittens können Wohnungsbaugesellschaften und Immobilienbesitzer die Renditen der Solaranlagen einstreichen und die Attraktivität ihrer Wohnungen erhöhen.

Damit mehr Mieter Solarstrom beziehen können, müssten sich allerdings erst die politischen Rahmenbedingungen ändern. Denn die Regierung hat in der Studie auch die Wirtschaftlichkeit von bereits existierenden Geschäftsmodellen im Bereich Mieterstrom untersuchen lassen - und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: "In vielen Fällen lohnt es sich für Gebäudeeigentümer, Vermieter und weitere Akteure nicht, das Potenzial zu erschließen", teilt das Wirtschaftsministerium mit.

"Seit Jahren überfällig"

So betreibt etwa das Unternehmen Lichtblick in Berlin ein Pilotprojekt. Solaranlagen versorgen dort rund 3000 Mietwohnungen mit Strom. Mieter können den Strom dieser Anlagen mitnutzen und bekommen dafür Rabatt auf ihren Ökostromtarif bei Lichtblick. Das Pilotprojekt hat viel Lob bekommen - aber nur wenige Folgeaufträge nach sich gezogen.

Die Regierung erwägt nun, den Markt zu unterstützen. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes habe man sich vorgenommen, "Mieter stärker bei der Umsetzung der Energiewende einzubeziehen", sagt Staatssekretär Rainer Baake. Die Studie sei "eine gute Grundlage für die Ausgestaltung einer zukünftigen Förderung".

Die betroffenen Firmen begrüßen die Ankündigung. "Das ist eine erfreuliche Kehrtwende der Bundesregierung, die in der Vergangenheit Mieterstrom blockiert hat", heißt es bei Lichtblick. Ein entsprechendes Gesetz sei seit Jahren überfällig.

Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern, der auch Mieterstrom-Dienstleistungen anbietet, fordert statt einer Förderung, die Erneuerbare-Energien-Umlage für Mieterstrom zu reduzieren. Dies sei ein "wirkungsvolles und vor allem sofort umsetzbares Instrument". Die Regierung müsse endlich "vom Diskutieren zum Handeln zu kommen".

ssu



insgesamt 204 Beiträge
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Holledauer 24.01.2017
1. Die völlig verkorkste
Leider begreifen es die wenigsten Bundesbürger, dass die Merkel'sche Energiewende nicht funktionieren kann, so lange es keine ausreichenden Speicher für überschüssige elektrische Energie gibt. So müssen trotz unzähliger Wind- und Solarkraftwerke die mit Kohle befeuerten Kraftwerke praktisch ständig unter Volldampf arbeiten, um immer die Stromversorgung in Deutschland sicher zu stellen. Dass dieses Manko, die fehlenden Energiespeicher, einer promovierten Physikerin nicht aufgefallen sind, spricht Bände über den Machthunger der Frau Dr. Merkel!
DLH711 24.01.2017
2. Da ist die Bundesregierung aber weit zurück
Dies ist in Nordkorea gang und gäbe, zumindest für die, die ein Südfenster oder sogar Balkon haben. Schade, dass man kein Foro hochladen kann... Also keine neue deutsche Innovation sondern nur "me too, me too"
Überfünfzig 24.01.2017
3. Das wird wohl die nächste....
....EEG-Abgabe zum Wohle weniger beschlossen, weil Experten.... ab da konnte ich nicht mehr weiterlesen. Experten brüten eine Lösung aus und die Regierung möchte am liebsten und ohne demokratischen Prozess oder der öffentlichen Meinungsbildung schnell ein Gesetz durchstechen und der Verlierer wir mal wieder der lohnabhängige Verbraucher sein, dessen Meinung nicht gefragt ist, aber sein Geld gerne geschätzt wird. Irgendjemand muß ja die ganzen "klugen" Experten, die sich ständig neues Geselschafts-Engineering ausdenken, bezahlen.
haresu 24.01.2017
4. Wenn es sich nicht lohnt muss man eben nachhelfen
Alles Mögliche wird subventioniert. Warum nicht Solarenergie für Mietshäuser? Warum muss sich Ökostrom rechnen? Warum muss sich überhaupt etwas rechnen? Kohle hat sich auch jahrzehntelang nicht gerechnet, unsere komplette Landwirtschaft rechnet sich nicht.
ungebetener_gast 24.01.2017
5. Tolle Idee!
Bekommt dann jeder Mieter einen eigenen Wechselrichter und ein Kabel vom Dach in die Wohnung gezogen? Oder wie will man die Solarenergie auf mehrere Verbraucher verrechnen? Fragen über Fragen...
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